Mythos Verwandtenehe


Cousin und Cousine: Charles Darwin machte sich zeitlebens Sorgen, dass sich seine Ehe mit seiner Cousine Emma Wedgwood negativ auf…Bilder: akg-images/Mauritius
In Berlin-Neukölln sterben vergleichsweise viele Säuglinge. Verwandten-Partnerschaften sollen der Grund sein – eine These ohne Grundlage.

Von Susanne Donner | DER TAGESSPIEGEL

Etwa drei von tausend Neugeborenen sterben in Berlin im ersten Lebensjahr. Einzig in Neukölln sind es statistisch fast doppelt so viele – etwas mehr als fünf von tausend Babys. So steht es im Gesundheitsbericht „Zur gesundheitlichen Lage von Menschen mit Migrationshintergrund“ (Der Tagesspiegel berichtete, PDF des Gesundheitsberichts hier). Zu den Ursachen dieser Häufung nennt der Bericht zwar viele Mutmaßungen, aber kaum Belege. Laut Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) könne „die schlechte soziale Lage mit Blick auf andere soziale Brennpunkte nicht die einzige Ursache sein.“ Vielmehr könne auch „die Häufung von Verwandtenehen“ aufgrund des hohen Anteils türkisch- und arabischstämmiger Personen im Bezirk ein Grund sein. Er beruft sich dabei auf „Gespräche, die er mit Ärzten“ geführt habe. Das geht in die gleiche Richtung wie eine Anfrage der AFD im Bundestag im April, wie sich „die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt“ habe, „insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen“.

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