Todesstrafe: Was die Henkersmahlzeit mit Ehrenmorden gemein hat


„Wie ängstet sich die Brust der Menge für den Übeltäter“, erkannte Goethe – Darstellung einer Exekution aus dem 19. Jahrhundert Quelle: UIG via Getty Images/Christophel Fine Art
Noch immer werden jährlich Tausende zum Tode verurteilt. Seit Urzeiten kommen dabei Rituale zum Einsatz, um die Zustimmung des Opfers zu erlangen: durch ein gutes Mahl oder einen „Gnadenschuss“.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Die Todesstrafe ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Aber ihr Fortschritt reichte bislang nicht aus, jene endgültig zu bannen. Nach der Todesstrafen-Statistik von Amnesty International sind es nach der Gesetzesänderung in Nauru und Benin inzwischen 141 Staaten, die das Todesurteil in Gesetz und Praxis abgeschafft haben. Auch sei die Zahl der vollstreckten Urteile von 1634 in 2015 auf 1032 gesunken, heißt es. Dafür aber stieg die Gesamtzahl der Todesurteile von 1990 auf 3117. Doch was so absolut klingt, sind höchstens Näherungswerte. Allein für China dürften in der Statistik Tausende Fälle fehlen.

Erst im Februar 2017 wurde bekannt, dass in Vietnam in den vergangenen drei Jahren mindestens 429 Menschen hingerichtet wurden, wesentlich mehr als bislang angenommen. Und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Wiedereinführung der Todesstrafe zum Programm erhoben, womit er in der islamischen Welt im Übrigen nicht allein steht. Iran (567), Saudi-Arabien (154), Irak (88) und Pakistan (87) stehen für 87 Prozent aller bekannt gewordenen Hinrichtungen.

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