Out of Africa oder Multiregionalismus?

Den Neandertaler muss man sich vorstellen wie eine Mischung aus Pumuckl, Pipi Langstrumpf, Sams und dem britischen Außenminister. Rekonstruktion eines männlichen homo neanderthalensis mit Kind, Naturhistorisches Museum, Wien. Bild: Wolfgang Sauber/CC BY-SA-4.0
Teilen wir Europäer mit den Mbuti-Pygmäen aus dem Kongo die gemeinsamen Vorfahren? Sind wir gar eine Promenadenmischung aus Neandertalern und Indern? Sieht fast so aus, wenn es nach einer molekularbiologischen Studien aus China geht

Jörg Albert | TELEPOLIS

Etwa seit den 80er Jahren gibt zwei konkurrierende Erklärungsmodelle zum geografischen Ursprung des modernen Menschen: die multiregionale und die (einmalige) „Out of Africa“-Hypothese.

Im multiregionalen Modell wird die menschliche Evolution als Ergebnis einer Ausdehnung des Homo erectus im frühen und mittleren Pleistozän über Afrika hinaus dargestellt. Danach führte eine lokale Differenzierung zur Entstehung lokaler Bevölkerungen, die schließlich den anatomisch modernen Menschen (anatomically modern humans AMH) in vier unterscheidbare Gruppen (Afrikaner, Europäer, Ost-Asiaten und Australoide) hervorbrachten. Homo war eine einzige Spezies, seit ihre Art vor zirka 2,3 bis 2,8 Millionen Jahren in Fossilien auftauchte.

Unterstützung findet dieses Modell in Ausgrabungen von Fossilien und steinzeitlichen Artefakten. Allerdings fehlt ein schlüssiger molekularbiologisch Nachweis. Autosomale Daten (die ersten 22 Chromosomenpaare des Menschen), die für einen gemeinsamen Vorfahren sprechen, reichen 1,5 Mio. Jahre, aber nicht 2,5 Mio. Jahre zurück. Zusätzlich geht das multiregionale Modell von einer fortlaufenden Vermischung (gene flow) der verschiedenen Menschengruppen aus.

Deutliche Schwierigkeiten bestehen bei diesem Modell in der klaren Trennung zwischen archaischer und moderner weiblicher und männlicher DNA (mtDNA und Y-DNA, das jeweils 23. Chromosomenpaar), das Fehlen archaischer mtDNA und Y-DNA im modernen Menschen und das junge Alter der modernen Y (ca. 100.000 Jahre) und mtDNA (ca. 200.000 Jahre).

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NASA-Orbiter fotografiert blaue Düne auf dem Mars

Eine blaue Sicheldüne im Lyot-Krater auf dem Mars. (Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizon)
Der Mars Reconnaissance Orbiter hat in einem Mars-Krater eine große Düne mit ungewohnter Färbung entdeckt: Sie ist blau.

Tilman Wittenhorst | heise online

Der Erkundungssatellit Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) der NASA umkreist seit 2006 den Roten Planeten und schießt hochaufgelöste Fotos. Kürzlich hat die NASA ein Bild veröffentlicht, das eine ungewöhnliche blaue Düne in einem Krater zeigt.

In dem mehr als 230 Kilometer großen Lyot-Krater hat der Orbiter bereits im Januar mehrere Sicheldünen fotografiert. Eine davon ist größer und komplexer als die umliegenden Dünen und türkis-blau gefärbt, wie die NASA schreibt.

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Türkei-Wahl: Manipulation und Einschüchterung

Grafik: TP
Wahlbeobachter melden Repressionen und Manipulationen, in Erzurum wurde ein Oppositionspolitiker erschossen

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Als Wahlhelfer im türkischen Suruc nahe der syrischen Grenze heute am frühen Morgen das Wahllokal betraten, staunten sie nicht schlecht: In der Wahlurne befanden sich, noch bevor der erste Wähler eintraf, rund hundert Stimmzettel – angekreuzt war die AKP beziehungsweise Recep Tayyip Erdogan.

Es war nur der erste in einer ganzen Reihe von Zwischenfällen, die sich im Laufe des Wahltages aneinanderreihten. Auch in Istanbul, Ankara und anderen Orten kam es zu Unregelmäßigkeiten und Manipulationsversuchen. Die meisten Berichte stammen allerdings aus dem kurdisch geprägten Südosten des Landes. Ein Zufall? In Suruc holte die linksliberale HDP bei der Wahl im Sommer 2015 knapp 80 Prozent der Stimmen, bei den Neuwahlen im Herbst immerhin noch 68 Prozent. Vor wenigen Tagen hatte Staatspräsident Erdogan Maßnahmen gefordert, um die HDP kleinzuhalten. Das heißt: unter der Zen-Prozent-Hürde. Denn ein Wiedereinzug der HDP ins Parlament ist aktuell die größte Gefahr für die von der AKP anvisierte Mehrheit.

Auch viele Wähler dürften beim Gang zum Wahllokal überrascht gewesen sein. In zahlreichen Städten und Orten hingen noch immer Wahlplakate der AKP. Obwohl das am Wahltag illegal ist. Extrem weite Wege von teils mehr als 25 Kilometern mussten Wähler im Südosten auf sich nehmen. Denn viele Wahllokale waren in größeren Orten und Kreisstädten zusammengelegt und der öffentliche Nahverkehr teilweise eingestellt worden. Eine Maßnahme, die offenbar zum Ziel hat, Oppositionswählern die Stimmabgabe zu erschweren.

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Hamed Abdel-Samad: Integration? Wohin?

In diesem Teil unseres Gesprächs mit Hamed Abdel-Samad anlässlich seines jüngsten Buches „Integration – Protokoll eines Scheiterns“ geht es um die Illusion, dass man sich nur am Grundgesetz orientieren müsse, und schon könnten sich Migranten integrieren.

Peter Grimm | Achgut.com

Doch statt von Zuwanderern zu fordern, die hiesigen Regeln zu respektieren, verhandeln wir die Grundrechte mit konservativen Islamverbänden. Die fordern unter Verweis auf die Religionsfreiheit von der Gesellschaft die Akzeptanz der Beschneidung vieler anderer Grundrechte, wenn sie nach den Regeln Allahs und seines Propheten geboten ist. Und deutsche Regierungen und Behörden gehen darauf auch noch ein.

Keiner wagt auszusprechen, dass es – so man tatsächlich einen gesellschaftlichen Zusammenhalt statt auseinanderdriftender Parallelgesellschaften haben will – eigentlich um Assimilation gehen muss. Da kommt allerdings auch ein spezielles deutsches Problem hinzu: Wohin sollen sich denn Zuwanderer integrieren? Wie sollen sie sich denn positiv zu Deutschland bekennen, wenn selbiges unter Deutschen offenbar als anrüchig gilt?

Historikerin: Menschen wussten viel über KZs

Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Menschen in der Umgebung der Konzentrationslager Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen wussten nach Ansicht der Historikerin Bianca Roitsch mehr über die Zustände in den Lagern, als sie zugeben wollten. „In örtlichen Zeitungen wurde über die KZs berichtet, außerdem konnte die Bevölkerung Häftlinge wie in Esterwegen auf ihren Märschen ins Moor sehen“, sagte die Expertin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Für ihre Doktorarbeit an der Universität Oldenburg habe sie Quellen aus der Zeit von 1933 bis 1960 ausgewertet, sagte Roitsch. Aus amtlichen Unterlagen gehe hervor, dass zahlreiche lokale Handwerker und Gewerbetreibende regelmäßig in Konzentrationslagern gewesen seien, um sie mit Lebensmitteln zu beliefern oder Arbeiten auszuführen. In den 1933 eingerichteten KZs Moringen bei Göttingen und Esterwegen im Emsland habe mancher Anwohner als Hilfsaufseher eine Anstellung gefunden oder Häftlinge bei ihrer Arbeit auf Baustellen in der Nähe angeleitet. Zudem habe es Kontakte zu den SS-Wachmannschaften gegeben, berichtete die Historikerin.

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USA beunruhigt über „syrische Aktivitäten im Süden Syriens“

US-Basis in der Nähe von al-Tanf. Foto: русская весна / CC BY-SA 4.0
Die Offensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeten zur Wiedererlangung der Kontrolle im eigenen Land und die ihr entgegengesetzten Interessen von außerhalb

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Syrien baut sich in einer geopolitisch neuralgischen Region, im Südwesten des Landes, eine spannungsgeladene Situation auf. Die Regierung in Damaskus hatte eine Offensive in der Provinz Suweida und Daraa angekündigt und bereits begonnen; erste Eroberungen werden gemeldet. Ziel ist es das Gebiet von IS-Kämpfern zu säubern, um die staatliche Kontrolle auszuweiten. Wie Präsident Assad mehrmals bekräftigt hat, will er ganz Syrien zurück unter die Kontrolle der Regierung bringen

Die Offensive im Südwesten macht die Nachbarländer Jordanien und Israel nervös. Damit sind auch die USA im Spiel. Die drei Länder berufen sich auf Abmachungen mit Russland, die seinerzeit in Jordanien getroffen wurden und von Trump und Putin am Rand des letztjährigen G20-Gipfels in Hamburg offenbar bestätigt wurden.

Wie die Abmachungen zwischen den USA, Russland und Jordanien genau lauten, wissen nur Insider. Es gibt kein offizielles Schreiben mit Brief und Siegel dazu, das der Öffentlichkeit vorläge, und die genauen Vereinbarungen bekannt macht. Es gibt nur Medienmeldungen von mehr oder weniger gut informierten Journalisten mit mehr oder weniger guten Kontakten und die unterschiedlichen politischen Interessen, die mit der Öffentlichkeitsarbeit in der geopolitisch sensiblen Zone verbunden sind.

Für Israel und Jordanien und damit auch für deren großen Bruderpartner die USA sind die „Deeskalationszonen“ in den Grenzgebieten auf syrischem Terrain von größtem Interesse. Immer wieder gab es Medienberichte dazu, wie groß das Gebiet – in Syrien – laut Abmachungen sein soll, in dem sich auf keinen Fall schiitischen Milizen mit Verbindungen zu Iran aufhalten sollen. Israels Premierminister Netanjahu forderte einen sehr viel größeren Abstand zu den Grenzen seines Landes, als die USA mit Russland verabreden konnten.

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Söder will Merkel beim Wahlkampf in Bayern nicht dabeihaben

Eine gemeinsame Kabinettstagung haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (l.) und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bereits abgehalten. Am 20. Juni traten sie danach vor die Presse. Jetzt soll Kurz im Wahlkampf der Bayern eine Rolle übernehmen. Bild: dpa
Markus Söder will den Wahlkampf in Bayern ohne Angela Merkel führen. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, plant Bayerns Ministerpräsident, einen Kanzler statt der Bundeskanzlerin einzuladen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die CSU will einem Zeitungsbericht zufolge Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht zum Wahlkampf für die Landtagswahl in Bayern einladen. Die „Welt am Sonntag“ berichtete, dies habe es in der fast 70-jährigen Geschichte der Unionsparteien noch nie gegeben.

„Zu meiner Abschlusskundgebung kommt keine Bundeskanzlerin, sondern ein Bundeskanzler“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Blatt zufolge vor Getreuen in der vergangenen Woche. Damit meine Söder den konservativen österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, der eine Regierungskoalition mit der rechtspopulistischen FPÖ anführt. Der Ministerpräsident hatte zuletzt bei einem Treffen in Linz einen Schulterschluss mit Kurz in der Asylpolitik demonstriert.

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Internet-Postings werden zur Glückssache

(Bild: geralt / gemeinfrei)
Beim Upload-Filter trifft ein maximal sensibles Feld wie die Meinungsfreiheit auf maximale technokratische Intransparenz.

Gregor Honsel | heise online

Nun hat er es also tatsächlich getan – der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat für einen Upload-Filter gestimmt (gemeinsam übrigens mit dem ebenso hirnrissigen Leistungsschutzrecht). Damit ist die Sache zwar noch nicht endgültig durch, aber in der Regel folgt das Parlament dem Votum des entsprechenden Ausschusses.

Das bedeutet: Plattformbetreiber wie YouTube oder Facebook müssen Inhalte, die sie urheberrechtsmäßig für problematisch halten, demnächst schon vor dem Hochladen löschen. Damit wird wieder einmal eine höchst diffizile Entscheidung – wo hören Zitat, Mem, Mashup oder Parodie auf, wo beginnt das Plagiat – an tumbe Null-Eins-Algorithmen delegiert.

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Amerikaner haben Probleme, Meinungen und faktenbasierte Nachrichten zu unterscheiden

Grafik: TP
Nach einer Pew-Umfrage werden Nachrichten nach eigener politischer Präferenz klassifiziert und eher diejenigen geglaubt, die sich als faktenbasiert darstellen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Richtig nachvollziehbar ist nicht, warum seit einigen Jahren die Skepsis gegenüber Informationen wächst, die von Behörden, Regierungen und so genannten Mainstreammedien wächst. Erklärt wird dies von den Kritisierten gerne damit, dass die Kritiker, die paradoxerweise mit Donald Trump nicht nur in der Opposition, sondern an der Regierung sind, Desinformationskampagnen zum Opfer gefallen sind. Man müsse sie nur richtig aufklären und mit Faktenfindern konfrontieren, um die Welt wiederherzustellen. Bei dem Narrativ trifft ein Feind auf verführbare, gegen Manipulation nicht geschützte Gehirne. Auch ohne Feind erklären Verlierer etwa bei Wahlen, sie hätten ihre – an sich richtigen und überzeugend Botschaften – nicht richtig kommuniziert.

Wie auch immer, derzeit scheinen konventionelle Vertreter der Wahrheit, die auf Ablehnung stoßen, nun in Überlegungen zu geraten, wie Menschen überhaupt Vertrauen in Informationen und Informationsquellen generieren. Das ist eigentlich eine philosophische Frage, bei der es zwar nicht um Gewissheit geht, aber doch darum, welchen Informationen und Informationsquellen Menschen warum so weit Vertrauen entgegenbringen, dass sie der Überzeugung sind, einigermaßen richtig informiert zu werden, ohne dies selbst wirklich nachprüfen zu können.

Man kann dem empirisch nachgehen und fragen, wie dies die Menschen faktisch machen, allerdings mit der Voraussetzung. PEW hat mehr als 5000 Amerikaner befragt, um herauszufinden, ob die Menschen unterscheiden können, ob eine Nachricht einen Fakt darstellt („etwas, das durch objektive Beweise bestätigt oder widerlegt werden kann“) oder eine Meinung ist, „die die Ansichten und Werte von denen reflektiert, die sie äußern“.

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Ans Lenkrad, aber nicht ans Steuer

Amira, eine saudische Frau aus Aramco, fährt am Sonntag zu ihrem Büro in Dammam. (Bild: Hamad I Mohammed /Reuters)
Seit Sonntag dürfen Frauen in Saudiarabien selber Auto fahren. Das sieht nach Ermächtigung aus. Doch gleichzeitig strafft die Führung in Riad politisch die Zügel.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Die Zeit der männlichen Vorherrschaft hinter dem Steuerrad ist in Saudiarabien endgültig vorüber. Seit Sonntag Mitternacht dürfen auch Frauen im Wahhabitenreich Auto fahren, müssen also nicht mehr teure Taxis rufen oder sich von Verwandten und Freunden kutschieren lassen. Saudiarabien war das letzte Land, in dem das Fahrverbot galt. Gleichzeitig ging am Samstag eine aufwendige dreitägige Kampagne der Regierung zu Ende, die unter dem Slogan «Vertraue auf Gott und fahre!» Frauen ermutigen und auf Fahrtechniken und Sicherheitsbestimmungen aufmerksam machen wollte. In Riad und anderen Städten wurden Frauen in Spezialkursen gezeigt, wie die «Barrieren der Furcht» zu überwinden sind.

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Staatsleistungen an die Kirchen – wer zahlt was?

© Bild: Gina Sanders/Fotolia.com
Die Humanistische Union meldete einen neuen „Rekordwert“ an Staatsleistungen für die beiden großen Kirchen und forderte einen Stopp der Zahlungen. Ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht.

Joachim Heinz | katholisch.de

Die Zahl machte vor rund zwei Wochen die Runde. Die beiden großen Kirchen in Deutschland, meldete die Humanistische Union, könnten für das laufende Jahr mit rund 538 Millionen Euro sogenannter Staatsleistungen rechnen. Dabei handelt es sich um Zuwendungen für Erfüllung kirchlicher Aufgaben und Deckung des kirchlichen Bedarfs, die bereits vor Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung von 1919 gezahlt wurden. Die Humanistische Union forderte Bund und Länder auf, „endlich“ in Verhandlungen über eine Regelung zur Ablösung und damit Aufhebung der Dotationen einzutreten. Es handle sich um ein „seit 99 Jahren uneingelöstes Versprechen“.

Tatsache ist, dass die Weimarer Reichsverfassung in Artikel 138 bestimmte, eine Ablösung herbeizuführen. Und dass das Grundgesetz in Artikel 140 diese Verpflichtung übernahm. Dann aber wird es schnell kompliziert.

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Erdogans satte Mehrheit deutsch-türkischer Stimmen

Bild: Magazin „The Economist“
Aus Almanya winkt Erdogan und seiner AKP bei den Wahlen an diesem Sonntag wieder eine satte Mehrheit deutsch-türkischer Stimmen. Das hat viel mit gescheiterter Integrationsarbeit zu tun. Und der Wühlarbeit aus Ankara.

DOMRADIO.DE

Wie begeistert man stramme Erdogan-Anhänger in Deutschland für die säkulare Demokratie? Vor der Frage stehen Integrationspolitiker spätestens seit dem Verfassungsreferendum in der Türkei ziemlich ratlos. Zwar ging im April 2017 nur knapp die Hälfte der wahlberechtigten 1,4 Millionen Deutsch-Türken überhaupt zur Wahl. Doch davon stimmten 63 Prozent für den Umbau in ein Präsidialsystem, das Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich mehr Macht verschafft. In der Türkei selbst kam der autoritäre Staatschef nur auf dünne 51 Prozent.

Rein rechnerisch hätten die Deutsch-Türken den Potentaten sogar stoppen können. Kein Wunder, dass die Erdogan ergebenen Medien vor den türkischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni intensiv auf die Wähler aus Deutschland einwirken. Drei von fünf Auslandstürken leben hier. Wahlkampfauftritte türkischer Politiker hatte die Bundesregierung in den drei Monaten vor der Abstimmung untersagt. Trotzdem geht die nordrhein-westfälische Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU) wieder von einer satten AKP-Mehrheit aus Almanya aus. Am Mittwoch ruft sie bei einem Pressegespräch in Köln die deutsche Politik zum «battle» um das politische Herz und das Zugehörigkeitsgefühl der Türken im Land auf.

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Nach Gewalt in Cottbus: Steinmeier sieht „Tendenz zur Verrohung“

Bild: tagesschau.de
Mehrfach ist es in Cottbus zu Gewalt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen gekommen. Jetzt besuchte Bundespräsident Steinmeier die Stadt. Seine Strategie gegen Fremdenfeindlichkeit: Toleranz und Respekt.

tagesschau.de

Nach mehreren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in Cottbus hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Stadt in Brandenburg besucht. Er führte zunächst Gespräche mit Vertretern der Stadt und der Stadtfraktionen.

Danach traf er sich mit weiteren Bürgern, darunter Lehrer, Schüler und Polizisten. Ihm gehe es „vor allen Dingen um Ermutigung derjenigen, die sich dafür einsetzen, dass man in dieser Stadt weiterhin gut zusammenleben kann“, sagte Steinmeier.

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Deutsche Medien zur Ukraine: Angst vor der Wahrheit

Ruslan Kotsaba. Bild: Die Linke/CC BY-2.0
Die deutsche Elite hat aus der Ukraine einen heiligen Ort gemacht, wo es zwar Fehler gibt, das neue System aber auf dem richtigen Weg ist und nichts wirklich Demokratie-gefährdendes passiert

Ulrich Heyden | TELEPOLIS

Immer dann, wenn in der Ukraine ein kritischer Journalist oder Andersdenkender von Rechtsradikalen oder Ultranationalisten überfallen oder getötet wird, wenn die Redaktionsräume kritischer Websites wie Strana.ua oder dem Internet-Portal Timer in Odessa von Geheimdienstbeamten durchsucht werden, wenn ukrainische Journalisten wegen Landesverrat verhaftet werden, wie am 15. Mai Kirill Wischinski, der Büroleiter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti in Kiew, und vor ihm – im August 2017 – der ukrainische Journalist Wasili Murawizki , schweigen die großen deutschen Medien oder berichteten nur am Rande.

Doch am 30. Mai 2018 brach plötzlich Unruhe in den großen deutschen Medien aus. In großen Schlagzeilen berichteten sie vom Mord-Anschlag auf den Journalisten und scharfen Putin-Kritiker Arkadi Babtschenko. Stunden später stellte sich heraus, dass Babtschenko lebt und der „Mord“ eine Inszenierung des ukrainischen Geheimdienstes war, bei welcher der Journalist mitgespielt hatte (Die Schockstrategie).

Was steckte hinter dem plötzlichen Interesse deutscher Medien für tote Journalisten in der Ukraine? War es die Sorge um das Leben kritischer Journalisten? Ich glaube nicht. Der Hauptgrund war, dass man wieder Russland als angeblichen heimlichen Drahtzieher in den Fokus stellen konnte.

Diese Wertung mag einigen gewagt erscheinen. Doch wo waren die Schlagzeilen in den deutschen Medien, als im April 2015 der Russland-freundliche Journalist Oles Busina in Kiew direkt vor seinem Haus – vermutlich von Rechtsradikalen – niedergeschossen wurde? Wo waren die Schlagzeilen in Deutschland als im Juli 2016 der liberale Kiewer Journalist Pawel Scheremet mit einer Autobombe getötet wurde? Beide Morde wurden bis heute nicht aufgeklärt.

Warum berichteten die großen deutschen Medien nicht oder nur am Rande, als die kritischen ukrainischen Fernsehsender NewsOne und Inter 2016 und 2017 von ukrainischen Ultranationalisten tagelang belagert wurden. Beim Russland-freundlichen Kanal Inter fackelten die Ultranationalisten sogar einen kompletten Redaktionsraum ab. Wenn es so etwas in Russland gegeben hätte, dann hätten die deutschen Medien sicher breit berichtet.

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Mars Had a Seriously Crazy Volcanic Past, New Study of ‚UFO‘ Rocks Reveals

The Medusae Fossae formation, photographed here by the ESA’s Mars Express spacecraft, may be the single largest volcanic deposit in the solar system. Credit: ESA
Today’s Martian weather forecast calls for a hat, sunglasses and anything that will protect you from a planet-wide storm of hellish dust. But a few billion years ago, you might’ve been able to get by with just a pair of galoshes.

By Brandon Specktor | SPACE.com

According to a new study published May 22 in the Journal of Geophysical Research: Planets, the entire surface of the Red Planet may have been covered in a single ocean about 3 billion years ago. The water would have been shallow — only about 4 inches (20 centimeters) deep, the study authors wrote. But Mars‘ „Waterworld“ phase would have been just one consequence of a much larger phenomenon.

Beginning about 3.5 billion years ago and continuing for up to 500 million years after that, an outbreak of massive volcanic eruptions may have changed every aspect of the Martian geosphere, the authors wrote.

„[These eruptions] would have marked a pivotal point in the atmospheric, surface and interior evolution of Mars,“ lead study author and famed Mars-water-finder Lujendra Ojha, a planetary scientist at Johns Hopkins University in Maryland, said in a statement.

And, unfortunately for conspiracy enthusiasts, Mars‘ eruptive past may also mean the famed site of a suspected UFO crash landing is merely the result of ancient, world-shattering volcanoes. (How dull.) [Seeing Things on Mars: A History of Martian Illusions]

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EU: Migration kein rein deutsches Problem

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani warnt vor einer national ausgerichteten Flüchtlingspolitik. Migration sei „kein rein deutsches Problem“, sagte Tajani den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag) vor dem Hintergrund des Asylstreits zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU). Italien und Griechenland stünden genauso unter Druck. „Es kann jetzt nicht um nationale Lösungen gehen“, sagte der EU-Parlamentspräsident. „Wir brauchen eine europäische Strategie.“

evangelisch.de

Der Umgang mit der Zuwanderungsfrage dürfe nicht zur Zerstörung der Europäischen Union führen, betonte Tajani. „Handelt jeder Mitgliedstaat nur nach eigenen Interessen, wird die Gemeinschaft auseinanderbrechen“, warnte er. Es müsse eine europäische Lösung gefunden werden, ohne auf die nächsten Regionalwahlen zu schielen, sagte Tajani mit Blick auf die bayerische Landtagswahl im Herbst. Europas Stabilität hänge von Deutschlands Stabilität ab.

Der EU-Parlamentspräsident sprach sich dagegen aus, Asylbewerber an den EU-Binnengrenzen zurückzuweisen, die bereits in einem anderen EU-Land registriert sind – dies will Seehofer. Die Lösung liege außerhalb, nicht innerhalb der EU, unterstrich Tajani.

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Medien haben Einfluss auf Richter und Staatsanwälte

Staatsanwälte und Richter lassen sich einer Studie zufolge von Medien beeinflussen. Etwa die Hälfte von 580 Richtern und Staatsanwälten in elf Bundesländern gab an, intensiv die Berichterstattung über ihre Verfahren zu verfolgen.

evangelisch.de

Das berichtete das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ als Ergebnis einer Studie der Universität Mainz in Zusammenarbeit mit Consilium Rechtskommunikation. Mehr als jeder zweite Staatsanwalt dachte demnach beim Plädoyer schon an das öffentliche Echo.

Angesichts von Kritik aus den Medien haben sich die meisten Richter oder Staatsanwälte schon geärgert (55 Prozent), wie es in der Studie heißt. Jeder dritte Staatsanwalt führe deshalb mittlerweile regelmäßig Pressegespräche.

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Vatikan: Fünf Jahre Haft für Priester wegen Kinderpornos

© Bild: picture-alliance/dpa/Lehtikuva
Kurzer Prozess im Vatikan gegen einen früheren päpstlichen Botschaftsmitarbeiter: Wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornos wurde der Priester am zweiten Prozesstag mit der Höchststrafe belegt.

katholisch.de

Im Prozess um Kinderpornografie-Vorwürfe hat ein früherer päpstlicher Botschaftsmitarbeiter sein Fehlverhalten gestanden. Der 50-jährige italienische Priester rechtfertigte sich damit, dass er in einer „Krise“ wegen seiner Versetzung nach Washington gewesen sei, berichteten Journalisten, die bei dem Prozessauftakt im Vatikan anwesend waren, am Freitagabend. Er räumte „unpassendes“ Verhalten ein.

Am Samstag ist der Mann wegen Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das vatikanischen Gericht sprach mit seinem Urteil die Höchststrafe aus.

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Soja-Bauern werden erstes Opfer von Trumps Handelskrieg

Amerikanische Farmer gehören zu den größten Soja-Produzenten der Welt Quelle: Getty Images
Angeblich will US-Präsident Donald Trump mit seiner Handelspolitik Amerikanern helfen. Doch nun leiden als erstes Soja-Bauern in den USA. Gemeinsam mit Republikanern kritisieren sie jetzt Trump.

Von Stefan Beutelsbacher | DIE WELT

Im Handelsstreit mit China fürchten viele amerikanischen Bauern um ihre Existenz. Seine Industrie könne es sich nicht leisten, das Riesenreich als Kunden zu verlieren, sagte Davie Stephens, Vizechef des amerikanischen Soja-Verbands und Soja-Farmer aus Kentucky gegenüber WELT AM SONNTAG. Sojabohnen sind für die USA das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut. „Ich hänge total von dem Handel mit China ab“, sagte Stephens.

Hintergrund ist, dass China ab dem 6. Juli Zölle auf Sojabohnen und weitere landwirtschaftliche Produkte aus den USA will. Es reagiert damit auf Zölle, die US-Präsident Donald Trump erst kürzlich auf chinesische Hightech-Waren verhängte. „Viele Bauern haben Trump bei der Wahl im Jahr 2016 ihre Stimme gegeben“, sagte Brian Kuehl, Chef des Interessenverbands Farmers for Free Trade WELT AM SONNTAG. „Aber nun wenden sie sich ab.“ Die Handelspolitik des Präsidenten setze die Landwirte unter Druck.

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Wie sich CSU und die Kirche zunehmend entfremden

Bild: BR24
Sie schien geradezu in Stein gemeißelt: Die Beziehung zwischen CSU und katholischer Kirche. Doch in den letzten Jahren läuft es nicht mehr so wie einst. Manche sehen die Verbindung gar auf dem Tiefpunkt.

Von Veronika Wawatschek | BR24

Von Entfremdung ist die Rede, die Positionen entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen – ob es nun ums Kreuz oder ums Asyl geht. Wechselseitig spricht man sich das „C“ im Namen ab: Die CSU der Kirche, weil sich Kirchenobere kritisch zum bayerischen Kreuzerlass geäußert hatten, die Kirche der CSU, weil die Parteispitzen in der Asyldebatte die Menschlichkeit missen lassen.

So hat der Nürnberger Jesuit Jörg Alt einen Offenen Brief an die CSU verfasst , weil durch den Kreuzerlass die Diskrepanz zwischen Rhetorik und praktischer Politik unerträglich deutlich geworden sei. Wer das Kreuz aufhänge, müsse sich auch am Kreuz und seinen Werten messen lassen, so Alt. Umgekehrt halten Politiker wie der Sprecher des Kreises Christsoziale Katholiken, Thomas Goppel, den Kirchen vor, ein Multi-Kulti-Schiff zu besteigen, auf dem nichts mehr gelte. Wie ist es wirklich um das Verhältnis zwischen Kirchen und CSU bestellt?

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