Ehe für alle: Bürgerliches Ideal schlägt feministische Kritik


foto: apa/afp/tobias schwarz Das Begehren, auch die Privilegien heterosexueller Paare genießen zu können, ist groß. Die Kritik an der Institution Ehe generell ist indessen sehr leise geworden.
Im Kampf um die gesellschaftliche Anerkennung der Ehe für alle ist ein Stück lesbisch-feministischer Kritik verlorengegangen

Brigitte Theissl | dieStandard.at

Bei der rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen Menschen hat die Regierung keine Eile: Während Türkis-Blau in sozialpolitischen Fragen und bei der geplanten Ausweitung der Höchstarbeitszeit auf Tempo setzt, wird die Umsetzung der Ehe für alle auf die lange Bank geschoben. Die „Auswirkungen des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs“ würden aktuell „analysiert“, antwortete Justizminister Josef Moser kürzlich auf eine parlamentarische Anfrage der Neos, eine „umfassende Reform des Ehe- und Partnerschaftsrechts“ sei nicht geplant.

Auch wenn die Regierung die Frist verstreichen lässt: Ab 1. Jänner 2019 werden in Österreich sowohl die Ehe als auch die eingetragene Partnerschaft homo- und heterosexuellen Paaren offenstehen. „Zuerst einmal finden wir es im höchsten Maße beschämend, dass der Beschluss der Gleichstellung nicht aus dem Parlament gekommen ist, sondern der Verfassungsgerichtshof die Politik zu diesem Schritt hat zwingen müssen“, sagt Lui Fidelsberger, Obfrau der Homosexuellen Initiative (Hosi) Wien. Überrascht von dieser „Verzögerungstaktik“ ist sie dennoch nicht: „Die jetzige rechtskonservative Regierung thematisiert in ihrem Programm andere Lebens- und Liebesformen sowie Geschlechtsidentitäten mit keinem Wort“, sagt Fidelsberger zum STANDARD.

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