Philosophie als Klassenkampf


Louis Althusser prägte eine ganze Generation von einflussreichen Philosophen wie Michel Foucault, Etienne Balibar oder Jacques Rancière. (Passagen-Verlag / picture-alliance / dpa)
Niemand beeinflusste die Marx-Deutung in Frankreich so sehr wie Louis Althusser. Jetzt ist aus seinem Nachlass eine „Einleitung in die Philosophie für Nichtphilosophen“ in deutscher Übersetzung erschienen – eine zwiespältige Lektüre.

Von Andrea Roedig | Deutschlandfunk Kultur

Althusser erinnere ihn an einen „mittelalterlichen Gelehrten, der sich verzweifelt in seiner phantasierten Begriffswelt zu orientieren versucht“ – so schrieb Tony Judt einmal in einem polemischen Essay. Ganz von der Hand weisen lässt sich diese böse Charakterisierung nicht, wenn man die „Einleitung in die Philosophie für Nichtphilosophen“ liest, eine aus dem Nachlass herausgegebene Schrift aus den Jahren 1978 bis 1980. Althusser hatte sie – unter dem Eindruck einer „Krise des Kommunismus“– als ein Lehrbuch für Laien konzipiert, in dem er die Philosophie als einen „Klassenkampf in der Theorie“ darstellen und die Idee einer „neuen Praxis der Philosophie“ auf den Punkt bringen wollte.

Die Philosophie und die Ideologien der herrschenden Klassen

Die Sprache ist klar gehalten, und fast klippschulmäßig einfach beginnt das Buch mit dem großen Gegensatz von idealistischem versus materialistischem Denken. Ihr Antagonismus bilde das notwendige Bewegungsprinzip, das die Philosophie durch ihre Geschichte treibe, wobei keine der beiden Seiten rein sei, jede trage ihr Gegenteil in sich. Als Marxist ist Althusser klar auf der Seite der materialistischen Philosophie, die der Praxis einen Vorrang vor der Theorie einräumt.

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