Huonder und die Kondome


Bischof Vitus Huonder (links) polarisiert mit seinen Äusserungen zur Sexualmoral. (Bild. Keystone / Arno Balzarini)
Für den Churer Bischof sind Pille und Pariser Teil einer «Kultur des Todes». Dass er mit seiner Sexualmoral die meisten Katholiken nicht mehr erreicht, weiss Vitus Huonder – doch darum geht es auch nicht.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

1968 steht nicht nur für eine sexuelle und politische Revolution – im Juli jenes Jahres erschien auch eines der umstrittensten Lehrschreiben in der Geschichte der Kirche. Papst Paul VI. verbot in seiner Enzyklika «Humanae Vitae» den Katholiken Verhütungsmittel wie Kondome und die Pille, die in den Jahren zuvor enorm populär geworden waren. Die mahnenden Worte des Papstes waren offensichtlich auch prägend für einen damals 26-jährigen Philosophie- und Theologiestudenten: Vitus Huonder. Der Mann, der heute Bischof von Chur ist, nimmt den baldigen 50. Jahrestag von «Humanae Vitae» zum Anlass, seiner Herde in einem Hirtenbrief wieder einmal die reine Lehre in Erinnerung zu rufen.

Mit dem Nachnachfolger von Paul VI., Johannes Paul II., geht Huonder einig, dass Verhütung zu einer «Kultur des Todes» gehöre. Viele Katholiken seien sich dessen nicht mehr bewusst, weil «ihnen diese Zusammenhänge nicht aufgezeigt wurden». Für den Churer Bischof mag es zwar berechtigte Gründe dafür geben, dass ein Ehepaar nur «wenige» Kinder hat – wohlgemerkt: nicht «keine».

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