Künstliche Intelligenz könnte Tierversuche in der Medizin ablösen

Bild: animalequality.de

Ein neues Forschungspapier zeigt, dass die bestehenden Daten, die wir aus Tierversuchen gesammelt haben, für KI-Systeme ausreichen, um präzisere Vorhersagen zu machen.

futurezone.at

Tierversuche sind heutzutage aus der medizinischen Forschung noch schwer wegzudenken. Wissenschaftler können noch immer nicht verlässlich vorhersagen, wie eine neue chemische Komponente darauf reagiert, wenn sie mit lebenden Zellen in Verbindung tritt. Nun hat eine neue Studie, die im Journal „Toxicological Sciences“ publiziert wurde, herausgefunden, dass die bisherigen Tierversuche bereits ausreichen könnten, um damit KI-Systeme zu trainieren, die Reaktionen sehr wohl präzise und verlässlich vorhersagen können.

Ein KI-System wurde von den Forschern mit den aus bisherigen Tierversuchen gewonnen Daten trainiert und lieferte bessere und verlässliche Ergebnisse als die Tierversuche selbst. Andrew Hopkins, CEO von Exscientia, kann ein KI-System bessere Entscheidung über einzelne Komponenten treffen und daher zumindest dazu führen, dass weniger Experimente notwendig werden als bisher, wie er gegenüber „The Next Web“ sagt.

weiterlesen

Mission ist alles: Ein Motorsägenschein für ein Halleluja

Pastor Ralf Schlenker will mit seinen Angeboten jüngere Männer ansprechen. (imago/Westend61)
Pastor Ralf Schlenker möchte mehr junge Männer für die Kirche gewinnen. Mit ausgefallenen Ideen: Bei ihm kann man in Mecklenburg-Vorpommern seinen Motorsägenschein machen und demnächst auch seinen eigenen Sarg bauen.

Von Tim Zülch | Deutschlandfunk Kultur

Volkshochschule Grevesmühlen in Mecklenburg Vorpommern. Hans Michel, 73 Jahre alt, Backenbart und Holzfällerhemd, steht vor einer Gruppe von acht Männern:

„So, dann fangen wir an. Mein Name ist Michel, ich bin Forstwirtschaftsmeister und führe die Einweisungslehrgänge hier durch.“

Die Teilnehmer erhalten eine Einweisung für Kettensägen.

„Und ich komm jetzt hier mit der Spitze irgendwo gegen einen anderen Stamm, der da liegt, dann kann es passieren, dass die Motorsäge hochschlägt.“

Auch Pastor Ralf Schlenker hat an einem der Tische Platz genommen. Er ist 53 Jahre alt, trägt Dreitagebart und eine schwarz gerandete Brille. Er ist allerdings kein Teilnehmer, sondern der Organisator dieses Kurses, der sich speziell an Männer richtet. Schlenker wird nicht bis zum Ende bleiben, denn er hat den Kettensägenschein bereits. Für die Teilnehmer an dem Kurs hingegen ist der Schein wichtig. Sie dürfen damit im öffentlichen Wald Bäume fällen, oder – im Fachjargon – „Holz werben“. Für Schlenker waren mehrere Gründe ausschlaggebenden, dieses Seminar im Rahmen der Kirche zu organisieren.

weiterlesen

„Wer die Ängste kontrolliert, kontrolliert auch die Menschen“

Der Historiker Philipp Blom (dpa / picture-alliance / Arno Burgi)
Angst ist das vorherrschende Gefühl unserer Zeit, weswegen viele Menschen nicht mehr mutig und freiheitlich denken können, glaubt der Historiker Philipp Blom und fordert in seiner Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele eine neue Aufklärung.

Von Philipp Blom | Deutschlandfunk

Der Mut der aufklärerischen Denker wie Kant und Diderot hat den Historiker Philipp Blom schon als Jugendlicher fasziniert. Von ihnen erhoffte er sich eine Orientierung, eine Leitlinie für die Bewertung der Phänomene der ihn umgebenen Welt.

„Aus der ersten intellektuellen Liebe ist eine lebenslange, nicht immer reibungslose Beziehung mit dem methodischen Denken geworden, eine seltsame Fernbeziehung mit den leuchtenden Ideen von Leuten, die längst nicht mehr am Leben sind. Diderot und die anderen Autoren des 17. und 18. Jahrhunderts lebten zu einer Zeit, in der die hellsten Köpfe gerade begannen, die ersten Atemzüge der Moderne zu spüren. Bei ihnen lernte ich, dass weder die Aufklärung noch die Philosophie überhaupt aus einem Katalog von Lehrsätzen und dicken Büchern besteht, sondern aus einer Landschaft von Debatten, Provokationen, Entwürfen und Experimenten. Philosophie ist, wie die Schweizer Philosophin Barbara Bleisch es formuliert, ‚riskantes‘ Denken.“

Doch das Prinzip Aufklärung, als der Versuch, das kritische Denken und den Respekt vor Fakten höher zu achten, als Meinungen, Vorurteile, Gefühle, Traditionen oder Dogmen, sei in der heutigen Zeit in die Defensive geraten, meint Blom.

weiterlesen

Warum repressive Drogenpolitik nicht funktioniert

Grafik: TP
Rechtswissenschaftler Jan Fährmann über Drogenverbote und deren negative Auswirkungen

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Jan Fährmann ist Wissenschaftler und Referent an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Neben der Polizei- und Sicherheitsforschung beschäftigt er sich auch mit Forschungen im Betäubungsmittelstrafrecht und mit Drogenpolitik. So hat er sich bereits mit der Geschichte der Drogenpolitik, dem neuen Psychoaktive-Substanzen-Gesetz sowie mit stoffungebundenen Süchten beschäftigt. In Teil 1 des Interviews (Mit Drogenpolitik wird Sozial- und Migrationspolitik gemacht) ging es um die historischen Hintergründe der heutigen Drogenpolitik.

Was am Besitz oder Konsum von Drogen ist überhaupt verboten? Was ist hier das zu schützende Gut? Warum mischt der Staat sich hier ins Leben der Bürgerinnen und Bürger ein?
Jan Fährmann: Man kann sich darüber streiten, was genau verboten ist. Gerichtsfest sicher ist nur, dass der Konsum selbst nicht verboten ist. Der Besitz, das Sich-Beschaffen oder Inverkehrbringen der Substanzen ist aber verboten. Das ist sehr weit gefasst. Es gibt aber Streitfälle.
Umstritten ist beispielsweise, wie die chemische Überprüfung einer Substanz zu beurteilen ist – das sogenannte Drugchecking -, die dazu dient, gefährliche Stoffe für die Konsumenten erkennbar zu machen. Gilt das juristisch als Verschaffen einer Gelegenheit oder nur als Überprüfung und Vernichtung?
Ziel der Verbote war und ist, den Verkehr so weit wie möglich zu unterbinden. Es soll die Gesundheit geschützt werden, indem problematischer Konsum verboten wird. Sinnvolle Ausnahmen wie in der pharmakologischen Forschung oder Medizin sollten aber erlaubt bleiben.
Wenn die Gesundheit das zu schützende Gut ist, müsste der Staat dann nicht noch viel weiter eingreifen, etwa mit dem Verbot gesundheitsschädlicher Nahrungsmittel?
Jan Fährmann: Wenn man dieses Ziel teilt und denkt, dass ein Verbot funktioniert, dann könnte man sich durchaus fragen, ob stark zuckerhaltige Lebensmittel oder Alkohol – man denke auch an damit zusammenhängende Unfälle – verbieten sollte.
Sollen wir aber einen Gesundheitsstaat schaffen? Einen Staat, der uns vorschreibt, wann wir was essen, wie viel Sport wir machen müssen? Das ließe sich mit dem Gedanken der Autonomie nicht vereinbaren, sondern ließe sich höchstens auf einige wenige Substanzen anwenden. Mit Blick auf die Drogenpolitik muss man sich aber fragen, ob das funktionieren würde.

Weird Volcanoes Are Erupting Across the Solar System

This computer-generated view of the surface of Venus shows lava flows from the volcano Sapas Mons that extend hundreds of miles across fractured plains. Credit: NASA/JPL
NASA’s Juno spacecraft recently spotted a possible new volcano at the south pole of Jupiter’s most lava-licious moon, Io. But this volcanically active moon is not alone in the solar system, where sizzling-hot rocks explode and ooze onto the surface of several worlds. So how do Earthly volcanoes differ from those erupting across the rest of the solar system?

By Elizabeth Howell | SPACE.com

Let’s start with Io. The moon is famous for its hundreds of volcanoes, including fountains that sometimes spurt lava dozens of miles above the surface, according to NASA. This Jupiter moon is constantly re-forming its surface through volcanic eruptions, even to this day. Io’s volcanism results from strong gravitational encounters between Jupiter and two of its large moons, Europa and Ganymede, which shake up Io’s insides.

Rosaly Lopes, a senior research scientist at NASA’s Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, California, managed observations of Io between 1996 and 2001, during the Galileo spacecraft mission to Jupiter.

„Io has lots of caldera-like features, but they are on the surface,“ Lopes told Live Science. „There are lots of lava flows and lots of lakes. Lava lakes are pretty rare on Earth. We have half a dozen of them. We think they have occurred in the past on Venus and Mars. But on Io, we actually see lava lakes at the present time.“ Hawaii’s Kilauea volcano is one such spot on Earth dotted with lava lakes. [Photos: Fiery Lava from Kilauea Volcano Erupts on Hawaii’s Big Island]

read more

Papst entlässt in Missbrauchsvertuschung verwickelten Erzbischof

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Amtsverzicht des von einem australischen Gericht verurteilten Erzbischofs von Adelaide angenommen

kath.net

Papst Franziskus hat den wegen Missbrauchsvertuschung verurteilten Erzbischof Philip Wilson im australischen Adelaide entlassen. Wie der Vatikan am Montag mitteilte, nahm der Papst den angebotenen Amtsverzicht des 67-Jährigen an.

In den vergangenen Tagen hatten Australiens Premierminister John Turnbull und der Nationale Priesterrat an Franziskus appelliert, Wilson zu entlassen. Der Erzbischof von Adelaide war vor vier Wochen von einem Gericht in seiner früheren Diözese Newcastle wegen der Vertuschung von mehreren Missbrauchsfällen zu einer Strafe von zwölf Monaten verurteilt worden, die er unter Hausarrest verbringen muss.

weiterlesen

Resistenzgene in der Stadtluft

Bakterien wie der Krankenhauskeim MRSA können ihre Resistenzgene auch über die Luft verbreiten. © CDC
Auf dem Luftweg: Gene für Antibiotika-Resistenzen finden sich nicht nur in Böden und Gewässern – sie schweben sogar in der Luft. Wie die Analyse von Luftproben aus 19 Städten weltweit enthüllt, fliegen dabei vor allem im Sommer viele bakterielle Erbgutschnipsel durch die Luft. Das Problem: Diese Gene können von Bakterien aufgenommen werden und machen diese dann immun gegen Antibiotika.

scinexx

Das Problem der Antibiotika-Resistenzen greift weltweit immer mehr um sich. Viele Bakterien, darunter der berüchtigte Krankenhauskeim MRSA, sind inzwischen gegen gleich mehrere Wirkstoffklassen immun. Das hat fatale Folgen: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass aktuell rund 700.000 Menschen pro Jahr aufgrund von Resistenzen sterben. Bis 2050 könnte diese Zahl sogar auf zehn Millionen steigen.

weiterlesen

Indiens Frauenkommission will Beichte abschaffen

Bild: Wiki Commons/Andreas Praefcke

Die staatliche Frauenkommission Indiens fordert die Beichte abzuschaffen. Sie wirft Priestern vor, Frauen mit während der Beichte gemachten Aussagen zu erpressen. Die Kirche reagiert mit Empörung.

DOMRADIO.DE

Indiens katholische Bischofskonferenz weist die Forderung der staatlichen Frauenkommission nach Abschaffung des Beichtsakraments entschieden zurück. „Sie hat nicht das Recht, sich in die religiösen Angelegenheiten der Christen einzumischen“, sagte Bischof Theodore Mascarenhas, Generalsekretär der Bischofskonferenz, dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews (Montag).

Vorwurf der Vergewaltigung

Die Kommission wirft Priestern vor, Frauen mit während der Beichte gemachten Aussagen zu erpressen. „Die Priester setzen die Frauen unter Druck, damit sie ihnen ihre Geheimnisse erzählen. Uns liegt ein solcher Fall vor. Es muss sehr viel mehr solcher Fälle geben. Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, zitierte Ucanews die Kommissionsvorsitzende Rekha Sharma.

weiterlesen

Deutsche Soldaten erfinden einen Überfall

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Die Schilderung einer vermeintlichen Attacke auf Bundeswehrangehörige hatte in Deutschland Empörung ausgelöst. Nun kam heraus, dass sich die Soldaten selbst verletzt hatten und ihre Geschichte wohl erlogen war.

Jonas Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Zwei junge deutsche Soldaten sind in grossen Schwierigkeiten. Wegen eines Staus kamen sie am Mittwoch zu spät zum Dienst. Ihren Vorgesetzten erzählten sie aber eine andere Geschichte. Einer der beiden sei am Mittwochmorgen im hessischen Ort Bad Hersfeld von drei Männern als «Nazi» und «Kindermörder» beleidigt worden. Die Täter hätten ihn bespuckt und verprügelt. Auch sein ihm zur Hilfe eilender Kamerad sei geschlagen worden.

Selbstverletzungen zugefügt

Ein Sprecher des Landeskommandos Hessen sagte, der Angriff habe sich offenbar gegen die Bundeswehr als uniformierte Institution gerichtet. Daher übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Dass an der Geschichte wohl nichts dran ist, fand die Polizei wenige Tage später heraus. Nach stundenlangen Verhören seien die beiden Soldaten «eingeknickt», sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen.

weiterlesen

Deutsche Rüstungsexporte: Ersatzteile für saudischen Krieg im Jemen

Keine Rüstungsexporte an Länder, die sich am Krieg im Jemen beteiligen – das hat die Bundesregierung vereinbart. Doch eine Anfrage zeigt: Saudi-Arabien bekommt weiter Ersatzteile für Kampfjets.

Von Christian Thiels | tagesschau.de

„Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind“: Das ist viel mehr als ein Satz, es ist ein politisches Statement, das sich da auf Seite 149 des Koalitionsvertrages findet. Und es gibt gute Gründe für diese Festlegung.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF etwa urteilte jüngst, der Konflikt habe den Jemen „in den Abgrund gestürzt“. Seit 2015 sind laut UNICEF Hunderte Schulen durch Luftangriffe oder Beschuss beschädigt und mindestens 2200 Kinder getötet worden. „Es gibt keine Rechtfertigung für dieses Gemetzel“, betont Henriette Fore von UNICEF.

Im Koalitionsvertrag heißt es „restriktive Exportpolitik“

Und doch läuft der blutige Krieg weiter, auch mit Beteiligung Saudi-Arabiens. Das Land führt eine multinationale Interventions-Streitmacht, die seit 2015 gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft. Dabei setzen die Saudis auch Kampfjets vom Typ Eurofighter und Tornado ein.

weiterlesen

Delfinfleisch statt Fisch in armen Ländern immer beliebter

Japanische Fischer mit toten Delfinen Quelle: dpa/Sea Shepherd Conservation
Mit Harpunen, Macheten oder gar mit Dynamit: Zehntausende Delfine und Kleinwale werden weltweit getötet. Sie dienen unter anderem als Köder für den Fischfang. Tierschützer sprechen von einer „Bibliothek des Grauens“.

DIE WELT

Rund 100.000 Delfine und Kleinwale werden weltweit nach Schätzungen von Tierschützern pro Jahr getötet. Das schreiben die Organisationen Animal Welfare Institute, Whale and Dolphin Conservation und Pro Wildlife in einem Bericht. Das sei mehr als bisher angenommen. Für ihren Report werteten die Tierschützer mehr als 300 wissenschaftliche Studien sowie Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus. Sie sprechen von einer „Bibliothek des Grauens“.

Als Hauptgründe für die Zunahme der Jagd gelten demnach: Delfine werden in armen Ländern zunehmend verzehrt, obwohl sich in ihnen Schadstoffe ansammeln könnten. Und sie werden als Köder für Fische benutzt, die wegen der Überfischung immer seltener anbeißen. Die Jagden seien in vielen Ländern unreguliert, in anderen auch illegal. Ihre Folgen seien meist nicht bekannt und schwer abzuschätzen, schreiben die Tierschützer.

weiterlesen

Gesetzliche Krankenkassen: Geld für Globuli, aber nicht für Brillen

Kügelchen fürs Wohlbefinden. Im Wettbewerb erstatten viele Kassen auch Kosten für fragwürdige Medizin.Foto: Frank Rumpenhorst dpa
Die Krankenkassen geben immer mehr Geld für Werbung und medizinisch fragwürdige Leistungen aus. Das Gesundheitsministerium findet Beschränkungen aber „nicht sachgerecht“.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Warum dürfen gesetzliche Krankenkassen ihren Kunden medizinisch fragwürdige Leistungen wie Homöopathie oder Säuglings-Osteopathie bezahlen, ihnen aber beim Kauf von Brillen oder Zahnersatz nicht stärker unter die Arme greifen? Weshalb ist es ihnen erlaubt, immer höhere Millionenbeträge für Werbung auszugeben? Ist es in einem solidarischen System hinnehmbar, dass sich die Versicherer mit ihren freiwilligen Leistungen vor allem an den Bedürfnissen von jungen, gutverdienenden Kunden orientieren und fast gar nicht am Bedarf von Älteren und sozial Benachteiligten? Und müssten Versicherte nicht auch besser über Qualitätsunterschiede der Kassen informiert werden?

Mit diesen Fragen hat sich jetzt nicht nur die Linkspartei ans Gesundheitsministerium gewandt. Sie standen bereits im Zentrum einer kritischen Bestandsaufnahme durch das Bundesversicherungsamt (BVA). Beim Wettbewerb der Kassen stehe oft nicht eine bessere Versorgung der Versicherten im Vordergrund, sondern „Marktbehauptung“, schrieb BVA-Präsident Frank Plate im April dieses Jahres.

weiterlesen

Quallen willkommen

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD
Quallen sind ansehnliche Tiere, aber wenig nützlich. Sie vermiesen den Strandurlaub und legen Kraftwerke lahm. Forscher wollen der Plage nun etwas Gutes abgewinnen.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Den Walen geht es schlecht, den Schildkröten geht es schlecht und den Korallen sowieso. Nur den Quallen scheint es immer besser zu gehen. Die ersten Meldungen über ein massenhaftes Auftreten von Medusen kamen um die Jahrtausendwende aus Japan: Riesige Quallenschwärme, die sich in Fischernetzen verfangen, den Fang erdrücken oder durch ihren Schleim ungenießbar machen; Medusen, die mit dem Wasser in Kühlsysteme von Atomkraftwerken gesaugt werden und dort einen „Quallen-Blackout“ verursachen. Nicht zu vergessen die albtraumhafte Nomura-Qualle, groß wie ein Schrank, die allein durch ihr Gewicht Boote zum Kentern bringt.

weiterlesen

Die Folgen der Enzyklika Humanae Vitae

Paul VI. 1971 mit dem damaligen ugandischen Staatschef Milton Obote. Foto: Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, bekijk toegang 2.24.01.04, Bestanddeelnummer 924-2059. Lizenz: CC BY-SA 3.0/nl
Die Bevölkerungsexplosion in zahlreichen afrikanischen Staaten hängt damit zusammen, dass sich die katholische Kirche sehr eindeutig gegen die Empfängnisverhütung ausgesprochen hat

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Während die katholische Kirche in Deutschland ebenso wie ihre protestantischen Schwestern im täglichen Leben der meisten Einwohner nur noch eine eher marginale Bedeutung hat und der Osten Deutschlands als die mit Abstand gottesfernste Region der Welt gilt, blüht das Christentum in der afrikanischen Mission geradezu auf. Und das verblüffender Weise zumeist in einer Form, die man in Europa mit dem 2. Vatikanischen Konzil glaubte überwunden zu haben.

Unter Papst Johannes XXIII begann man mit dem von 1962-65 im Petersdom in Rom abgehaltenen Vatikanum II die Furche, in welche der Glaube fällt, ein wenig zu vertiefen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass es zu Beginn der 1960er-Jahre einem Kleriker noch verboten war, ein Fußballstadion oder ein Kino zu besuchen oder mit einer Frau in einem Auto zu fahren, selbst wenn es sich dabei um die eigene Mutter oder Schwester handelte.

Die Konzilsväter begannen den Dialog mit Glaubenden wie mit Nicht-Glaubenden. Nach dem Tod des unter dem Namen Angelo Giuseppe Roncalli geborenen 261. Papst im Jahre 1963 wurde das Konzil unter seinem Nachfolger Paul VI. fortgesetzt. Dass die Liturgie reformiert wurde und die Messen in der Sprache der Gläubigen gelesen wurde und meist nicht mehr lateinisch, galt vielen als Aufbruch in eine neue Zeit.

Dazu zählte auch dass nun der Priester die Messe mit dem Blick zum Volk zelebrierte. Traditionalisten waren von den Veränderungen nicht so angetan und argumentierten hinsichtlich der Zuwendung des Priesters zu den Gläubigen damit, dass er Gott nun den Rücken zuwenden würde. Zu den Errungenschaften des Vatikanum II zählte damals auch das Dekret über den Ökumenismus und die Religionsfreiheit. Doch die Erneuerungsbewegung bekam schon bald deutlichen Gegenwind. Mit der Enzyklika Humanae Vitae schwang das Pendel dann auch wieder deutlich zurück.

weiterlesen

Die 68er-Bewegung und die christlichen Kirchen

Die Kirche stand nicht im Fokus der revoltierenden Studenten der 1960er-Jahre. Berührungspunkte gab es dennoch. Zum Beispiel, wenn die Protestierenden den Weihnachtsgottesdienst störten oder Demonstranten ein Kreuz vor sich her trugen.

Julia Lauer | evangelisch.de

Plakate von Karl Marx, Che Guevara, Mao Tse-tung oder auch Ho Chi Minh: Fotos von den Demonstrationen aus dem Jahr 1968 zeigen, wessen Ideen für die revoltierenden Studenten zählten. Die von Jesus Christus offenbar nicht. Von seinem Konterfei fehlt auf den Bildern jede Spur. „Dabei hätte Jesus in seiner revolutionären Lesart gut zu ihnen gepasst“, findet der Historiker Philipp Gassert von der Universität Mannheim. „Aber in den späten 1960er-Jahren hatte keiner die Idee, da mit Jesus zu kommen – Religion wurde als Gegenstück zum Sozialismus empfunden.“

Schon zehn Jahre später hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, ist der Professor für Zeitgeschichte überzeugt: Immer mehr Kolonien waren bis dahin unabhängig geworden, die sozialistisch inspirierte Befreiungstheologie, die die Armen zum Ausgangspunkt macht, zog weite Kreise. Auch in den Studentengemeinden der theologischen Fakultäten zwischen Kiel und München wurde die Bibel durch die marxistische Brille gelesen.

weiterlesen

Flüchtlingszahlen: Spanien fordert europäische Lösung

Bild: tagesschau.de
Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg von Afrika nach Spanien. Die Regierung bemüht sich, sie zu versorgen. Sie macht aber auch klar, dass eine europäische Lösung her muss.

Von Oliver Neuroth | tagesschau.de

Ein Schlauchboot mit gut 30 afrikanischen Migranten an Bord kommt an einem Strand an. Innerhalb weniger Sekunden springen die Menschen an Land und verschwinden in den Dünen. Urlauber schauen sich das Ganze verdutzt an.

Das sind Szenen, die sich seit einigen Tagen immer wieder an der südspanischen Küste abspielen. Im Schnitt erreichen 700 Migranten täglich das Land. In den meisten Fällen stoppt die spanische Seenotrettung die Boote einige Kilometer vor der Küste und nimmt die Flüchtlinge an Bord ihrer Schiffe.

In den andalusischen Häfen kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes und der örtlichen Behörden um die Menschen. Von der spanischen Zentralregierung heißt es: Man habe die Situation absolut unter Kontrolle, investiere bis Ende des Jahren 30 Millionen Euro in die Soforthilfe.

weiterlesen

Ciprofloxacin: Gefahr für die Aorta?

Schadet Ciprofloxacin auch dem wichtigsten Blutgefäß unseres Körpers? © Yodiyim/ istock
Arznei mit dunkler Seite: Das umstrittene Antibiotikum Ciprofloxacin kann womöglich auch der Herzgesundheit schaden. Eine Studie mit Mäusen deutet daraufhin, dass das Medikament die Entstehung lebensgefährlicher Risse in der Gefäßwand der Aorta fördert – vor allem, wenn die Hauptschlagader bereits vorgeschädigt ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Sicherheit dieses Antibiotikums infrage gestellt wird.

scinexx

Antibiotika können Leben retten. Doch viele dieser Medikamente haben auch Nebenwirkungen – unerwünschte Begleiterscheinungen, die die Gesundheit der Patienten mitunter ernsthaft gefährden können. Ein in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren vermehrt in die Kritik geratenes Mittel ist das Breitbandantibiotikum Ciprofloxacin aus der Gruppe der Fluorchinolone.

weiterlesen

Über angemessene Bekleidung in Gotteshäusern: Tücher am Domportal

Themenbild
Schulterfrei, Kopfbedeckungen – zum Teil sogar Unterwäsche. Besucher des Kölner Doms tragen oft nicht die Kleidung, die der Würde des Gotteshauses entspricht. Tücher sind die neue Lösung, um allen den Eintritt zu gewähren.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Bei dem Wetter im Moment kleidet man sich in der Regel ein bisschen anders als bei 24 Grad. An den Eingängen der Kölner Kathedrale, die ja nicht nur für Gläubige und Gottesdienstbesucher interessant ist, kommt es in diesen Tagen daher häufiger zu Irritationen.

Matthias Deml (Pressereferent der Dombauhütte Köln): Ja, am Eingang stehen ja schon seit über einem Jahr immer ein Schweizer und ein Sicherheitsmann. Die achten natürlich im Besonderen darauf, dass sich die Leute an die Regeln, die im Dom herrschen, halten. Zum Beispiel sind keine großen Gepäckstücke erlaubt und es gibt eben auch eine Kleiderordnung. Das heißt, die Herren werden gebeten, die Kopfbedeckung abzunehmen. Und es ist natürlich auch darauf zu achten, dass die Schultern oder der Bauch nicht frei sind. Die sollten bedeckt sein und es sollte keine Unterwäsche sichtbar sein. Bisher musste man die Leute wegschicken, wenn sie der Kleiderordnung nicht entsprochen haben.

DOMRADIO.DE: Kommt so etwas oft vor?

Deml: Ja, bei Temperaturen über 30 Grad sind natürlich sehr viele Touristen sehr leicht bekleidet und dann kommt das sehr oft vor.

weiterlesen

Erdoğan kehrt Washington den Rücken

Trump droht der Türkei mit harten Sanktionen. – REUTERS
Eine Konfrontation zwischen dem türkischen Präsidenten und Donald Trump eskaliert. Erdoğan verkündete einen Syrien-Gipfel mit Deutschland, Frankreich und Russland. Die USA lädt er nicht ein.

Von Susanne Güsten | Die Presse.com

Ein heftiger Streit mit den USA lässt die Türkei verstärkt die Nähe zu Europa und Russland suchen. Am 7. September sollen sich Spitzenvertreter der Türkei, Russlands, Deutschlands und Frankreichs unter Ausschluss der USA in Istanbul treffen, um über die Zukunft Syriens zu reden. Das kündigte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, jetzt an. Laut Medienberichten bereitet er – ebenfalls für September – einen Staatsbesuch in der Bundesrepublik vor. Gleichzeitig eskaliert eine Konfrontation Erdoğans mit US-Präsident Donald Trump.

In Syrien gilt die unmittelbare Sorge Ankaras der Provinz Idlib an der türkischen Südgrenze. Dort haben sich in den vergangenen Monaten Zehntausende islamistische Kämpfer mit ihren Familien in Sicherheit gebracht, nachdem sie von Russland und syrischen Regierungstruppen aus anderen Landesteilen vertrieben worden sind. Nach der jüngsten Regierungsoffensive im Südwesten Syriens befürchtet Erdoğans Regierung einen baldigen Angriff in Idlib – was nach Einschätzung Ankaras eine neue Fluchtwelle von bis zu 3,5 Millionen Menschen in Richtung Türkei auslösen könnte.

weiterlesen

„Der Papst nimmt die Strafmöglichkeiten sehr ernst“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Wegen Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs wurde Theodore McCarrick aus dem Kardinalsstand entlassen. So denkt der Vatikan-Kinderschutzexperte Hans Zollner über diesen historischen Schritt.

Stefanie Stahlhofen | katholisch.de

Frage: Pater Zollner, welches Zeichen hat der Papst mit dieser Entlassung aus dem Kardinalsstand gesetzt?

Zollner: Der Papst setzt ein sehr klares Zeichen, dass niemand vom normalen Verlauf der kirchlichen Gerichtsbarkeit ausgeschlossen ist, dass keine Anschuldigungen unterdrückt oder vertuscht werden. Jeder muss sich der Verantwortung stellen, in diesem Fall ein Kardinal, der frühere Erzbischof von Washington, also ein Vertreter der höchsten Stufe der priesterlichen und bischöflichen Hierarchie. Das zeigt, dass Papst Franziskus die kirchlichen Strafmöglichkeiten sehr ernst nimmt und es um Transparenz auf allen Ebenen geht. Der Rücktritt McCarricks ist die Konsequenz dessen, dass die rechtlichen Normen tatsächlich greifen und eingehalten werden und dass Leute sich mittlerweile auch bestärkt fühlen, diese Dinge öffentlich zu machen. Das war vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht so.

weiterlesen