Publizisten auf Twitter: Permanent entgeistert


Zum Teil ist das Publizisten-Verhalten auf Twitter einfach professionell: Fassungslosigkeit bringt Reichweite. (Foto: dpa)
Warum sich in sozialen Medien selbst die nachdenklichsten Intellektuellen fassungslos geben.

Von Felix Stephan | Süddeutsche Zeitung

Wie verführerisch soziale Medien für Publizisten sind, erkennt man vielleicht am besten daran, wie viele ihrer Verlockung schon zum Opfer gefallen sind: der ehemalige Katzenkrimi-Autor Akif Pirinçci, der ehemalige Spiegel-Kultur-Ressortleiter Matthias Matussek, der Medienphilosoph Norbert Bolz – alles erfahrene Publizisten, die auf gedrucktem Papier bewundernswerte Texte geschrieben haben, nach kurzer Zeit in den Feedbackmühlen der sozialen Medien jetzt aber wirken, als seien sie an die falsche Droge geraten.

Und das sind nur die prominentesten Fälle. Dass Publizisten, die die Arena der sozialen Medien betreten, eine Verwandlung durchlaufen, kommt im Grunde ständig vor. Am deutlichsten werden die Verhältnisse auf Twitter: Das ist das soziale Netzwerk, auf dem sich Politiker, Ökonomen, Bürgerrechtler und Publizisten am liebsten herumtreiben und damit wiederum Leute anziehen, die sich etwas davon versprechen, von diesen Leuten wahrgenommen zu werden. Auf diese Weise treffen Welten aufeinander, die sich meist erfrischend wenig zu sagen haben. Und das Geschäftsmodell von Twitter besteht darin, dass das möglichst wortreich geschieht.

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