Australien: Wird das Beichtgeheimnis abgeschafft?


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Australien verpflichtet Priester, Missbrauchsfälle anzuzeigen, von denen sie in der Beichte erfahren. Mehrere Bundesstaaten haben dazu bereits Gesetze beschlossen, doch die Kirche wehrt sich dagegen.

Michael Lenz | katholisch.de

„Wenn es ein Gesetz geben sollte, das Priestern vorschreibt, das Beichtgeheimnis zu brechen, dann bin ich einer von denen, die diesem Gesetz nicht gehorchen werden“, schrieb schon 2016 der Jesuit und Rechtsanwalt Frank Brennan in „Eureka Street“, einer Publikation der australischen Jesuiten.

Inzwischen ist es soweit: Solche Gesetze gibt es schon im Stadtstaat Canberra und einigen anderen Bundesstaaten. Die Politik beruft sich auf eine Empfehlung im Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission, den das Gremium im Dezember 2017 vorgelegt hatte.

Ausnahmslos alle Personen, die von sexuellem Missbrauch erfahren, sollen demnach verpflichtet werden, dies bei der Polizei anzuzeigen, lautet die Empfehlung. „Diese Empfehlung schließt Informationen ein, die in religiösen Beichten gegeben wurden“, heißt es ausdrücklich in dem Bericht mit der Begründung: „Die Kommission hat Berichte über Fälle im religiösen Rahmen gehört, in denen Täter, die den sexuellen Missbrauch von Kindern gebeichtet haben, Vergebung suchten und es dann wieder getan haben.“ Jetzt steht staatliches Recht gegen Kirchenrecht: Denn eine Verletzung des Beichtgeheimnisses hat für Priester automatisch die Exkommunikation zur Folge.