Was ist dran am Gendern?


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Das Thema „geschlechtergerechte Sprache“ wird seit einigen Jahren hitzig diskutiert und als Mittel zu mehr Gleichberechtigung dargestellt. Doch kann Gendern diesem Anspruch gerecht werden? Im Nachfolgenden möchte ich einen kleinen Einblick geben, warum ich persönlich skeptisch bin, ob solche Sprachregelungen notwendig und sinnvoll sind.

Von Robin Thiedmann | Richard-Dawkins-Foundation

Gleichberechtigung und Freiheit

Klar ist: In einer modernen und liberalen Gesellschaft ist die Freiheit zur eigenen Entfaltung eine der wichtigsten Kenngrößen. Hindernisse, die jedem Menschen dabei im Weg stehen, sollten möglichst abgebaut werden. Das ist einer der zentralen Grundgedanken des Humanismus. Ich halte es deshalb für essentiell wichtig, für Gleichberechtigung und die größtmöglichen Chancen zur Entfaltung des eigenen Potentials für jeden zu sorgen.

Deshalb verstehe ich die guten Absichten hinter dem Versuch, Sprachregelungen zu schaffen, die alle Menschen mit einschließen, da von manchen ein Teil dieser Hindernisse eben auch in der Sprache verortet werden. In meinen Augen geht die Diskussion dieses Themas häufig aber an wichtigen Fakten und Hintergründen vorbei. Es wird von einer axiomatischen Ausgangsbasis aus diskutiert, deren „Wahrheiten” nicht mehr hinterfragt werden.

Das soll nicht heißen, dass nicht jeder für sich selber entscheiden sollte, wie er spricht, oder dass ich mich nicht bemühen würde, nach Möglichkeit und dort, wo es sinnvoll ist, geschlechtsneutral zu schreiben. Ich halte Sensibilisierung für die Wirkung von Sprache für wichtig, aber das erschöpft sich nicht bei dem Geschlechter / Gender Thema, sondern ist wesentlich umfangreicher. Es gibt einige Möglichkeiten, Sprache so zu nutzen, dass man das „Problem“ umgeht.

Verbindliche Sprachregelungen brauchen aber sehr starke Argumente, einen eindeutig belegten Nutzen und eine Grenze, die Sanktionsmöglichkeiten von Verstößen deutlich einschränkt und die nicht überschritten werden darf, ansonsten rückt man näher in Richtung autoritärer Regime.

Was ist Gendern?

Sprache ist aus Sicht der feministischen Linguistik ein Herrschaftsinstrument, mit dem das Patriarchat seinen Machtanspruch geltend macht und verfestigt und deshalb „sexistisch und androzentrisch” ist (Schoenthal, 1989, S.301). Die Lösung dafür: Sichtbarmachen durch Doppelnennung (Studentinnen und Studenten), Gendergap (Student_innen) und ähnliches oder die Neutralisierung durch vermeiden von geschlechtsbezogenen Begriffen (Studierende).

Das generische Maskulinum wird als eine ausschließende Form, bei der Frauen nicht inbegriffen sind, angesehen und direkt daraus resultierende Nachteile angenommen. Auf den linguistischen Aspekt, wie den Unterschied zwischen dem grammatischen Geschlecht (dem Genus) und dem biologischen (dem Sexus), will ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingehen (siehe dazu Eisenberg (2017, 2018). Ich interessiere mich für die dahinter liegende These, Gendern führe zu Gleichstellung.

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