Schwangerschaftsabbrüche: „Frauen sollten selbst entscheiden können“


Schwangerschaftsabbrüche sind immer noch ein Tabu, sagt Eva Zattler von Pro Familia. (Foto: dpa)
Eva Zattler von Pro Familia fordert, dass Abtreibungen rechtlich und gesellschaftlich akzeptiert werden. Betroffene könnten oft mit niemandem darüber sprechen.

Von Sofie Czilwik | Süddeutsche Zeitung

Eva Zattler arbeitet seit 30 Jahren bei der Münchner Beratungsstelle von Pro Familia. Diese Organisation informiert bundesweit Frauen und Männer zu den Themen Sexualität, Familie oder Partnerschaft. Sie berät und begleitet auch Frauen, die ihre Schwangerschaft nicht weiterführen können oder wollen.

SZ: Sind Schwangerschaftsabbrüche heute noch ein Tabu?

Eva Zattler: Ja. Sehr viele Frauen, die hier in die Beratungsstelle kommen, sagen, dass sie über ihren Abbruch mit niemandem sprechen können.

Woran liegt das?

Während in den Siebzigerjahren prominente Frauen öffentlich von einem Schwangerschaftsabbruch berichteten, gibt es diese Öffentlichkeit heute nicht mehr. Die Gesellschaft verhält sich zu Schwangerschaftsabbrüche zunehmend inkongruenter. Nach außen gilt: Ein Abbruch ist unangemessen, es ist heutzutage immer möglich, ein Kind zu bekommen. Aber wenn eine Schwangerschaft dann wirklich besteht, merken viele, dass ein Kind doch nicht immer in die aktuellen Lebensumstände passt. So wird zwar die Oberfläche glatt gehalten, auf dieser spielt sich das Leben aber nicht ab, sondern darunter. Es wäre hilfreich, wenn Frauen ihre Probleme offen ansprechen könnten und mehr Unterstützung und Solidarität erfahren würden.

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