Wie ein Top-Terrorist sich im Prozess als ein Riesen-Schlitzohr entpuppte


Grafik: TP
Ein syrischer Flüchtling, der sich als Informationsdealer entpuppte, erzählte der Pariser Polizei von einem ungeheuren Plan: einem Blutbad in der Altstadt von Düsseldorf. Der Plan war frei erfunden

Annette Hauschild | TELEPOLIS

Ein syrischer Flüchtling erzählte der Pariser Polizei von einem ungeheuren Plan: einem Blutbad in der Altstadt von Düsseldorf. Der Plan war frei erfunden, ist das Gericht jetzt, nach einem Jahr Prozess, überzeugt. Eigentlich machte man ihm wegen des Anschlagsplans den Prozess. Verurteilt wurde er wegen Tötung eines syrischen Soldaten bei einem Gefecht und wegen Mitgliedschaft in zwei als terroristisch eingestuften Organisationen in Syrien: dem Islamischen Staat und einer bislang unbekannten Miliz.

So hatte Saleh A. sich seine Zukunft in Deutschland nicht vorgestellt. Ein Haus wollte er, seine Familie nachholen und Geld. In Ruhe leben. Und er möchte Zeugenschutz, denn er tritt auch in anderen Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher und Jihadisten, sogar seinen eigenen Bruder, als Zeuge auf. Sieben Jahre soll er jetzt hinter Gitter, aber nicht wegen eines großen Blutbades, von dessen angeblicher Planung er der Polizei monatelang erzählt hatte, sondern nur wegen Totschlags im minderschweren Fall an einem Scharfschützen der syrischen Armee, den er im Gefecht erschossen hatte, wegen des unerlaubten Besitzes einer Kalashnikow und einer Panzerfaust als Kämpfer für diverse syrische Milizen und wegen Mitgliedschaft beim Islamischen Staat und einer bislang den deutschen Behörden unbekannten Miliz, der Owais al Qorani in Syrien. Im Anklagepunkt „Verabredung zu einem Verbrechen“, gemeint ist die Planung eines Selbstmordanschlages in der Düsseldorfer Altstadt, wurde er freigesprochen.

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