Asyldebatte: Die Konferenz, auf der die Welt die Juden verriet

Auch der englische Delegierte Lord Winterton wollte in Évian keine Zugeständnisse machen Quelle: ullstein bild – Heinrich Hoffman
Im Juli 1938 berieten 32 Staaten in Évian, ob man mehr Juden aus Hitlerdeutschland aufnehmen solle. Das Scheitern des Treffens wird in der aktuellen Asyldebatte gern zitiert. Mit falschen Schlüssen.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Es gibt nicht viele Plätze in Europa, die eleganter sind als das „Hotel Royal“ in Évian: Majestätisch thront das 1909 eröffnete Grandhotel über dem Südufer des Genfer Sees, mit Blick auf einen mondänen Kurort und die Gipfel des schweizerischen Jura im Norden.

Ausgerechnet in dieser makellos heilen Welt kamen Anfang Juli 1938 auf Initiative von US-Präsident Franklin D. Roosevelt Vertreter von 32 Staaten und rund zwei Dutzend Hilfsorganisationen zusammen, um das damals drängendste humanitäre Problem zu beraten: Wie umgehen mit den deutschen und österreichischen Juden, die im nun „Großdeutschen Reich“ verfolgt wurden?

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Wer wird was im Termitenstaat?

Am IST Austria in Klosterneuburg habe ich viele Freiheiten, meine Forschungsrichtung zu entwickeln“, sagt die Evolutionsbiologin Ann Kathrin Huylmans. Derzeit arbeitet sie in einem FWF-Projekt an der Geschlechtsbestimmung von Termiten. – (c) Clemens Fabry
Weibliche und männliche Lebewesen haben dasselbe Erbgut. Welche Faktoren das Geschlecht bestimmen, erforscht Evolutionsbiologin Ann Kathrin Huylmans an Termiten.

Von Uschi Sorz | Die Presse.com

Wenn man beginnt, die ungeheure Vielschichtigkeit der Natur besser zu verstehen, sieht man die Welt mit anderen Augen“, sagt Ann Kathrin Huylmans. „Das ist das wirklich Spannende an meinem Fach.“ Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich die Evolutionsbiologin aus Paderborn am Klosterneuburger Institute of Science and Technology (IST Austria) mit der Biologie von Geschlechtschromosomen und den für die Ausbildung spezieller Eigenschaften verantwortlichen Evolutionsprozessen. Als die Forscherin Beatriz Vicoso von Berkeley ans IST Austria kam, um dort eine Arbeitsgruppe aufzurichten, bewarb sie sich gleich um eine Postdoc-Stelle bei ihr. „Ich bin stolz, dass ich genommen wurde. Sie ist eine Koryphäe auf meinem Forschungsgebiet.“

Zuvor studierte die 31-Jährige in Münster Biologie und machte in München ihr Doktorat. „Am Anfang hat mir das hohe Lernpensum zugesetzt“, erinnert sie sich. „Aber als ich endlich bei echten Forschungsprojekten mitmachen durfte, wusste ich, dass das genau das Richtige für mich ist.“ Zunächst liebäugelte sie mit Meeres- und Neurobiologie und kam fast ein wenig zufällig zu ihrem heutigen Schwerpunkt. „Mir machten die Evolutionsbiologie- und Bioinformatikkurse so großen Spaß, ich konnte gar nicht verstehen, dass das vielen Studienkollegen nicht so lag. Also dachte ich, das könnte vielleicht meine Nische sein.“ Sie ergriff die Initiative und fragte einen Bioinformatikprofessor, ob sie bei ihm Programmieren lernen dürfe. „Bei ihm habe ich dann meine Bachelor- und Masterarbeit geschrieben, und wir kollaborieren bis heute.“

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Massenhinrichtung im Iran: Acht IS-Mitglieder erhängt

Der Iran behauptete stets, das Land sei im Gegensatz zu seinen Nachbarn sicher. Aber der IS schaffte es, auch dort einzudringen – sogar ins Parlament. Nun sind acht der Angreifer hingerichtet worden.

Neue Zürcher Zeitung

Im Iran sind acht Mitglieder der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wegen eines Angriffs auf das Parlament und ein Mausoleum in Teheran im vergangenen Jahr hingerichtet worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna wurden sie am Samstag in einem Gefängnis der Hauptstadt erhängt. Neben den Hingerichteten, bei denen es sich um iranische IS-Sympathisanten handeln soll, werden weitere in den Angriff verwickelte IS-Mitglieder immer noch verhört.

Im Juni vergangenen Jahres hatten IS-Mitglieder zeitgleich das iranische Parlament sowie das Mausoleum des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ruhollah Chomeini angegriffen. Dabei kamen 18 Menschen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt. Anhänger des sunnitischen IS sehen im schiitischen Iran einen ihrer Erzfeinde.

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Warum in Westeuropa der Hass auf Juden immer wieder aufflammt

Judensau an der Stadtkirche Wittenberg. Bild: wikimpedia.org/CC-BY-SA 4.0 – Posi66
Ob Deutschland oder Frankreich – immer wieder begehen muslimische Einwanderer Straftaten gegenüber Juden. Doch Migration allein kann nicht erklären, wieso Antisemitismus in Westeuropa in Wellen auftaucht.

Andreas Ernst, Haluka Maier-Borst | Neue Zürcher Zeitung

Das deutschsprachige Feuilleton weiss es schon lange: Mit den Asylsuchenden aus Nahost und Nordafrika hat sich Europa einen neuen militanten Antisemitismus «importiert». Auch angesehene Politiker wie der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnen vor «mehr Judenhass durch Migration». Und die brutalen Übergriffe auf Juden in Deutschland oder Frankreich durch muslimische Migranten scheinen den Zusammenhang zu bestätigen: Der Antisemitismus in Europa ist wieder auf dem Vormarsch und wird vor allem von Einwanderern getragen. Die Debatte ist emotional und beruht kaum je auf überprüfbaren Daten.

Doch es gibt sie. Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft beauftragte David Feldman vom Pears Institute for the Study of Antisemitism an der Birkbeck Universität in London, dem möglichen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Migration nachzugehen. Feldman und seine Forschergruppe konzentrierten sich dabei auf Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Grossbritannien.

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Treibstoff fast alle: Weltraumteleskop Kepler erst einmal stillgelegt

(Bild: NASA)
Dem Weltraumteleskop Kepler geht der Treibstoff aus. Vor dem Ende sollen noch einmal Daten zur Erde geschickt werden. Erst einmal wurde es aber abgeschaltet.

Martin Holland | heise online

Wie erwartet geht der Treibstoff des Weltraumteleskops zur Neige und nun will die NASA sicherstellen, dass davor noch einmal wertvolle Daten zur Erde geschickt werden. Wie die US-Weltraumagentur mitteilte, wurde die Sonde diese Woche vorsorglich in einen Ruhemodus versetzt, in dem sie keinen Treibstoff verbraucht. Nach den nötigen Vorbereitungen soll sie Anfang August wieder aufgeweckt werden und jene Daten zur Erde schicken, die sie in ihrer 18. Beobachtungsmission gesammelt hat. Mit dem bisschen Treibstoff, der ihr dann bleibt, soll sie danach trotzdem noch eine weitere Beobachtungsmission beginnen: Die Ingenieure wollen bis zur allerletzten Möglichkeit nach Exoplaneten fahnden.

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Schweigen über sexuelle Übergriffe brechen

Die 72 Fallgeschichten stammen aus dem gesamten Spektrum der Sportarten – sexualisierte Gewalt gibt es überall. – (c) imago/Photocase (KNH / Photocase)
Erstmals gibt es für Österreich wissenschaftliche Erkenntnisse über sexualisierte Gewalt im Sport. Ein EU-Projekt gibt Betroffenen – Sportlerinnen, Trainerinnen und Funktionärinnen – eine Stimme.

Von Cornelia Grobner | Die Presse.com

Es war ein Beben, das Ende vergangenen Jahres durch die Sportszene ging, als Nicola Werdenigg ihr Schweigen zur weitverbreiteten sexualisierten Gewalt und zum systematischen Machtmissbrauch dort brach. Die Offenheit der ehemaligen Skirennläuferin löste nicht nur eine öffentliche Debatte aus, sondern spielte auch dem EU-Forschungsprojekt „Voice“, das sich mit diesem Thema beschäftigt, in die Hände: Das bislang Totgeschwiegene und Unsagbare wurde plötzlich medial wirksam verhandelt. Die Studie rückt betroffene Personen in den Fokus und gibt ihren Erfahrungen eine Stimme. In Kooperation mit Opferschutzverbänden wurden Interviews durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet.

Tabu erschwerte Forschung

Die Suche nach Interviewpartnern erwies sich trotz Werdeniggs Tabubruch als schwierig, so die Sportwissenschaftlerin Rosa Diketmüller von der Universität Wien, die für den österreichischen Teil der Studie verantwortlich zeichnet. „In Belgien, Dänemark und Großbritannien läuft die Aufarbeitung von Fällen wie dem Werdeniggs bereits seit zwanzig Jahren. In Großbritannien haben sich zum Beispiel 150 Betroffene gemeldet, das Projekt hat dort eine richtige Lawine ausgelöst.“ Von so einer Lawine war man in Österreich weit entfernt.

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Für eine Gruppe von Affen hat die Steinzeit begonnen

foto: imago/erhard nerger Weißschulter-Kapuzineraffen (Cebus capucinus imitator) sind offensichtlich geschickte Handwerker: Einige Individuen haben gelernt, Nüsse und Muscheln mit Steinen zu knacken.
Überraschenderweise macht der Werkzeuggebrauch bei benachbarten Kapuzineraffen in Panama keine Schule

derStandard.at

Während der Großteil der Menschheit die Steinzeit seit rund 4.000 Jahren hinter sich gelassen hat, sind einige Affenarten gerade dabei, in eben diese einzutreten. Drei Primaten-Populationen waren bisher bekannt, die sich den Alltag durch die Verwendung von Steinwerkzeugen erleichtern: Eine Gruppe von Schimpansen in Westafrika, eine Makakenhorde in Thailand und Kapuzineraffen der Gattung Sapajus in Südamerika. Letztere setzen möglicherweise sogar bereits seit 700 Jahren Werkzeuge aus Stein ein.

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Islam-Institut: Unterwerfung unter das Diktat einer Minderheit alten Geistes

Die Studentenvertreter werfen der Universität vor, sie gebe Werte auf und öffne religiöser Intoleranz Tür und Tor. Bild: dpa
Mit dem neuen Islam-Institut verrät die Humboldt-Universität ihre Toleranztradition. Die liberalen Muslime in Berlin werden jetzt und künftig ausgegrenzt.

Von Regina Mönch | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Stur und illoyal – das ist der Vorwurf, der in der Hauptstadt jetzt immer häufiger zu hören ist, wenn es um das künftige Islam-Institut der Humboldt-Universität geht. Die Vorwürfe richten sich nicht nur an das Kuratorium der Universität, sondern auch an den Berliner Senat. Dessen Unbelehrbarkeit in Sachen rationaler Vernunft ist bekannt, seine Unterstützung der konservativen und Scharia-Islamverbände daher wenig überraschend. Doch allein sie in den Beirat der künftigen Islam-Theologie berufen zu lassen ist dann noch einmal eine Steigerung, denn auch in Berlin leben sehr viele liberale Muslime, und die werden jetzt und künftig ausgegrenzt. Bis hinein in die angeblich neutral-staatlichen Schulen, denn für sie soll das geplante Islam-Institut Religionslehrer ausbilden. Über die Studieninhalte und spätere Lehrinhalte darf der Beirat mitentscheiden, dessen Zusammensetzung nun schon seit Monaten für Empörung sorgt.

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Seehofer torpediert eines von Söders wichtigsten Projekten

Horst Seehofer (links) und Markus Söder müssen bei der Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober um den Verlust der absoluten Mehrheit bangen Quelle: dpa/Andreas Gebert
Seehofers Ministerium bremst eigenständige bayerische Grenzpolizei und brüskiert damit seinen Nachfolger Markus Söder. Bayerische Beamte sollen der Bundespolizei lediglich helfen dürfen. Die bayerische Grenzpolizei ist ein zentrales Wahlkampfversprechen von Ministerpräsident Söder.

Von Thomas Vitzthum | DIE WELT

Der Horst hat uns alle sehr überrascht“, hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Anfang der Woche über Bundesinnenminister Horst Seehofer (beide CSU) gesagt. Bezogen war der Ausspruch auf Seehofers Ankündigung, von seinem Amt als Minister und Parteichef zurücktreten zu wollen. Unter Parteifreunden, die einander eigentlich zu ständigem gegenseitigem Verständnis verpflichtet sind, war Söders Satz als Aufkündigung seiner Solidarität zu verstehen.

Nun erweist sich, dass Söder von Horst Seehofer nicht nur von dessen Rücktrittsandrohung überrascht wurde. Da gab und gibt es noch ein weiteres Problem zwischen den beiden. Wie der „Spiegel“ berichtet, ist Seehofers Behörde offenbar nicht bereit, die Kompetenz zur Grenzsicherung mit den Bayern zu teilen. Das würde Söders Plan, dauerhaft eine eigene bayerische Grenzpolizei zu betreiben, wenn nicht ganz zunichte machen, so doch zumindest völlig konterkarieren.

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Belästigungsvorwürfe : Die Akte Avital Ronell

Avital Ronell kann sich einer Solidaritätswelle erfreuen. Bild: Picture-Alliance
Die Professorin Avital Ronell von der New York University steht unter Verdacht, Studierende sexuell belästigt zu haben. Akademische Größen wie Judith Butler stärken ihr nun den Rücken. Das stößt auf Kritik.

Von Patrick Bahners | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die englische Wikipedia zählt im Eintrag über Avital Ronell sechzehn Hauptinteressen der 1952 geborenen Literaturwissenschaftlerin auf. Vier davon sind „ethics“, „legal subjects“, „rumor“ und „stupidity“. Wenigstens insoweit hängen in der Causa Ronell, einer disziplinarrechtlichen Untersuchung, die aufgrund einer Solidaritätsaktion von Kollegen öffentlich bekannt wurde, Leben und Werk zusammen, soziale Bedingungen und intellektueller Ertrag einer Karriere in der kleinen Welt des global vernetzten akademischen Avantgardismus. An Ronells Heimatuniversität, der New York University (NYU), ist ein Titel-IX-Verfahren anhängig, das ein studentisches Universitätsmitglied unbekannten Geschlechts gegen die Professorin angestrengt hat. „Titel IX“ ist ein 1972 in Kraft getretenes Bundesgesetz gegen sexuelle Diskriminierung im Bildungswesen. Vorwürfe, die Anlässe für Untersuchungen sein können, erstrecken sich von herabsetzenden Bemerkungen über ungerechte Behandlung bis zu sexuellen Gewaltakten. Was Ronell vorgeworfen wird, ist nicht bekannt.

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Erdoğan verdoppelte im Amt sein Millionenvermögen

Audi, ein dickes Konto und eine Villa: Türkische Wahlbehörde veröffentlichte offizielle Vermögensliste des wiedergewählten Staatschefs

derStandard.at

Er verdiente zuletzt umgerechnet knapp 11.000 Euro brutto und hat sein Vermögen seit der ersten Wahl zum türkischen Staatspräsidenten im Sommer 2014 auf zehn Millionen Lira oder derzeit 1,9 Millionen Euro verdoppelt: Fast zwei Wochen nach den Präsidenten- und Parlamentswahlen haben die Türken erfahren, was der erste Mann im Staat, dem sie eine weitere Amtszeit verschafften, offiziell auf der hohen Kante hat.

Den Angaben der obersten Wahlbehörde zufolge, die im Amtsblatt zusammen mit dem endgültigen Wahlergebnis veröffentlicht wurden, hat Tayyip Erdoğan weiterhin einen Audi A8, Baujahr 2011, in der Garage stehen. Sein Wert war bei der Anschaffung mit 234.000 Lira angegeben worden, heute 43.000 Euro. Ob Erdoğan überhaupt Gelegenheit hat, sein Auto zu steuern, ist nicht bekannt. Für seine Fahrten benützt der türkische Präsident gepanzerte Mercedes-S600-Limousinen.

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Trumps Treffen mit Putin schürt Ängste in transatlantischen Kreisen

Bild: Weißes Haus
Die konservative Heritage Foundation entlarvt mit einer Erinnerung, an was Trump zu denken hat, das krude Weltbild hinter der Eskalation des Konflikts mit Russland

Florian Rötzer | TELEPOLIS

In den USA werden die transatlantischen Kreise schon im Vorlauf des Treffens von Donald Trump mit Wladimir Putin in Helsinki nervös. Offenbar wird befürchtet, dass der seit vielen Jahren gepflegte und vor allem seit 2014 eskalierte Konflikt mit Russland von Trump nicht weitergeführt wird. Schließlich hat Trump seinen Respekt vor Putin schon lange bekundet und lagen seine Absichten offen, vielleicht schon allein in Abkehr zu Barack Obamas Politik in seiner zweiten Amtshälfte, mit Russland bessere Beziehungen zu pflegen.

Mit aller Macht haben schon während des Wahlkamps, als sich ein Sieg von Trump abzeichnete, nicht nur die Demokraten, sondern auch die transatlantisch gesonnenen Republikaner mit einem Ressentiment gegen Russland noch aus dem Kalten Krieg sowie einflussreiche Kreise im Umfeld des Militärs, der Geheimdienste und der Rüstungskonzerne mit allen Mitteln versucht, jede Annäherung der Trump-Mannschaft an Russland zu verhindern oder diese zu kriminalisieren.

Mittlerweile hat sich aber die Position von Trump gefestigt, weil ihm direkt nichts nachzuweisen scheint und weil er mit seiner Devise, Amerika wieder groß zu machen, den Rüstungsetat massiv aufstockte und bislang die antirussische Politik mit Sanktionen, der Aufstockung des Militärs in Europa, dem Vorgehen gegen Assad, der Ausweisung von Diplomaten wegen Skripal und der Lieferung von Waffen an die Ukraine zu bestätigen schien.

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Frontex warnt vor neuer Hauptroute nach Europa

„Spanien ist derzeit meine größte Sorge“, sagt Frontex-Direktor Fabrice Leggeri. Viele Migranten in Afrika suchen nach einer neuen Route um nach Europa zu kommen. Spanien könnte demnach die neue Hauptroute werden. Quelle: WELT / Christin Brauer
Frontex-Direktor Fabrice Leggeri erklärt, dass viele Migranten in Afrika eine neue Route nach Europa einschlagen. Allein im Juni kamen 6000 Einwanderer übers westliche Mittelmeer. „Spanien ist derzeit meine größte Sorge“, sagt Leggeri.

Von Tim Röhn | DIE WELT

Frontex-Direktor Fabrice Leggeri hat vor einer neuen Hauptroute für Migranten nach Europa gewarnt. „Wenn Sie mich fragen, was meine größte Sorge derzeit ist, dann sage ich Spanien“, erklärte der Franzose im Interview mit WELT AM SONNTAG.

Im Juni habe man im westlichen Mittelmeer etwa 6000 irreguläre Grenzübertritte aus Afrika gezählt. „Wenn die Zahlen dort so steigen wie zuletzt, wird sich dieser Weg zum wichtigsten entwickeln“, sagte Leggeri. Bei etwa der Hälfte dieser Menschen handele es sich um Marokkaner, die anderen stammten aus Westafrika.

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Die „Lügenpresse“ und ihre Lügenfressen

Grafik: TP
Wie der Spiegel auszog, die Trolle das Fürchten zu lehren, die er selber ausbrütet. Ein Kommentar zum Elend der deutschen Medienlandschaft im europäischen Vorfaschismus

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Dem Spiegel reicht es! Das unter dem branchenüblichen Auflageschwund leidende Sturmgeschütz der Demokratie ruft dazu auf, all die Trolle ins Visier zu nehmen, die unsere „gewohnte liberale Ordnung“ verstärkt attackieren. Die schweigende „große Mehrheit“ müsse den „Kampf gegen Trolle aufnehmen“ – und gegen Populisten und Extremisten: „Warum wir den Kampf gegen Trolle aufnehmen müssen“.

Bei dieser Frontstellung scheint somit die liberale Welt noch in Ordnung: Auf der einen Seite das seriöse Nachrichtenmagazin als die nüchterne Informationsquelle der großen liberalen Mehrheit, dem gegenüber die irrlichternden Wahnhorden des irrationalen Populismus und Extremismus sich zusammenrotten, zunehmend die „öffentliche Debatte“ bestimmen und Spiegel, Stern und Co. gerne als „Lügenpresse“ titulieren.

Zuallererst müsste eigentlich geklärt werden, wieso diese populistischen und extremistischen Lügenfressen es tatsächlich geschafft haben, die „öffentliche Debatte“ zu bestimmen. Und: Woher kommt der Hass der unzähligen, durch das Netz marodierenden Trollbrigaden, der inzwischen – wie der Spiegel lamentiert – in den USA, in Italien, Österreich oder Bayern von politischen Borderlinern in Regierungspolitik gegossen wird?

Vielleicht würde bei der Beantwortung dieser Frage ein Blick ins eigene Archiv helfen? Ach was, die Tagesberichterstattung, etwa anlässlich der Regierungsbildung in Italien, reicht vollkommen. Wie man Ressentiments schürt, den Hass auf den Ausländer auf Touren bringt, das macht SPON-Kolumnisten niemand vor. Jan Fleischhauer etwa durfte Italien als eine Nation von Schnorrern beschimpfen, die sich auf Kosten deutscher Sparer ein schönes Leben machte. Italien, das sei laut Fleischhauer eine Nation aggressiver Bettler: „Der Bettler sagt wenigstens Danke, wenn man ihm den Beutel füllt. Aggressives Schnorren trifft die Sache schon eher.“

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Bund erhöht Mittel für Zentralrat der Juden

Der Bund erhöht seine jährliche finanzielle Unterstützung für den Zentralrat der Juden auf 13 Millionen Euro.

evangelisch.de

Am Freitag unterzeichneten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Vertreter des Zentralrats, darunter Präsident Josef Schuster, einen neuen Staatsvertrag. Die Leistungen werden damit um drei Millionen Euro pro Jahr angehoben. Ein entsprechendes Gesetz muss noch vom Parlament verabschiedet werden.

Insbesondere bei der Neuausrichtung der Erinnerungsarbeit, der Integration und im Engagement gegen Antisemitismus könne sich der Zentralrat damit stärker engagieren, hieß es zur Begründung. Der Dachverband müsse sich wachsenden Herausforderungen stellen, sagte Seehofer. Der gestiegene Antisemitismus in der Gesellschaft gebe Anlass zur Sorge. „Wer unsere jüdischen Bürger bedroht, der bedroht uns alle“, betonte der Innenminister.

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Trump „wird ernten, was er sät“ – China schlägt im Zollstreit zurück

Das Schiff Peak Pegasus auf dem Weg zum Hafen Dalian. Zur Umgehung der Zölle hätte es Stunden früher anlegen müssen Quelle: REUTERS
Nachdem US-Präsident Trump die Chinesen mit Strafzöllen angreift, reagiert das Land und setzt selbst erhöhte Zölle in Kraft. Es ist erst der Anfang einer Eskalation, deren Ende nicht absehbar ist – und weltweite Folgen haben wird.

Von Jan Dams, Johnny Erling, Birger Nicolai | DIE WELT

Manchmal entscheiden wenige Stunden über ein gutes oder möglicherweise gar kein Geschäft. Das war auch dem Kapitän des Frachtschiffs Peak Pegasus klar. Am frühen Freitagabend versuchte er noch, seinen unter liberianischer Flagge laufenden Frachter rechtzeitig in den nordchinesischen Hafen Dalian zu bringen. Sein Ziel: Die Peak Pegasus sollte eingelaufen sein, bevor die Regierung in Peking ihrerseits mit Zöllen auf Amerikas Strafzölle reagiert.

Wenn die Daten, die sich auf Internetseite www.marinetraffic.com finden, korrekt sind, dann ging das Schiff 17:07 Uhr lokaler Zeit vor Anker. Und damit wohl viel zu spät. Denn um 12:01 Uhr hatte China seine Vergeltungszölle auf amerikanische Waren im Volumen von ebenfalls 34 Milliarden Dollar erhoben. Im „Tit for Tat“ – bei dem Gleiches mit Gleichem vergolten wird – hat die Regierung Chinas damit die nächste Runde eingeläutet. Für eine ganze Reihe von Exportwaren aus den USA wird es nun in China teurer.

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Berlin: Ex-Salafist wegen Hetze verurteilt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Weil er in einer Chatgruppe gegen Christen und nichtsalafistische Muslime gehetzt hat, wurde ein 32-Jähriger in Berlin verurteilt.

Von Kerstin Gehrke | Potsdamer Neueste Nachrichten

Als Islamisten in Berlin kostenlos Koran-Exemplare an Passanten verteilten, war auch Hawar Z. dabei. Das „Lies“-Projekt der inzwischen verbotenen Vereinigung „Die wahre Religion“ sei für ihn nicht politisch gewesen, sagte der 32-Jährige am Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten. Dort ging es aber nicht um die Koran-Verteilung. Es ging um Volksverhetzung. Mit Schmähungen wie „schlimmer als Tiere“ und „Handlanger des Satans“ habe der Angeklagte in einer Chatgruppe gegen Christen und auch nichtsalafistische Muslime gehetzt, war das Gericht schließlich überzeugt und verhängte 4800 Euro Strafe.

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Forscher verwandeln Schmetterling durch das Ausschalten von Genen

foto: william h. piel/antónia monteiro Der afrikanische Schmetterling Bicyclus anynana ohne (links) und mit künstlichen Mutationen (rechts).

Farbe und Beschaffenheit der Flügel eines afrikanischen Schmetterlings werden durch die selben Pigmentgene bestimmt

derStandard.at

Pigmente und die Feinstruktur der Flügel verleihen Schmetterlingen ihre charakteristischen Farben und Muster. Forscher konnten nun zeigen, dass sich die Farbe und die Beschaffenheit der Flügel durch die Manipulation der selben Pigmentgene verändern lassen. Das ermöglicht nicht nur neue Einblicke in die Genetik der Insekten, sondern könnte auch für biotechnologische Anwendungen interessant sein. Die Ergebnisse sind im Fachblatt „Cell Reports“ erschienen.

„Unsere Arbeit zeigt, dass die Farbe und Struktur der Flügelschuppen eng miteinander verbunden sind, weil Pigmentmoleküle auch die Struktur der Schuppen beeinflussen“, sagte Studienleiterin Antónia Monteiro von der National University of Singapore. Für ihre Studie untersuchten Monteiro und Kollegen den in Ostafrika verbreiteten Schmetterling Bicyclus anynana, der üblicherweise braun ist.

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Papst prangert „Heuchelei“ bei Anti-Migrations-Kurs an

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
In Italien lässt die Regierung private Seenotretter nicht mehr in die Häfen und auch Deutschland verschärft seinen Kurs gegenüber Flüchtlingen. Das wollen weder Papst noch deutsche Kirchenvertreter unkommentiert geschehen lassen.

katholisch.de

Im Streit um Flüchtlinge hat Papst Franziskus die „nutzlose Heuchelei“ der Menschen kritisiert, die Migranten nicht helfen und sich „die Hände nicht schmutzig machen wollen“. Die Menschen würden verschlossen „gegenüber denen, die wie wir ein Recht auf Sicherheit und auf Bedingungen für ein würdiges Lebens haben „, sagte Franziskus am Freitag bei einem Gottesdienst für Migranten im Petersdom. Statt Brücken würden Mauern gebaut – sowohl in der Wirklichkeit als auch in den Köpfen.

Vor fünf Jahren besuchte Franziskus Lampedusa

Anlass der Messe war der fünfte Jahrestag des Besuchs des Papstes auf Lampedusa. Die italienische Insel gilt als Symbol für die Migrationskrise, weil dort jahrelang Migranten ankamen und sich 2013 ein schweres Unglück mit mehr als 360 Toten ereignet hatte.

Neuer Verlag hat sich Sarrazin-Buch „geschnappt“

Thilo Sarrazin diskutiert in der RTL-Talksendung „Der Heiße Stuhl“ (2016) unter anderem mit der muslimischen Buchautorin Khola Maryam Hübsch. Bild: ZB
Vorschuss hatte es gegeben, aber die Veröffentlichung bei Random House soll ausfallen: Jetzt hat sich ein Verlag für Thilo Sarrazins neues Buch über den Islam gefunden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Streit um die Veröffentlichung des neuen Buchs von Thilo Sarrazin, das Random House, der bisherige Verlag des Bestseller-Autors („Deutschland schafft sich ab“), abgelehnt hatte, hat sich ein neuer Verlag gefunden. Das Online-Branchenmagazin „boersenblatt.net“ zitiert den Pressesprecher der zum Bonnier-Konzern gehörenden Münchner Verlagsgruppe, Julian Nebel, mit den Worten, die MVG habe sich das Buch „geschnappt“.

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