Asyldebatte: Die Konferenz, auf der die Welt die Juden verriet


Auch der englische Delegierte Lord Winterton wollte in Évian keine Zugeständnisse machen Quelle: ullstein bild – Heinrich Hoffman
Im Juli 1938 berieten 32 Staaten in Évian, ob man mehr Juden aus Hitlerdeutschland aufnehmen solle. Das Scheitern des Treffens wird in der aktuellen Asyldebatte gern zitiert. Mit falschen Schlüssen.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Es gibt nicht viele Plätze in Europa, die eleganter sind als das „Hotel Royal“ in Évian: Majestätisch thront das 1909 eröffnete Grandhotel über dem Südufer des Genfer Sees, mit Blick auf einen mondänen Kurort und die Gipfel des schweizerischen Jura im Norden.

Ausgerechnet in dieser makellos heilen Welt kamen Anfang Juli 1938 auf Initiative von US-Präsident Franklin D. Roosevelt Vertreter von 32 Staaten und rund zwei Dutzend Hilfsorganisationen zusammen, um das damals drängendste humanitäre Problem zu beraten: Wie umgehen mit den deutschen und österreichischen Juden, die im nun „Großdeutschen Reich“ verfolgt wurden?

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