Schweigen über sexuelle Übergriffe brechen


Die 72 Fallgeschichten stammen aus dem gesamten Spektrum der Sportarten – sexualisierte Gewalt gibt es überall. – (c) imago/Photocase (KNH / Photocase)
Erstmals gibt es für Österreich wissenschaftliche Erkenntnisse über sexualisierte Gewalt im Sport. Ein EU-Projekt gibt Betroffenen – Sportlerinnen, Trainerinnen und Funktionärinnen – eine Stimme.

Von Cornelia Grobner | Die Presse.com

Es war ein Beben, das Ende vergangenen Jahres durch die Sportszene ging, als Nicola Werdenigg ihr Schweigen zur weitverbreiteten sexualisierten Gewalt und zum systematischen Machtmissbrauch dort brach. Die Offenheit der ehemaligen Skirennläuferin löste nicht nur eine öffentliche Debatte aus, sondern spielte auch dem EU-Forschungsprojekt „Voice“, das sich mit diesem Thema beschäftigt, in die Hände: Das bislang Totgeschwiegene und Unsagbare wurde plötzlich medial wirksam verhandelt. Die Studie rückt betroffene Personen in den Fokus und gibt ihren Erfahrungen eine Stimme. In Kooperation mit Opferschutzverbänden wurden Interviews durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet.

Tabu erschwerte Forschung

Die Suche nach Interviewpartnern erwies sich trotz Werdeniggs Tabubruch als schwierig, so die Sportwissenschaftlerin Rosa Diketmüller von der Universität Wien, die für den österreichischen Teil der Studie verantwortlich zeichnet. „In Belgien, Dänemark und Großbritannien läuft die Aufarbeitung von Fällen wie dem Werdeniggs bereits seit zwanzig Jahren. In Großbritannien haben sich zum Beispiel 150 Betroffene gemeldet, das Projekt hat dort eine richtige Lawine ausgelöst.“ Von so einer Lawine war man in Österreich weit entfernt.

weiterlesen