Vergewaltigungen: Das große Schweigen


Frühjahr 2016: Frauen und Männer demonstrieren in Berlin für eine Reform des Sexualstrafrechts. Im Juli wurde das Gesetz dann verabschiedet. (Foto: imago/CommonLens)
Seit zwei Jahren gibt es ein neues Sexualstrafrecht. Und die Hoffnung, dass Vergewaltiger angemessen bestraft werden. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Von Verena Mayer | Süddeutsche Zeitung

Berlin, eine Frau und ein Mann lernen sich kennen, sie ist Juristin, er Zahnarzt. Die beiden schreiben sich auf Whatsapp, gehen zusammen etwas trinken. Die Frau fühlt sich plötzlich schwindlig, so, als würde sie neben sich stehen. Er überredet sie, auf einen Absacker in die Bar eines Luxushotels mitzukommen. Sie denkt sich nichts dabei, spätnachts landen sie auf einem Zimmer. Er sagt, jetzt zeige er ihr seine temperamentvolle Seite. Sie sagt: „Nein, stopp, das geht nicht, du darfst mich nicht so überfallen.“ Er tut es trotzdem, dringt in sie ein, mit dem Finger und mit dem Penis.

Ein Fall, wie er in Deutschland täglich vorkommt. Zwei Personen, eine will Sex, die andere nicht. Es passiert überall, zwischen guten Bekannten und einander Fremden, am Arbeitsplatz und in Ehen. Die Geschichte einer Vergewaltigung.

weiterlesen