Das Spitzel-Spiel – oder wie skrupellos der Verfassungsschutz die Wahrheit vertuscht


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Er wusste angeblich nichts über den NSU-Terror – und überlebte den Skandal trotzdem nicht. Leben und Tod des V-Manns „Corelli“ zeigen, wie sinnlos und riskant es ist, wenn Extremisten dem Staat dienen. Oder umgekehrt. Sein Fall ist ein Paradebeispiel für das V-Mann-Unwesen des Verfassungsschutzes.

Von Kerstin Herrnkind, Holger Witzel | stern.de

Die Leiche muss weg. Niemand soll erfahren, wer der Tote war. Fast so, als hätte es diesen Mann nie gegeben. Und damit das so bleibt, weiht der Verfassungsschutz diesmal sogar die lokalen Behörden ein. Sie treffen sich am 9. April 2014 zu einer „geheimen Unterredung“ im Bielefelder Polizeipräsidium. Zu den Verschwörern zählen neben einer Abteilungsleiterin aus dem Bundesamt und einem ihrer Mitarbeiter, die Polizeipräsidentin selbst, drei ihrer Mordermittler und der zuständige Oberstaatsanwalt aus Paderborn.

Der Verfassungsschutz hatte ein Problem. Zwei Tage zuvor war Thomas Richter tot in seiner Wohnung gefunden worden. Unter dem Deckmantel „Corelli“ hatte Richter fast 20 Jahre lang die Neonazi-Szene für den Verfassungsschutz ausspioniert. Eine angebliche „Top-Quelle“ und einer von vielen Spitzeln, die den Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zumindest sehr nahe gekommen waren, aber deren Morde, Raubüberfälle und Sprengstoffanschläge nicht verhindern konnten oder wollten.

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