Moralkritik:“Die politische Einmischung der Kirche halte ich für verfehlt“


Ein riesiger Geschäftsmann ermahnt einen Miniatur-Geschäftsmann mit ausgestrecktem Zeigefinger, über dem kleinen Mann schweben Pfeile. (imago/Ikon Images)
„Im Moralapostolat“ heißt das Buch von Horst G. Herrmann. Darin kritisiert er eine „Zivilreligion der Schuld- und Willkommenskultur“. Diese habe mit der Reformation begonnen. „Angela Merkel ist genau so ein Sturkopf wie Luther“, sagte er im Dlf.

Christiane Florin im Gespräch mit Horst G. Herrmann | Deutschlandfunk

Christiane Florin: In „Tag für Tag“ beschäftigen wir uns in lockerer Folge mit dem Verhältnis von Moral und Glauben. Es ist gerade in Mode, Moral gleichzusetzen mit  Moralismus und Hypermoral, mit Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, Moral ist zum Schimpfwort geworden. Vor kurzem landete ein Buch auf meinem Schreibtisch mit dem Titel „Im Moralapostolat“. Darin legt der Autor Horst Herrmann eine heiße Spur von der Reformation bis zur, Ökumene der Moralisten, wie er es nennt, von Luther bis Heinrich Bedford-Strohm und Angela Merkel. Der wortwitzige Stil des Buches hat meine Neugier geweckt, der Inhalt meinen Widerspruchsgeist. Gestern war Horst Herrmann bei uns im Studio zum Interview. Er nennt sich selbst einen freien Beobachter und Philosophen. Ich wollte zunächst von ihm wissen, was ist ein Moralapostel ist.

Horst G. Herrmann: Ich könnte jetzt antworten, ein Moralapostel ist jemand, der Moral verabsolutiert. Also jemand, der Moral verabsolutiert, wird in meiner Einschätzung mit dem Begriff der Tugend nicht viel anfangen können, weil man Tugenden nicht so gut verabsolutieren kann. Klugheit, Besonnenheit, Tapferkeit, die sperren sich so ein bisschen gegen das Verabsolutieren. Die klassische tugendethische Frage: Was soll ich tun?, stellt sich eigentlich für einen Moralapostel nicht so. Ich denke einmal, ein Moralapostel würde sich, wenn er sich überhaupt eine Frage stellt, die Frage stellen, was muss ich tun. Moralapostel, finde ich, lieben auch so einen Satz wie: „Es kann nicht sein, dass… „. Ich finde, er ist unnachsichtig, ungnädig, er ist auch ressentimentbeladen.

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