Theologe: Kirche hat Pillen-Verbot als Irrweg erkannt

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1968 sorgte ein Aspekt von „Humanae vitae“ für weltweite Kritik: Der Papst verbot Katholiken den Gebrauch von Verhütungsmitteln. Laut einem Theologen hat sich in der Kirche inzwischen aber ein Wandel vollzogen.

katholisch.de

Der Papst und viele Bischöfe haben nach Ansicht des Moraltheologen Eberhard Schockenhoff das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung „als Irrweg erkannt“. Benedikt XVI. und erst recht Papst Franziskus seien bei diesem Thema weit zurückhaltender als ihre Vorgänger, sagte Schockenhoff der Wiener Presseagentur Kathpress (Donnerstag). „Ein Papst kann nicht einfach seine Vorgänger korrigieren und sagen, der hat sich geirrt, sondern er versucht einfach, das nicht mehr mit der gleichen Lautstärke und Verbindlichkeit einzufordern.“

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Die muslimische Feministin im Rathaus von Tunis

Die neue „Scheicha al-Medina“ von Tunis, Souad Abderrahim Quelle: AFP
Zum ersten Mal hat eine Frau das Bürgermeisteramt in der tunesischen Hauptstadt inne. Viele feiern das als Sensation – besonders weil sie der moderat islamistischen Partei Ennahda angehört. Wie passt das zusammen?

Von Eva Marie Kogel | DIE WELT

Islamisten hängt nicht unbedingt der Ruf von Frauenförderung an. Souad Abderrahim, Typ Powerfrau, in einem früheren Leben Pharmazeutin, dürfte das etwas anders sehen. Die 53-Jährige ist seit Kurzem Bürgermeisterin von Tunis – und zwar auf dem Ticket der Partei Ennahda. Die gilt als Plattform der moderaten Islamisten in Tunesien. Wie geht das zusammen?

Ihren Sieg, verkündete Abderrahim nach der Wahl, widme sie allen Frauen des Landes, die noch immer Probleme hätten, Karriere zu machen. Sie ist kein Neuling im Politbusiness. Schon zu Universitätszeiten war sie in einer islamischen Studentenunion aktiv im Widerstand gegen die Diktatur, dafür saß sie auch einige Zeit im Gefängnis. In den ersten freien Wahlen des Landes nach dem Sturz des Diktators Ben Ali wurde Abderrahim ins Parlament gewählt. Dort saß sie dem Rechtsausschuss vor – und machte mit eher konservativen Positionen von sich reden, vor allem wenn es um Ehe- und Familienrecht ging.

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Sisi gewährt Offizieren Immunität für Massaker an Muslimbrüdern

Der ägyptische Präsident Abdelfatah al-Sisi bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit Anfang Juni im Parlament. (Bild: Handout / Reuters)
Ein neues ägyptisches Gesetz verhindert, dass hochrangige Offiziere wegen eines Massakers an Muslimbrüdern im Jahr 2013 belangt werden können. Die Militärs erhalten zudem diplomatische Privilegien, die bisher nur Ministern zustanden.

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Der ägyptische Staatspräsident Abdelfatah al-Sisi macht deutlich, dass er nicht beabsichtigt, an der Sonderstellung des Militärs zu rütteln. Auf Vorschlag der Regierung verabschiedete das Parlament Anfang Juli ein Gesetz, das hochrangige Offiziere mit diplomatischen Privilegien ausstattet und ihnen Immunität für Verbrechen gewährt, die nach dem Militärputsch im Juli 2013 begangen wurden.

Die Offiziere, für die das Gesetz gilt, werden vom Präsidenten direkt bestimmt. Sie geniessen neu Immunität, wenn sie ins Ausland reisen, ein Privileg, das bisher Ministern und Mitgliedern diplomatischer Missionen zustand. Zudem gewährt das Gesetz den ausgewählten Offizieren Immunität für Verbrechen, die zwischen dem 3. Juli 2013 und dem 10. Januar 2016 begangen wurden. Es ist dies die Zeitspanne zwischen dem Militärputsch gegen die Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi und der Wiederaufnahme der Arbeit durch das ägyptische Parlament. Künftig ist allein der Oberste Rat der Streitkräfte befugt, gerichtliche Schritte gegen die Offiziere einzuleiten.

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Der Kalikokrebs, eine „Killermaschine“ für die deutsche Natur

Der Kalikokrebs, der ursprünglich in den USA beheimatet ist, verbreitet sich rasant – und bedroht die deutsche Tierwelt Quelle: dpa/Karsten Grabow
Einst war er in Nordamerika zu Hause, doch nun frisst der Kalikokrebs deutsche Gewässer leer. Einheimische Amphibien und Wasserinsekten fallen ihm zum Opfer. Die Art bedroht die Tierwelt. Denn er vermehrt sich explosionsartig.

DIE WELT

Der nach Deutschland eingeschleppte Kalikokrebs hat sich rasch ausgebreitet. Er wurde vermutlich 1993 in der Nähe von Baden-Baden ausgesetzt und ist nach Expertenangaben inzwischen in den Gewässern entlang des gesamten Oberrheins zu finden.

„Ich wage mal eine grobe Schätzung: In 80 Prozent der Auengewässer findet sich der Kaliko“, sagt Andreas Stephan, der gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Herrmann an der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe ein Forschungsprojekt zu dem nordamerikanischen Flusskrebs betreut. Das gefräßige Tier bedrohe Amphibien und Insekten, etwa Libellen, massiv. Es nimmt ihren Lebensraum in Beschlag und hat großen Appetit.

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Glauben statt wissen – Religionen bergen eine andere Art von Erfahrung

Bahn frei für den Glauben, nur sollte dieser den Handlungsspielraum, den der Staat ihm gewährt, nicht missbrauchen. – Kirche in Wroclaw. (Bild: bna.)
Nicht wenige Theoretiker der Moderne meinten, dass die Religion mit der Ausbreitung des wissenschaftlichen Weltbildes absterben würde. Das ist nicht der Fall gewesen. Dennoch bleibt zwischen Glauben und Wissen ein Konflikt bestehen. Wichtig ist, dass der Staat Religionsfreiheit garantiert und Religion sich politisch zurückhält.

Markus Jost | Neue Zürcher Zeitung

Wenn nur diese Religionen nicht wären, dann wäre es viel friedlicher auf der Welt . . . Diesen Satz hört oder liest man nicht selten. Vor allem wenn Religion in Zusammenhang mit Gewalt auftritt. Viele Menschen sehen sich dann darin bestätigt, dass es besser sei, die Finger von der Religion zu lassen und religiösen Menschen mit Vorbehalt zu begegnen. Religion, die sich unerklärbar und unkontrollierbar zeigt, ist für viele Menschen in der Schweiz bedrohlich und stammt aus einer anderen Welt und Zeit. Denn wir sind es gewohnt, alles erklären zu können. So soll es auch bei der Religion sein: Wir wollen, dass die Religion organisiert und erklärbar wird und sich einfügt in unser weltanschauliches System.

Es stellt sich jedoch die Frage: Was ist unser weltanschauliches System, dem sich die Religion unterzuordnen hat? – Ein Demokrat wird sagen: Die Mehrheit bestimmt, was unser weltanschauliches System ist. Der Historiker: Die Geschichte bestimmt, was unser weltanschauliches System ist. Es fallen oft Schlagwörter wie «abendländische Werte», «Aufklärung und Moderne», «Demokratie» oder «wissenschaftliches Weltbild».

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Röntgenbilder in Farbe

3D-Röntgenaufnahme eines Handgelenks mit Armbanduhr: Die Knochen erscheinen weiß, das weiche Gewebe rot. © MARS Bioimaging Ltd
Schluss mit schwarzweiß: Wissenschaftler haben zum ersten Mal eine Röntgenaufnahme in Farbe erstellt. Möglich machte dies ein neuartiger Scanner, der auf einer ursprünglich für den Teilchenbeschleuniger LHC entwickelten Technik beruht. Das Gerät registriert jedes ankommende Strahlungsteilchen und kann deren unterschiedlichen Energien farbig darstellen – dadurch erlaubt es eine einfache Unterscheidung von Gewebetypen. Die Entwickler versprechen sich genauere Bilder und bessere Diagnosen.

scinexx

Ob für einen Blick in den Kiefer oder das verknackste Sprunggelenk: Die Röntgendiagnostik ist aus der Medizin kaum noch wegzudenken. 1,7 Mal wird jeder Deutsche pro Jahr mithilfe der unsichtbaren Strahlen durchleuchtet, die Wilhelm Conrad Röntgen bereits vor mehr als 120 Jahren entdeckte. Das Röntgen ist ein altes Verfahren – und das sieht man ihm trotz aller Fortschritte an. Denn obwohl die Bilder mittlerweile digital verarbeitet werden, hat sich eines bis heute nicht geändert: Röntgenaufnahmen sind schwarzweiß.

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Syrien: Bevölkerung angewidert von Milizen

Miliz Ahrar al-Sham. Foto (2017): Twitter/Propaganda
Eine aktuelle Untersuchung ernüchtert und widerlegt den Mythos des Volkes, das sich gegen Baschar al-Assad auflehnt. Stattdessen wird die Unzufriedenheit mit der Willkürherrschaft der Milizen und den lokalen Oppositionsregierungen deutlich

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Politologin und Journalistin Elizabeth Tsurkov ist keine Unterstützerin der syrischen Regierung, die sie als „Assad Regime“ bezeichnet, so auch in ihren Eingangszeilen zu einer bemerkenswerten Untersuchung. Deren Titel heißt: „The Breaking of Syria’s Rebellion“, was man mit Brechen oder Zerschlagen der syrischen Rebellion übersetzen könnte.

Wer nur den Anfang liest, der könnte auch auf den ersten Blick denken, dass dies eine weitere Untersuchungen ist, die vor allem die Repression und das Autoritäre der Assad-Herrschaft im Auge hat. Tsurkov schreibt dort, dass das „Assad Regime den Krieg in Syrien gewinnt, nicht nur weil es einfach Territorium wiedergewinnt, sondern auch weil es den Geist und den Willen zum Widerstand in Gebieten bricht, die es unter Kontrolle hat, und auch in Gebieten, die sich noch außerhalb seiner Kontrolle befinden“.

Wer sich an dieser Stelle fragt, wie die Assad-Regierung es schafft, den Geist des Widerstandes auch da zu brechen, wo sie gar keine Kontrolle hat, also in Gebieten, die von den meisten Medien „Rebellen-Gebiete“ genannt werden, und weiterliest, der erfährt von Einschätzungen, über die bislang noch selten berichtet wird oder die als Pro-Assad-Propaganda nicht ernstgenommen werden.

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Amerika auf Distanz zum Präsidenten

Image: NBCNews/YouTube
Als „unverschämte Beleidigung“ wurde der Auftritt von Trump bei der NATO aufgefasst. In den USA distanzieren sich beide Kammern vom Präsidenten und stützen die Kanzlerin.

Von Martin Ganslmeier | tagesschau.de

Dass der amerikanische Präsident multilaterale Organisationen wie die EU oder die NATO nicht mag, das ist in den USA bekannt. Doch die Art und Weise, wie Donald Trump in Brüssel die Verbündeten und insbesondere Deutschland angriff, das war in fast allen Nachrichtensendungen in den USA das Top-Thema: „Präsident Trump attackiert Amerikas engste Verbündete“, verkündete NBC-Anchorman Lester Holt zu Beginn der „Nightly News“.

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Älteste Menschenspuren Asiens entdeckt

Dieses Steinwerkzeug ist einer der bis zu 2,12 Millionen Jahre alten Funde aus Shangchen in China. © Zhaoyu Zhu
Überraschender Fund: Die ersten Frühmenschen könnten Afrika deutlich früher verlassen haben als bisher gedacht. Indizien dafür liefern 2,12 Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge, die in Zentralchina entdeckt wurden. Sie sind älter als alle zuvor in Asien entdeckten Menschenspuren, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“ berichten. Sollte sich dies bestätigen, muss der zeitliche Ablauf der Menschheitsgeschichte möglicherweise neu überdacht werden.

scinexx

Wann verließen die ersten Frühmenschen Afrika? Bisher gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Klar scheint nur, dass Vertreter der Gattung Homo – vermutlich der Homo erectus – wahrscheinlich die ersten waren, die von Afrika aus andere Kontinente besiedelten. Dafür sprechen vor allem Funde von 1,5 bis 1,7 Millionen Jahre alten Homo erectus-Relikten auf Java und in China. Als bisher älteste nichtafrikanische Relikte der Gattung Homo aber gelten 1,85 Millionen Jahre alte Schädel und Knochen, die in Dmanissi in Georgien gefunden wurden.

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Code für „Heil Hitler“: Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen Berliner Anti-Terror-Ermittler

Das Polizeipräsidium in Berlin. Foto: Paul Zinken/dpa
Ein Anti-Terror-Ermittler der Berliner Kriminalpolizei steht nach einem Medienbericht im Verdacht, mit seinem Vorgesetzten im Jargon von Neonazis kommuniziert zu haben.

Berliner Zeitung

Laut einem polizeiinternen Vermerk, der dem ARD-Magazin „Kontraste“, dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) und der „Berliner Morgenpost“ vorliegt, forderte der Oberkommissar aus dem Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) in einer SMS an seinen Vorgesetzten, sich von „Merkel & Co und ihren scheiß Gut-Menschen“ fernzuhalten. In einer anderen SMS nutzte er als Abschiedsgruß die Ziffern „88“. Sie stehen für den achten Buchstaben im Alphabet und werden als Code für den verbotenen Nazi-Gruß „Heil Hitler“ genutzt.

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Das düstere Geheimnis von „Alice im Wunderland“

Lewis Carroll alias Charles Lutwidge Dodgson (1832 bis 1898) Quelle: Getty Images
Im bürgerlichen Leben lehrte Charles Dodgson Logik. Als Lewis Carroll schrieb er „Alice im Wunderland“– ein Buch, das mit aller Logik bricht. Und einigen Biografen heute verdächtig vorkommt.

Von Denis Scheck | DIE WELT

Stop making sense: Das ist im Leben wie in der Literatur gar nicht so einfach. Aber der Nonsens kann, wird er richtig auf die Spitze getrieben, große Kunst sein. Der Inbegriff des Nonsens ist der Doppelroman „Alice im Wunderland“ von 1865 und seine sechs Jahre später erschienene Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“, die der unter dem Pseudonym Lewis Carroll schreibende Mathematiker Charles Dodgson veröffentlichte. Gedacht war der erste Teil als Weihnachtsgeschenk für ein Mädchen namens Alice Liddell, in das sich Dodgson vergafft hatte.

Angefangen hatte alles mit einem Ausflug im Ruderboot. Dodgson erfand bei einer Bootspartie mit den drei Töchtern des Deans des Christ Church College in Oxford eine Geschichte, die Alice Liddell so gut gefiel, dass Dodgson sie aufzuschreiben begann. Es war noch ein zweiter Ausflug nötig, um die Geschichte Gestalt annehmen zu lassen, und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Alice hinter den Spiegeln“ war die Beziehung zwischen Dodgson und der Familie Liddell schon zerbrochen – über die Ursache spekulieren Biografen bis heute.

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Quantenkosmologie: „Vielleicht waren die Philosophen zu höflich“

Die Kindheit des Universums: Die Karte zeigt kosmische Hintergrundstrahlung, die entstand, als das All erst 380.000 Jahre alt war. Bild: AP
Der Stringtheoretiker Robert Brandenberger setzt große Hoffnungen in einen Dialog zwischen theoretischen Physikern und Philosophen. Wir haben ihn nach seinen konkreten Erwartungen gefragt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Professor Brandenberger, Ihren Vortrag hier auf dem Workshop zur Philosophie der Kosmologie haben Sie mit der Aussage begonnen, dass Sie von den Philosophen etwas lernen wollen. Was genau?

Als naive Wissenschaftler, als naive Kosmologen führen wir verschiedene Berechnungen durch. Und wir behaupten, dass wir über Theorien verfügen, die mit den Beobachtungen übereinstimmen. Wir vergleichen gemittelte theoretische Werte mit räumlich gemittelten Himmelsbeobachtungen. Aber ist das so in Ordnung?

Die Philosophen sollen Ihnen also sagen, wie eine gute wissenschaftliche Theorie aussehen soll?

Nein, ich wüsste gerne, was wir darüber hinaus tun sollten, um zu demonstrieren, dass die Theorie mit den Beobachtungen in Einklang steht.

Aber was können Philosophen dazu sagen?

Vielleicht sagt der Philosoph: Ihr habt eure Arbeit getan, und jetzt müssen wir sie interpretieren. Das ist eine Antwort. Aber vielleicht wird der Philosoph auch sagen: Damit wir über diese Fragen auf einer philosophisch soliden Basis diskutieren können, benötigen wir mehr Informationen. Und das könnte uns dazu bringen, zusätzliche Berechnungen anzustellen.

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Der „Kopftuchstreit“ ist für Fereshta Ludin noch nicht beendet

Fereshta Ludin, Lehrerin, kämpfte gegen das Kopftuchverbot und hat die erste große Entscheidung zum Kopftuch erstritten.
Vor 20 Jahren wurde die Referendarin Fereshta Ludin nicht in den baden-württembergischen Schuldienst übernommen, weil sie ein Kopftuch trug. Sie zog vor Gericht. Damit begann eine Debatte, die bis heute andauert.

Von Judith Kubitscheck | MiGAZIN

Nur selten huscht ein Lächeln über das Gesicht von Fereshta Ludin. Ernst blickt die Frau in die Runde, die zum Symbol des sogenannten Kopftuchstreites wurde. Sie trägt ein cremefarbenes Tuch, das individuell gebunden ist und den Kopf, aber nicht den Hals bedeckt. Mit leiser Stimme erzählt sie, wie alles begann: dass sie ihr Referendariat sehr erfolgreich abschloss und ihre Schule sie als Lehrerin übernehmen wollte. Doch dann entschied das Stuttgarter Oberschulamt am 13. Juli 1998, sie wegen ihres Kopftuches nicht in den Schuldienst zu übernehmen.

Die Deutsche afghanischer Herkunft ging vor Gericht und klagte sich durch alle Instanzen. Diese Jahre seien für sie eine schwierige Zeit gewesen, über die sie ungern rede, erklärt Ludin. „Weil mein Wohnort bekannt war, gab es Telefonterror, fremde Menschen klingelten an meiner Wohnungstür.“ Sie stockt, Tränen schießen ihr in die Augen. Der Zentralrat der Muslime unterstützte Ludin in dem Rechtsstreit, was sie in Augen von Kritikern zu deren Gesinnungstäterin machte. Ludin sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 2015, dass sie damals den Zentralrat um Hilfe bat, weil sie die Finanzierung der Anwaltshonorare überfordert hätten. Sie sei bis heute kein Mitglied dieses islamischen Verbandes.

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Migrationspolitik: Milliardenhilfen und schwarze Listen von Menschenhändlern

Tripolis, Hauptstadt Libyens. Foto (2006): Jaw101ie / gemeinfrei
Italien verstärkt die Beziehungsarbeit zu Libyen. Ein alter Freundschaftsvertrag, geschlossen zwischen Berlusconi und Gaddafi, wird reaktiviert

Thomas Pany | TELEPOLIS

Geht es um Libyen und Migranten, so ist dieser Tage von größeren Summen die Rede. So war der Präsident des Europarlaments, Antonio Tajani, Anfang der Woche zu Besuch in Tripolis, wo er den international anerkannten Regierungschef Sarradsch (auch: Sarraj) traf. In seiner Abschlusserklärung stellte Tajani einmal die Summe von 40 Milliarden in Aussicht, um 500 Milliarden an Gesamtinvestitionen für einen „Marshallplan für Afrika“ zu mobilisieren.

Der werde gebraucht, um an die Ursachen der Migration zu gehen. Der Marshallplan für Afrika sollte im nächsten EU-Haushalt enthalten sein, so Tajani. Er werde sich dafür einsetzen, dass ein substantieller Teil dieser Ressourcen für Libyen verwendet werden, betonte der EU-Vertreter.

Darüber hinaus nannte er die Summe von „mindestens sechs Milliarden Euro“, für die sich die EU verpflichten sollte, um sie in den Mittelmeerraum zu investieren. Die Aussage ist etwas vage gehalten. Antonio Tajani spricht im Englischen von „Mediterranean“, was den Raum für die Investitionen weit offen lässt und von einer wenig konkreten Absicht: „We need to commit …“ „Wir sollten uns verpflichten …“

Neben den Finanzhilfen äußerte der Präsident des Europarlaments noch den Vorschlag, eine schwarze Liste von wichtigen Menschenhändler und Waffenschmuggler zu erstellen, damit Polizei und Strafverfolgungsbehörden in Afrika und Europa besser zusammenarbeiten können, um den Kampf gegen die kriminellen Aktivitäten zu intensivieren. Vermutlich dürfte Italien längst eine solche Liste haben.

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Nearby Alien Planet May Be Capable of Supporting Life

This artist’s illustration shows the potentially temperate planet Ross 128b, with its red dwarf parent star in the background. Credit: M. Kornmesser/ESO
One of the nearest exoplanets to Earth may be a decent abode for life. Ross 128b — which lies just 11 light-years from our planet — is likely a rocky and temperate world, a new study suggests.

By Mike Wall | SPACE.com

„Although Ross 128b is not Earth’s twin, and there is still much we don’t know about its potential geologic activity, we were able to strengthen the argument that it’s a temperate planet that could potentially have liquid water on its surface,“ lead author Diogo Souto, of the Observatório Nacional in Rio de Janeiro, Brazil, said in a statement. [10 Exoplanets That Could Host Alien Life]

Ross 128b has excited and intrigued astrobiologists since its discovery last year. The planet appears to circle in the „habitable zone“ of its host star — that just-right range of distances where liquid water could exist on a world’s surface. (Ross 128b circles a small, dim red dwarf star, so the habitable zone is quite close in; the planet completes one orbit every 9.9 Earth days.)

Initial estimates also indicated that Ross 128b has a minimum mass just 1.35 times that of Earth and therefore stands a good chance of being rocky, just like our own planet.

The new study will not dampen that enthusiasm. The researchers analyzed Ross 128b’s parent star, known as Ross 128, using the Sloan Digital Sky Survey’s Apache Point Observatory Galactic Evolution Experiment (APOGEE), a spectroscopic instrument installed on a telescope in New Mexico.

„The ability of APOGEE to measure near-infrared light, where Ross 128 is brightest, was key for this study,“ study co-author Johanna Teske, of the Carnegie Institution for Science in Washington, D.C., said in the same statement. „It allowed us to address some fundamental questions about Ross 128b’s ‚Earth-like-ness.'“

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USA: Priester wegen Lebensschutzaktion in Abtreibungsklinik verurteilt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Stephen Imbarrato musste sieben Tage ins Gefängnis, weil er in einer Abtreibungsklinik Frauen dazu ermutigt hatte, sich für ihr Baby zu entscheiden.

kath.net

Sieben Tage im Gefängnis seien „ein kleines Opfer, um eine stärkere Stimme für die Babys zu bekommen“, sagte Stephen Imbarrato, bevor er eine siebentägige Haftstrafe antrat.

Imbarrato wurde verurteilt, weil er gemeinsam mit zwei weiteren Lebensschützern im Wartezimmer einer Abtreibungsklinik in Washington D.C. rote Rosen verteilt und Frauen dazu ermutigt hatte, sich für ihr Baby zu entscheiden. Er wurde wegen Hausfriedensbruch verurteilt.

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Politischer Offenbarungseid: Grünen-Politiker fordert lautstarke Kirche gegen Flüchtlingspolitik

Sven Giegold 2010. Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 Kaihsu Tai

Die Konturen der künftigen europäischen Flüchtlingspolitik bleiben unscharf. Der eingeschlagene Weg deutet in Richtung Abschottung Europas. Was die Kirchen wiederum lautstärker auf den Plan rufen sollte, meint der EU-Abgeordnete Giegold.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Sie haben zusammen mit Mitgliedern des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags eine Petition zur Flüchtlingspolitik gestartet. Sie fordern die Kirchen dazu auf, klar für Flüchtlinge und gegen die Politik der Abschottung einzutreten. Was wollen Sie mit dieser Petition erreichen?

Sven Giegold (EU-Abgeordneter der Grünen und Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags): Die Petition wendet sich an die Regierungen in der Europäischen Union. Wie Sie ja völlig zu Recht beschrieben haben, hat sich das öffentliche Klima sehr verändert. Ich würde sogar sagen, wir haben es mit einer Entzivilisierung der Politik zu tun. Denn das Recht auf Asyl ist nichts wert, wenn man keinen Antrag mehr stellen kann und die Politik, die die Mitgliedsländer bei ihrem letzten Ratstreffen beschlossen haben, ist die Abschottung Europas. Den Versuch gibt es schon lange.

Aber bisher gab es noch Wege durch das Netz. Diejenigen, die jetzt helfen, um durch dieses Netz hindurch zu kommen, nämlich die Flüchtlingsretter auf dem Mittelmeer, werden kriminalisiert und schärfstens kritisiert. Das ist ein Zustand, der für uns unerträglich ist und auch nicht den Werten entspricht, auf denen Europa gegründet ist.

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Kirche: „Hexenjagd“ auf Mutter-Teresa-Schwestern

© Bild: KNA
Haben die Missionarinnen der Nächstenliebe Kinder verkauft? Das ist der schlimme Vorwurf gegen die indischen Mutter-Teresa-Schwestern. Die Kirche sieht darin eine Kampagne der Hindunationalisten.

katholisch.de

Die Kirche im indischen Bundesstaat Jharkhand weist Vorwürfe gegen Schwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe zurück. „Die Regierung greift unsere Einrichtungen an, um uns zu diffamieren“, klagt der Weihbischof von Ranchi, Telesphore Bilung, gegenüber UCAnews. Der Orden sehe sich einer „Hexenjagd“ seitens der hindunationalistischen Regierung ausgesetzt. Den Schwestern wird unter anderem vorgeworfen, Kinder an kinderlose Paare verkauft zu haben.

Jharkhand wird von der hindunationalistischen Indischen Volkspartei (BJP) regiert. „Wir wissen von Hausdurchsuchungen in verschiedenen Teilen des Bundesstaates. Mit diesen Einsätzen versucht die Regierung zu beweisen, dass Christen und ihre Einrichtungen an illegalen Aktivitäten beteiligt sind“, so Bilung weiter.

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Iranische Frauen tanzen sich frei

Ausschnitt aus einem Tanzvideo von Maedeh Hojabri. (Bild: Instagram)
Weil sie ihre Tanzkünste im Internet veröffentlichten, wurden drei junge Frauen in Iran verhaftet. Nachdem sie ihre Taten unter Tränen im Fernsehen zu bereuen hatten, posteten viele Frauen aus Solidarität eigene Tanzvideos.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Maedeh Hojabri ist erst 18-jährig, hatte auf Instagram aber bereits eine grosse Fangemeinde mit Hunderttausenden von Followern. In ihren dort veröffentlichten Videos bewegte sie ihre Hüften gekonnt und selbstbewusst zu iranischen Rhythmen, aber auch zu den Klängen westlicher Pop-Stars wie Justin Bieber oder Shakira. Es machte ihr sichtlich Spass, die in ihrem eigenen Zimmer aufgenommenen Vorführungen mit der Welt zu teilen.

Der Spass nahm indes ein bitteres Ende. Am vergangenen Wochenende bereute Hojabri im iranischen Fernsehen mit abgedunkeltem Gesicht ihre Taten unter Tränen. Es sei ihr nicht darum gegangen, Aufmerksamkeit zu erregen oder andere anzustiften, es ihr gleichzutun, erklärte die junge Frau.

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Wie Katholiken und Protestanten einander nerven

Bringt den Katholiken Seehofer zur Weißglut: die kühle protestantische Frau aus dem Norden (AFP / John MACDOUGALL)
In der Politik seien katholische Männer auf ausdauernde Protestantinnen oft zornig, weil alles an ihnen abprallt, meint Religionsphilosophin Gesine Palmer. Der schönste Versuch einer Demütigung wirke lächerlich, wenn die Gemeinte sich nicht getroffen fühlt.

Von Gesine Palmer | Deutschlandfunk Kultur

Wenn man nicht so genau weiß, was von einer Sache zu halten sei, ist ein gutes Vorurteil immer noch besser als gar kein Argument.

Einst, als die Bundesrepublik Deutschland in einem so selig provinziellen Schlummer lag, dass nicht nur die Jugend mehr Welt herbeisehnte, halfen Vorurteile vorzugsweise im Umgang mit anderen Deutschen. Wenn damals die besorgten Eltern vor religiösen Mischehen warnten, meinten sie das Wagnis einer Ehe zwischen einem Katholiken und einer Protestantin. Wer das später noch für ein ernstes Problem halten wollte, machte sich lächerlich. Dachte ich. Bis vor ein paar Wochen. Dass ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, hat auch mit Politik zu tun.

Fangen wir mit den Vorurteilen an über katholische Männer und protestantische Frauen. An sich streben in der Politik beide nach Macht, wie alle Welt, und sie teilen auch das Ideal: Wer Macht hat, gebrauche sie mit Demut und möglichst unprätentiös. Aber wenn es ums Detail geht, verhalten sich der Katholik und die Protestantin doch sehr unterschiedlich.

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