Claude Lanzmanns Vermächtnis

Welt

Einen Tag vor seinem Tod kam sein letzter Film in die französischen Kinos: „Die vier Schwestern“. Darin dokumentiert der Schöpfer von „Shoah“ das Leben von vier Frauen, die Terror und Tod getrotzt haben.

Sie heißen Ada, Paula, Hanna und Ruth. Es sind schöne, stolze Frauen, jede für sich. Der französische Regisseur Claude Lanzmann hat sie zu Schwestern gemacht. Das waren sie nicht. Zwei von ihnen waren Polinnen, die eine kam aus Ungarn, die andere aus der Tschechei. Lanzmann hat sie in den Siebzigerjahren in Israel und den USA getroffen. Er hat die vier Frauen zu Schicksalsschwestern gemacht, zu Schwestern der Shoah.

„Die vier Schwestern“ heißt sein letzter Film, mit dem sich Claude Lanzmann von der Welt verabschiedet hat. Er kam am Vortag seines Todes in die französischen Kinos. Das mag die Dramaturgie des Zufalls oder seinem eisernen Lebenswillen geschuldet sein, sicher ist nur: Es ist die letzte Grußkarte des großen Lanzmann, gesandt aus der Welt des Unsagbaren und Unbeschreiblichen, gewidmet seinem viel zu früh verstorbenen Sohn Felix.

Lanzmann, der am 4. Juli vergangener Woche mit 92 Jahren gestorben ist, wollte dem Tod trotzen, bis zum Schluss. Er empfand den Tod, so sagte er das immer wieder, als eine Zumutung, als einen Skandal. Der Medizinprofessor Didier Sicard beschrieb bei der offiziellen Trauerfeier am Donnerstag im Ehrenhof des Pariser Invalidendoms seinen Freund Lanzmann bei einem Italienurlaub vor zwei Jahren, wie dieser von einem 14 Meter hohen Felsen ins Meer sprang. Kopfüber. Im Alter von 90 Jahren.

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Erdogan will Ausnahmezustand aufheben

Sieben Mal wurde der Ausnahmezustand in der Türkei verlängert – nun soll Schluss sein: Präsident Erdogan will ihn zum 18. Juli aufheben lassen. Dahinter steckt wohl Kalkül.

Spiegelonline

 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hebt den Ausnahmezustand in der Türkei zum 18. Juli auf. Das teilte ein Sprecher des türkischen Präsidenten mit. Der Ausnahmezustand war nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 erlassen und seither immer wieder verlängert worden.

In einer Pressekonferenz nach der ersten Sitzung des neuen Kabinetts nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sagte Regierungssprecher Ibrahim Kalin am Freitag, so wie es derzeit aussehe, könne der Ausnahmezustand am 18. Juli enden.

Am 19. Juli wäre er ohne Verlängerung fristgemäß ausgelaufen. Kalin sagte allerdings auch, dass der Ausnahmezustand im Fall „sehr, sehr außergewöhnlicher Umstände“ wiedereingeführt werden könnte.

Mehr als 70.000 Menschen verhaftet

Seit dem Sommer 2016 wurden nach offiziellen Angaben mehr als 70.000 Menschen verhaftet, darunter Journalisten, Menschenrechtler und Oppositionspolitiker. Medienhäuser wurden geschlossen und Bürgermeister ausgetauscht.

Durch Dekrete feuerte Erdogan außerdem mehr als 110.000 Staatsbedienstete, unter ihnen nach offiziellen Angaben aus dem Oktober rund 4000 Richter und Staatsanwälte. Noch am Sonntag verloren mit einem neuen Erlass weitere rund 18.000 Lehrer, Polizisten oder Soldaten ihre Arbeit.

Dass Erdogan nun den Ausnahmezustand aufhebt, ist grundsätzlich ein positiver Schritt. An seinem autoritären Regierungsstil dürfte sich trotzdem wenig ändern. Durch die Verfassungsänderung, die mit der Vereidigung der neuen Regierung am vergangenen Montag endgültig in Kraft getreten ist, verfügt Erdogan über weitreichende Kompetenzen.

Erdogan ist in dem neuen Präsidialsystem Staats- und Regierungschef zugleich. Er entscheidet über Minister- und Richterposten und kann das Parlament nach Belieben auflösen. Erdogan hat in den vergangenen beiden Jahren vor allem durch Notstandsdekrete regiert. Dies ist nun nicht mehr nötig. Auch deshalb dürfte er den Ausnahmezustand aufgehoben haben.

 

EKD dient sich häufig dem Zeitgeist an und verspielt so ihre Zukunft

Evangelischer Theologe Udo Schnelle: EKD erwecke Eindruck, dass es Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe aber kein unbegrenztes Helfen, Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln – Kritik auch an Positionen zu Homo-Ehe und Islam

kath.net

Die evangelischen Kirchen dienen sich häufig dem Zeitgeist an und verspielen so ihre Zukunft. Diese Ansicht vertritt der Theologieprofessor Udo Schnelle in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Der Bibel-Theologe aus Erlangen ist Autor mehrerer theologischer Standardwerke und sieht die evangelische Kirche in der politischen Ethik, die sich aus Ideen aus dem rot-grünen Politik-Spektrum bediene. Eine dieser Leitideen sei der „globale Universalismus, wonach jeder für jeden und für alles in der Welt Verantwortung habe“. Dieser führe zu einer Art „Intensiv-Ethik, die permanent fordert und sich moralisch unendlich überlegen fühlt“. Ein Beispiel dafür sei die Flüchtlingsfrage. Die EKD erwecke den Eindruck, dass es eine Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe jedoch kein unbegrenztes Helfen. Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln. Ohne Begrenzung sei keine Integration möglich. Auch theologisch sei die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch. Jesu Christi Aussagen zur Nächsten- und Feindesliebe bezögen sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse des 21. Jahrhunderts.

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Quantencomputer berechnen das Unberechenbare

D-Wave -Wave 2000 Qubit Processor. Bild: Steve Jurvetson/CC BY-2.0
Forscher zeigen, dass Quantencomputer wirklich etwas Neues sind: Sie lösen ein Problem, an dem jeder klassische Rechner unendlich lange beißen würde

Christian J. Meier | TELEPOLIS

Was ist besonders an Quantencomputern? Ihr atemberaubendes Rechentempo, lautet die gängige Antwort. Demnach können diese künftigen Rechner zwar nicht mehr als herkömmliche Computer, manches aber sehr viel schneller. Für das Zerlegen einer riesigen Zahl in ihre Primfaktoren etwa benötigt ein PC Jahrmilliarden. Ein Quantenrechner, wie er laut Expertenmeinung schon in einem Jahrzehnt verfügbar sein könnte, hingegen nur ein paar Minuten.

Zwei Informatiker zeigen nun aber, dass die Überlegenheit des Quantencomputers über bloße Schnelligkeit hinausgeht. Ran Raz und Avishay Tal haben ein Problem gefunden, das kein normaler Rechner je wird lösen können, selbst wenn er unendlich lange dafür Zeit hätte, ein künftiger Quantencomputer jedoch schon. Demnach spielt der Quantencomputer in einer anderen Liga: Das Wort „berechenbar“ überdeckt durch ihn eine größere Anzahl an Problemen – mindestens eines mehr, wie die beiden Forscher zeigen.

Raz, Professor an der Princeton University und am Weizmann Institut in Israel und sein ehemaliger Doktorand Tal, jetzt an der kalifornischen Stanford University, beschäftigen sich mit den Fähigkeiten von Computern. Klassische Rechner können zwar alles berechnen, was sich berechnen lässt, der Aufwand kann sich von Aufgabe von Aufgabe so sehr unterscheiden, dass manches praktisch unlösbar bleibt.

Ein Beispiel ist das schon genannte Faktorisierungsproblem. Primzahlen lassen sich zwar schnell multiplizieren, auch wenn es vielstellige Zahlen sind. Doch der umgekehrte Weg, ausgehend vom Produkt auf darin enthaltenen Primfaktoren zu schließen, kann sehr schwer werden: Die Zahl der nötigen Rechenschritte wächst unverhältnismäßig mit der Größe der zu zerlegenden Zahl.

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NASA’s Historic Mission to the Sun Gets a Heat Shield

Coronal mass ejection as viewed by the Solar Dynamics Observatory on June 7, 2011. Credit: NASA/SDO
In photographs of total solar eclipses, the ethereal halo an observer sees is the sun’s corona. The word means „crown“ in Latin and Spanish, but the beauty of the name masks a scorching reality: 500 kilometers from the sun’s visible surface, coronal temperatures can reach a few million degrees.

By Doris Elin Salazar | SPACE.com

This environment makes the sun a hostile world to study. So to ensure a new NASA mission to the sun succeeds, engineers added protection to the spacecraft, according to a new statement from the space agency. [Get Ready for 2 Solar Eclipses Coming to the US in 2023 and 2024]

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Großbritannien möchte assoziiertes EU-Mitglied werden

foto: apa Britische Parlamentarier bekommen eine Kopie des Weißbuchs zum Brexit. Premierministerin Theresa May will das Ausscheiden ihres Landes aus der EU möglichst „weich“ gestalten.
Neuer Brexit-Minister stellt Weißbuch vor, Finanzindustrie spricht von einem „echten Tiefschlag“

Sebastian Borger | derStandard.at

Drei Tage nach seinem Amtsantritt hat Brexit-Minister Dominic Raab am Donnerstag das lange erwartete Weißbuch zum zukünftigen Verhältnis Großbritanniens und der EU vorgelegt. Ziel sei ein „prinzipientreuer und praktikabler Brexit“, sagte der Kabinettsneuling im Unterhaus. Die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May sei zuversichtlich, dass die britischen Ideen Grundlage für eine „dauerhafte Abmachung“, ein sogenanntes Assoziierungsabkommen, sein könnten.

Das 98-seitige Dokument basiert auf dem Chequers-Papier vom vergangenen Freitag, das nach einer langen und kontroversen Sitzung des Kabinetts zustande gekommen war. Statt des zwei Jahre lang propagierten harten Brexits samt Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion werden nun ein weicher Brexit und wirtschaftlich enge Verflechtung mit dem Kontinent angestrebt. Deshalb waren zu Wochenbeginn Raabs Vorgänger David Davis sowie Außenminister Boris Johnson zurückgetreten. Dieser soll Mays Vorgehen als „Scheißhaufen“ (turd) bezeichnet haben.

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NRW-Innenminister verurteilt antisemitischen Angriff von Bonn: Attacke auf jüdischen Professor

Bild: bb
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat einen antisemitischen Übergriff in Bonn als „abscheulich“ verurteilt und sich für Polizei-Fehler entschuldigt. „Wir werden nicht zulassen, dass in Deutschland wieder Hatz auf Juden gemacht wird“.

DOMRADIO.DE

Das sagte der CDU-Politiker der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ in Düsseldorf. Es sei dabei zu einem „verhängnisvollen Missverständnis gekommen“, für das er das Opfer telefonisch um Entschuldigung gebeten habe.

Der Vorfall hatte sich am Mittwochnachmittag im Bonner Hofgarten zugetragen. Dabei war laut Bonner Polizei ein 50-jähriger, in den USA lebender israelischer Hochschulprofessor von einem Mann auf die von ihm getragene Kippa angesprochen und beleidigt worden. Der Unbekannte habe ihm die Kopfbedeckung heruntergeschubst und ihm gegen die Schulter geschlagen.

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Markus Söder erfindet sich neu – doch wer glaubt ihm noch?

Markus Söder bei seiner Regierungserklärung. Inzwischen mahnt der bayerische Ministerpräsident im Landtag einen respektvollen Umgangston an. (Foto: Lino Mirgeler/dpa)
Ausgerechnet der Ministerpräsident mahnt einen guten Stil in der Debatte an. Dabei ist er selbst einer der großen Zündler.

Von Katja Auer | Süddeutsche Zeitung

Am Mittwochabend hat sich Ministerpräsident Markus Söder im Landtag ans Rednerpult gestellt und einen respektvollen Umgangston angemahnt. „Wir sind doch das Hohe Haus und keine Theaterbühne“, sagte er. Ausgerechnet Söder. Da gibt einer den Feuerwehrmann, der die ganze Zeit mitgezündelt hat. Der einer der Hauptakteure war im Asylstreit. Der Seehofers Irrlichtern mit Ausdrücken wie „Asyltourismus“ flankierte und so nicht nur zuließ, sondern befeuerte, dass die Kluft im Land tiefer wird und das Vertrauen in die Politik schwindet. Diesen Begriff werde er nicht mehr verwenden, sagte Söder nun, das sollte wohl Einsicht demonstrieren. Zugleich forderte er einen neuen Stil.

Freilich geht es im Landtag manchmal zu wie im Kasperltheater, wenn die Abgeordneten sich anplärren und beschimpfen und den Rednern ins Wort fallen.

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Linkspolitikerin will Staatsleistungen an Kirchen ablösen

© Bild: dpa/Michael Kappeler
Im vergangenen Jahr scheiterte die Linke mit ihren Forderungen im Finanzausschuss des Bundestags. Jetzt will die religionspolitische Sprecherin der Fraktion das Thema erneut angehen – mit konkreten Vorschlägen.

katholisch.de

Die religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Christine Buchholz, hat sich für eine Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen ausgesprochen. 2019 werde dieser Verfassungsauftrag 100 Jahre alt, sagte die Politikerin in einem Interview der Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Donnerstag). Sie habe den Eindruck, in den Kirchen gebe es „durchaus Bereitschaft zu einer offenen Diskussion“. Buchholz schlug dazu die Bildung einer Kommission mit Vertretern von Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften vor. In ihr sollten staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure gemeinsam praktische Wege finden.

Als Staatsleistungen im engeren Sinne werden historisch begründete Zahlungen an die Kirchen in Deutschland bezeichnet, zu denen sich der Staat 1803 im Gegenzug für eingezogene Kirchengüter verpflichtete. Daher zahlt der Staat bis heute Gehälter unter anderem für Bischöfe und Domherren.

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Warum „Versager an der Spitze“ auch noch belohnt werden

„Niemals haben sie wirklich Verantwortung übernommen“: Josef Ackermann, Carsten Maschmeyer, Hartmut Mehdorn, Martin Winterkorn (von oben links im Uhrzeigersinn) Quelle: pa/ Emily Wabitsch/dpa; pa/ Christian Charisius/dpa; JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images; pa/ Hannibal Hanschke/dpa
Was haben Mehdorn und Maschmeyer, Winterkorn und Ackermann gemeinsam? Richtig, sie sind Versager. Weil sie es ihren Nachfolgern unmöglich gemacht haben, jemals wieder Land zu sehen. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden.

Von Valentin Pretzer | DIE WELT

Der Mensch wird nicht moralischer. Er wird nicht besser. Er steckt voller Fehler, und das lässt sich nur schwer ändern. Das erkannte schon Adam Smith, erster Nationalökonom und Urvater der modernen Wirtschaft, vor über 200 Jahren.

Er entdeckte im Egoismus die treibende und wirksamste Kraft für wirtschaftliches Zusammenleben. Es ist ein simpler Gedanke, der den nächsten Jahrhunderten seine Koordinaten geben sollte: Der Bäcker backt seine Brötchen nicht aus Nächstenliebe, sondern um Geld zu verdienen. Konkurrenz sorgt dafür, dass die Brötchen so billig werden, wie es dem Bäcker nur möglich ist, und gleichzeitig trägt sie zur Verbesserung der Qualität bei. Die Kunden kaufen die besten Brötchen zum billigsten Preis.

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