Es gibt keinen deutschen Islam

Gehört der Islam zu Deutschland? Konservative Politiker akzeptieren ihn dann als Religion, wenn er verfassungskonform ist. Dann aber ist es kein Islam mehr. Muslime haben ein Recht auf kulturelle Identität. Von Alexander Grau

Cicero

Kaum ein Thema versinkt seit Jahren dermaßen in einer Kakophonie aus Halbwissen, sich selbst überschätzender Ahnungslosigkeit und politischer Instrumentalisierungen wie das Thema Islam. Und das gilt für beide Seiten, die so genannte Islam-Kritiker und die Islam-Verteidiger. In beiden Lagern werden dieselben Denkfehler gemacht, und das macht eine sinnvolle Debatte beinah unmöglich.

Da sind zum einen die Objektivisten, man könnte sie fachphilosophisch auch als Essentialisten bezeichnen. Das sind Leute, die naiverweise davon ausgehen, dass es den einen wahren Islam gibt. In diesen Kreisen haut man sich gerne Koransuren um die Ohren und versucht zu belegen, dass der Islam wahlweise eine rückständige, nicht zivilisationsfähige, menschenverachtende Religion ist oder im Gegenteil eine Religion des Friedens, der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe.

Der Islam als schmusige Zivilreligion

Auf der anderen Seite stehen die Kulturalisten oder auch Konstruktivisten: Sie haben zwar kapiert, dass es von keiner Religion und keinem Text die eine, wahre, alleingültige Lesart gibt, leiten daraus aber ab, dass man aus Religionen wie dem Islam nach Belieben so ziemlich alles machen kann: etwa eine schmusige Zivilreligion, die auf ein bisschen Liberalismus und Toleranz mit Spiritualitätsgarnitur eingedampft wird.

 

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Die orthodoxe Welt fürchtet das nächste große Schisma

Seit fast 1.000 Jahren gehen die Kirchen in West und Ost getrennte Wege. Nun droht erneut ein Schisma von solch epochalen Ausmaßen. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel muss über die Eigenständigkeit der ukrainischen Kirche befinden. Doch Moskau ist dagegen

katholisch.de

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, ist dieser Tage nicht zu beneiden. Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie hat eine Entscheidung zu treffen, die im besten Fall für Ärger unter einigen Millionen von Gläubigen sorgt, im schlimmsten Fall sogar ein weltweites Schisma auslöst: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats möchte unabhängig werden. Seit April liegt im Fener, dem Amtssitz des Patriarchen im heutigen Istanbul, ein entsprechender Antrag auf dem Tisch. Nun hat Bartholomaios I. eine Entscheidung von enormer gesellschaftlicher, möglicherweise sogar weltpolitischer Bedeutung zu fällen.

Neu ist diese Frage nicht. Sie stellt sich spätestens seit dem Jahr 1992, als der damalige Metropolit von Kiew, Filaret Denyssenko, seiner russisch-orthodoxen Kirche den Rücken kehrte und eine rivalisierende Glaubensgemeinschaft ins Leben rief. Anlass für die Gründung dieser „ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats“ war die Bestrebung ukrainischer Kirchenführer, nach der staatlichen Unabhängigkeit auch die kirchliche zu erhalten.

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Islamkonferenz soll deutschen Islam definieren

faz.net

Das Bundesinnenministerium will die Deutsche Islamkonferenz erneuern. „Wir müssen viel stärker als bisher die Vielzahl der in Deutschland noch nicht organisierten muslimischen Mitbürger in das Zentrum unserer Islamkonferenz stellen“, sagte Innenstaatssekretär Markus Kerber der „Bild“-Zeitung. Nach der Sommerpause sollen demnach auch wieder Einzelpersonen zur Konferenz, vermutlich im November, zugelassen werden.

Auf die Frage, ob er die Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer teile, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, antwortete Kerber ausweichend: „Wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen‘ Islam definieren“, sagte er. Die Frage sei, ob es einen deutschen Islam geben könne, der auf den rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Deutschland basiert, sagte der für den Themenbereich Heimat zuständige Staatssekretär. Die Antwort werde allein von deutschen Muslimen zu geben sein.

„Der Staat kann dafür nur Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Kerber: „Fest steht: Es gibt einen deutschen Katholizismus, es gibt einen deutschen Protestantismus, und es gibt ein deutsches Judentum. Und wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen Islam‘ definieren – und zwar auf dem Boden unserer Verfassung.“ Das werde die Aufgabe der nächsten Islamkonferenz sein, sagte der Staatssekretär der „Bild“.

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