Die Politik macht die Türken krank


Zwei Jahre nach dem Putschversuch verhärtet sich das politische Klima in der Türkei weiter. Wer nicht auf der Seite der Regierung steht, gilt schnell als Verräter. Immer mehr Türken reagieren darauf mit Angstzuständen und Depressionen.

NZZ

Die regierungstreuen Fernsehkanäle überbieten sich mit Sondersendungen, auf dem zentralen Istanbuler Taksim-Platz gibt es eine Ausstellung mit pathetischen Bildern von weinenden Grossmüttern sowie Zivilisten und Soldaten, der Präsident hat für Sonntag eine Grossveranstaltung geplant. Die Türkei gedenkt der Putschnacht vom 15. Juli 2016. «15.-Juli-Heldenepos», steht über dem rot verkleideten Tor, das zur Taksim-Ausstellung führt. Der Ton ist gesetzt. Als Sieg der Demokratie feiert die Regierung die folgenreiche Nacht. Helden auf der einen Seite, Verräter auf der anderen.

 

Ein Held war einst auch Eren Koca.* Als junger Luftwaffenpilot war er im Krieg gegen aufständische Kurden im Einsatz, dafür wurde er dekoriert, stieg auf der Karriereleiter nach oben. Doch dann kam die Putschnacht. Angehörige schicken ihm wie verrückt Textnachrichten, wollen wissen, was los ist. Er wisse es auch nicht, habe er geantwortet, sagt seine Frau Elif.* Später erzählt er Verwandten von einem regelrechten Befehlschaos. Im Minutentakt trafen auf der Basis in Anatolien, auf die seine Einheit kurz vor dem Putschversuch verlegt worden war, neue Befehle ein. Einmal sollte sich die Luftwaffeneinheit sofort startklar machen, dann sollte sie wieder auf dem Boden bleiben.

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