Ingmar Bergman: Der Mann, der Obsession auf die Leinwand bannt

Der Geburtstag des schwedischen Regisseurs jährt sich am 14. Juli zum 100. Mal. Sein Vermächtnis ist so unermesslich wie die Mythen über ihn zahlreich. Sein Leben widmete er der Arbeit und dem produktiven Ringen mit den inneren Dämonen.

NZZ

Kaum ein Künstler hat die Unzulänglichkeiten des eigenen Charakters, seine Obsessionen, Passionen und Ängste gegenüber dem Leben so kraftvoll in Bilder gebannt wie Ingmar Bergman. Bei ihm wird das pralle Menschsein in der Faust geballt und mit unerbittlicher Gewalt auf den Zuschauer geworfen, von dem es als Frage abprallt. Kein Begriff konnte zu gross sein, um nicht in Angriff genommen zu werden. Es waren die existenziellen Relikte aus Bergmans Erziehung, die er in seiner Autobiografie «Laterna Magica» benennt: Sünde, Bekenntnis, Strafe, Vergebung und Gnade. Wenn der Satz des Filmkritikers Michael Althen stimmt, dass man «ins Kino geht, um das Leben zu lernen», ist Bergman dessen allergrösster Lehrmeister.

Denn wer meint, er könne die Seelenregungen des Menschen so einfach begreifen, wird angesichts der Filme von Bergman einsehen müssen, wie kläglich er scheitert. Man blickt fragend auf die Leinwand wie in einen Spiegel, doch zurück schaut eine unergründliche Maske ohne Antworten. Finale Gewissheiten existieren im Werk des schwedischen Regisseurs nicht, weder aus inhaltlicher noch aus ästhetischer oder psychologischer Perspektive. Bergmans Vermächtnis ist gewaltig und vielschichtig; es wurzelt, da er seine Drehbücher selbst fast ausnahmslos als Dramen verfasste, tief im Fundus europäischer Theatertradition. Seine rund fünfzig Spielfilme für Kino und Fernsehen waren nach eigener Aussage seine aufregenden Geliebten, während das Theater mit den über hundert Inszenierungen ihn als treue Gattin begleitete.

weiterlesen…