Bieten ARD und ZDF Orientierung?

ARD_Hintergrundtafel.JPG:Bild: Jeydie/gemeinfrei
Ein ARD-Bericht verdreht den Wortlaut des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Rundfunkbeitrag

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Das Bundesverfassungsgericht hat den Rundfunkbeitrag heute für grundsätzlich verfassungsgemäß erklärt. Die ARD-Rechtsredaktion schreibt dazu:

Der Rundfunkbeitrag ist grundsätzlich rechtens. (…) Grundsätzlich sei alles in Ordnung, sagen die Verfassungsrichter. (…) Die Menschen hätten einen ganz konkreten Vorteil durch die Vielfalt der Anbieter, die, wie sie sagen, durch ‚authentische, sorgfältig recherchierte Informationen‘ Orientierungshilfe böten.

ARD

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet laut Gericht also „Orientierungshilfe durch sorgfältig recherchierte Informationen“? Da könnte mancher widersprechen wollen. Und ein Blick in das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zeigt auch: So haben die Richter das gar nicht gesagt. Die ARD hat es „hineingelesen“.

In der Urteilsbegründung heißt es vielmehr klar (und unbestreitbar), ARD und ZDF hätten „die Aufgabe“, durch „authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken, vielmehr ein vielfaltssicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden“.

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Christlich-jüdische Kritik an „Communio“-Artikel Benedikts XVI.

Bild: bb
Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat sich besorgt über die Zukunft des katholisch-jüdischen Dialogs geäußert. „Irritation und Verunsicherung greifen um sich“, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.

kathpress

Anlass sei ein Artikel des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum Verhältnis von Judentum und Christentum, in dem dieser theologische Fundamente des christlich-jüdischen Dialoges hinterfrage. Der Beitrag ist mit dem Namen „Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.“ gekennzeichnet und unter dem Titel „Gnade und Berufung ohne Reue“ in der Zeitschrift „Communio“ veröffentlicht. Kritiker bemängelten, Benedikt XVI. formuliere darin die „christliche Identität auf Kosten der jüdischen“.

Der Koordinierungsrat, der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland vertritt, betonte: „Die Zukunft des christlich-jüdischen Dialoges gerät im Zweifelsfall ins Wanken angesichts dieser eingehend kritischen Hinterfragung seines theologischen Fundaments.“ Das Präsidium des Rates sei „sehr irritiert“ und halte klärende Gespräche für unumgänglich.

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Klimawandel bedroht Internet

Ein Großteil der Internet-Infrastruktur liegt nahe der küstennahen Ballungsräume – das könnte Probleme geben. © imaginima/ iStock
Schleichende Gefahr: Der steigende Meeresspiegel gefährdet auch das Internet, wie eine US-Studie enthüllt. Denn gerade in Küstennähe liegen besonders viele Datenleitungen und Knotenpunkte – und diese sind oft nicht wasserdicht. Schon in 15 Jahren könnte daher ein großer Teil dieser Internet-Infrastruktur dem steigenden Meer zum Opfer fallen. Besonders betroffen wären unter anderem US-Zentren wie New York, Miami und Seattle, so die Wissenschaftler.

scinexx

Glasfaserleitungen und ihre Knotenpunkte bilden heute das Rückgrat des weltweiten Internets. Sie verbinden Kontinente, sorgen aber auch für die Datenübertragung zwischen Städten und innerhalb von Ballungsräumen. Weil die meisten großen Ballungsräume in Küstennähe liegen und dort auch die transozeanischen Seekabel ankommen, ist gerade dort auch besonders viel Netz-Infrastruktur konzentriert. Allein in den USA sind tausende Kilometer Glasfaserkabel in den Küstenregionen verlegt.

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NSU-Komplex und AKP-Bullshistic

AK-Parti-Abgeordneter Mustafa Yeneroğlu
Deutschland hat mit der Nicht-Aufklärung des NSU-Komplexes eine große Chance vertan, sagt der türkische Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu im Gespräch mıt dem MiGAZIN. Eine Aufklärung hätte die Menschen emotional ansprechen, ihnen ein Gefühl der Geborgenheit, vermitteln können. Das Gegenteil sei passiert.

MiGAZIN

MiGAZIN: Das Urteil im NSU-Prozess wurde gesprochen. Sie waren persönlich vor Ort. Was waren Ihre Eindrücke?

Mustafa Yeneroğlu: Die gründliche Aufarbeitung des Gerichts zu den Anklagepunkten konkret gegen die Mittäterin Beate Zschäpe fand ich überzeugend. Das Urteil zu Wohlleben ist zu gering ausgefallen. Beide sind meinem Eindruck nach überzeugte Täter ohne jegliche Reue. Dass ein skrupelloser Mann wie Eminger, der meiner Meinung nach Teil der Kernmannschaft der NSU ist, als freier Mann das Gericht verließ, hat mich sehr mitgenommen. Umso schockierender fand ich den Jubel der anwesenden Nazis auf den Urteilsspruch zu ihm. An die 15 Personen saßen schwarz gekleidet, quasi uniformiert im Gerichtssaal und haben keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Unterstützer der Angeklagten sind. Die mangelnde Reaktion des Vorsitzenden Richters auf den Jubel hat mich sehr aufgewühlt und ich musste rausgehen und mich erstmal beruhigen. Dass über einem Jahrzehnt niemand vom NSU wusste, ich schon angesichts derer Fans im Gerichtssaal eine schockierende Erfahrung.

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Meister, Gurus und Heilige – über Autorität und Anleitung im Glauben

Die Evangelische Akademie zu Berlin und das Berliner Forum der Religionen hatten sich für den Abend des 3. Juli einiges vorgenommen. Die Einladung der beiden Veranstalter kündigte an, die Facetten einer Meister-Schüler-Beziehung zu beleuchten und zudem mögliche Machtausübungen oder gar Unterdrückungen in einer Meister-Schüler-Beziehung mit einem interreligiös besetzten Podium zu diskutieren.

Hanna Fülling | EZW

In der Durchführung zeigte sich, dass sich damit ein hoher Anspruch verbindet, der nur teilweise eingelöst werden konnte. So nahm die, in einem solchen Rahmen natürlich grundsätzlich notwendige, Vorstellung und Verständigung über das jeweilige Verständnis der Meister-Schüler-Beziehung so viel Raum ein, dass mögliche Konflikte, die aus einer hierarchisch strukturierten Bindung des Schülers an einen Meister resultieren können, in der Diskussion leider eher zu kurz kamen.

Die Veranstaltung, zu der sich rund 80 Personen in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt versammelten, wurde durch einen Impulsvortrag von der Religionswissenschaftlerin Almut-Barbara Renger eröffnet. Sie entwickelte Überlegungen zur Begriffs- und Ideengeschichte der Meister-Schüler-Beziehung. Dabei erläuterte sie, dass sich das deutsche Wort „Meister“ vom Lateinischen „magister“ ableitet und über das Adverb „magis“ (mehr, stärker) auf das Adjektiv „magnus“ (groß, weit) zurückgeht. Ein Meister wird von seiner Begriffsgeschichte her somit als jemand verstanden, der mehr und größer ist. Unter Rückgriff auf den Soziologen Max Weber deutete Renger dieses „mehr“ als eine außeralltägliche Befähigung, die Weber als Charisma beschreibt.

Auf Grundlage dieser Definition diskutierten Feride Funda G.- Gençaslan (Vorsitzende bei Der Wahre Mensch e.V., Das Sufi-Zentrum Rabbaniyya), Schwester Hannelore Husemann (Franziskanerin und Leiterin des Hospizdienstes TAUWerk) sowie Gerald Seifert (von der japanisch-buddhistischen Organisation Soka Gakkai International-Deutschland) das Meister-Schüler-Verhältnis mit den Moderatoren Eva Harasta und Michael Bäumer sowie mit Frau Renger und dem Publikum. Als eine Gemeinsamkeit der drei Religionsrepräsentanten kristallisierte sich zu Beginn der Diskussion ihr Selbstverständnis als „Schüler“ heraus. Wesentliche Unterschiede wurden jedoch beim Verständnis des Meisters deutlich.

Schwester Hannelore Husemann erläutert, dass sie Jesus Christus als den einzigen Meister betrachtet und versuche, diesen Glauben in ihrem Alltag lebendig zu machen. Gehorsam versteht sie als das genaue Hinhören, um zu erkennen, wo ihr Einsatz gefragt ist. „Charisma“ möchte Schwester Hannelore Husemann nicht als exklusives Merkmal ihres Meisters verstanden wissen, sondern als eine Eigenschaft in jedem Menschen, die zur Geltung gebracht werden müsse.

Feride Funda G.- Gençaslan hebt hingegen hervor, wie wichtig die physische Präsenz des Meisters für ihre Spiritualität ist, da sie durch Spiegelung zu Selbsterkenntnissen gelangen kann. Theologisch grenzt sie den Meister, von Gott und dem Prophetentum ab und erläutert, dass mit dem Ende des Prophetentums durch Mohammed die Zeit der Meister begonnen habe.

Für Gerald Seifert erweist sich die Nähe zum Meister als bedeutend, weil der Meister nicht zweifle bzw. verstehe, seinen Zweifel produktiv zu nutzen. Der Meister bewege sich vornehmlich in Wahrheit und Mitgefühl und ermutige seine Schüler, ihm auf diesem Weg zu folgen. Seifert betrachtet das Meister-Schüler-Verhältnis nicht als ein hierarchisches, da sich Meister und Schüler auf Augenhöhe begegneten.

Almut-Barbara Renger bilanziert, dass sich im religiösen Feld weniger eine Säkularisierung, sondern vielmehr eine Individualisierung von Religion und Spiritualität ereigne. Diese komme auch dadurch zum Ausdruck, dass Meister immer häufiger als Coach, als Berater und Dienstleister betrachtet würden. Diese religionssoziologische Deutung evoziert unter den Diskutanten die Frage nach dem „Guruhopping“, also dem Wechsel der Meister. Mit diesem Begriff kann sich jedoch keiner der Diskutanten identifizieren. Feride Funda G.- Gençaslan erzählt, dass sie bereits mit 14 Jahren ihren Meister gefunden und seither nie an ihrer Zugehörigkeit zu ihm gezweifelt habe. Gerald Seifert schildert, dass er zunächst große Vorbehalte gehabt habe, sich einem Meister anzuschließen und zwar, weil er fürchtete, dies könne ihn einschränken. Er habe aber für sich erkannt, dass sein Meister darum bemüht sei, seine Schüler fordernd zu schützen und sich in ihren Dienst zu stellen.

Die starke Verbindung zum Meister wurde in der Veranstaltung durch die Frage herausgefordert, wie Schüler mit Fehlern und Verfehlungen ihrer Meister umgehen. Schwester Hannelore Husemann bezieht sich in ihrer Antwort nicht auf Jesus, sondern auf Franziskus, der selbst um seine Zweifel und seien Gebrochenheit gewusst habe und keine Perfektion für sich beanspruche. Er habe in seiner Gebrochenheit versucht, sein Leben in die Liebe Gottes zu stellen. Diesem Vorbild folgt auch die Franziskanerin in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch Anteile von einem Heiligen, aber auch von einem Sünder in sich trage.

Diese Auffassung findet sich zudem bei Feride Funda G.- Gençaslan. Sie erläutert, dass auch ein Meister kein perfekter Mensch sei. Heil und Unheil seien jedoch beides Aspekte der einen göttlichen Einheit. Vor diesem Hintergrund können Fehler innerhalb des göttlichen Plans als Wegweiser zu mehr Weisheit interpretiert werden.

Gerald Seifert weist hingegen darauf hin, dass zwar auch ein Meister alle Lebenszustände erfahre, die ein Mensch haben kann, dass er sich aber primär in Mitgefühl und Wahrheit bewege. Bei schweren Fehlern oder gar dem Missbrauch eines Meisters verliere dieser die Meisterschaft. Ein Meister müsse an seinen Handlungen gemessen werden. Allerdings müssten solche Fehler oder Missbräuche eindeutig bewiesen werden.

In der Diskussion über geistliche Autorität und Anleitung in verschiedenen religiösen Traditionen wurde somit versucht, die Komplexität und die Ambivalenzen von Meister-Schüler-Beziehungen interreligiös zu beleuchten und auch die Anfälligkeit für „Machtausübung oder gar Unterdrückung“ zu thematisieren – wie es in der Einladung hieß. Dass dies jedoch nur teilweise gelang und vor allem der letzte Punkt in der Diskussion recht kurz und oberflächlich abgehandelt wurde, kann auf das Veranstaltungsformat selbst zurückgeführt werden. Denn es scheint die Möglichkeiten einer anderthalbstündigen Abendveranstaltung zu überschreiten, ein solch komplexes Phänomen wie die Meister-Schüler-Beziehung sowohl interreligiös vergleichend auszuleuchten als auch kritisch zu erörtern.

Wird eine solche Veranstaltungen aber als Möglichkeit des interreligiösen Austauschs und der Verständigung zwischen Vertretern verschiedener religiöser und spiritueller Traditionen betrachtet, erfüllen sie eine wichtige Funktion für das gesellschaftliche Zusammenleben und zeigen zugleich, dass der interreligiöse Dialog auch in einer Stadt wie Berlin eine wichtige Stimme in der Zivilgesellschaft ist. Eine nächste Gelegenheit diese Stimme zu vernehmen und an dem interreligiösen Austausch zu partizipieren, bietet das zweite Interreligiöse Abendforum, das am 18. September stattfindet und sich Friedensbegriffen aus verschiedenen religiösen Traditionen (Baptismus, Hinduismus, Baha’i) widmet.

AfD in Bayern will Staatskirchenverträge kündigen

© Bild: Jörg Hackemann/Fotolia.com
Das AfD-Programm für die Landtagswahl in Bayern widmet sich ausführlich den Kirchen. Die Partei stellt weitreichende religionspolitische Forderungen und bezeichnet die Kirchen als „besondere Lobbygruppe“.

katholisch.de

Die AfD Bayern hat in ihr Programm zur Landtagswahl im Oktober weitreichende religionspolitische Forderungen aufgenommen. So tritt die Partei für eine strikte Trennung von Staat und Religion nach französischem Vorbild ein. „Die AfD will keine staatliche Förderung von Religionsgemeinschaften“, heißt es in dem am Montag im Internet veröffentlichten 100 Seiten starken Programm. Die Staatskirchenverträge mit der katholischen und evangelischen Kirche müssten „unverzüglich“ gekündigt werden.

Nach dem Willen der AfD soll der Staat nicht länger führende christliche Geistliche besolden. Diese Praxis beruht vor allem auf staatlichen Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert. Diese sogenannten Staatsleistungen müssten umgehend abgelöst werden, so die AfD. Das fordert auch die Linkspartei. Staatliche Zuwendungen soll es nach der AfD künftig nur noch im bisherigen Umfang für die Pflege sakraler Baudenkmäler „als Bestandteil der Kulturgeschichte im Freistaat“ geben.

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Ägypten: Vergoldete Mumienmaske entdeckt

Gesicht aus Silber und Gold, Augen aus Onyx: Ausschnitt der in Sakkara entdeckten Totenmaske © Universität Tübingen / Ramadan B. Hussein
Spektakulärer Fund: Bei Ausgrabungen südlich von Kairo haben Archäologen eine Mumienmaske aus Silber, Gold und Edelsteinen entdeckt – eine absolute Rarität. Der Fund stammt aus der Zeit um 664 bis 604 vor Christus und wurde in der Nekropole von Sakkara entdeckt, wie die Forscher berichten. Die wertvolle Totenmaske lag in einem Holzsarg auf dem Gesicht einer Priestermumie, die in dieser Anlage gefunden worden war.

scinexx

Die Nekropole von Sakkara liegt rund 20 Kilometer südlich von Kairo am westlichen Nilufer. Die Totenstadt gehört zu den größten und am längsten genutzten des alten Ägypten: Schon vor rund 5.000 Jahren wurden hier Tote in speziellen Grabbauten, den sogenannte Mastabas, bestattet. Später diente die Anlage auch als Ruhestätte für mehrere Pharaonen, darunter Haremhab und Djoser. Im Neuen Reich unter Amenophis III begrub man hier viele hohe Beamte und Würdenträger.

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Zwölf neue Monde für den König der Planeten

Das Bild des Magellan-Teleskops Las-Campanas-Observatorium in Chile zeigt den neu entdeckten Mond Valetudo am Planeten Jupiter sowie entfernte Sterne Quelle: dpa
Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems und hat – soweit wir wissen – 79 Monde: Gerade haben Forscher zwölf neue entdeckt. Elf sind den bislang bekannten ziemlich ähnlich. Einer aber ist anders.

DIE WELT

Wissenschaftler aus den USA haben zwölf neue Monde am Planeten Jupiter entdeckt. Das bringe die Gesamtzahl der bekannten Monde des Jupiter auf 79, teilten die Wissenschaftler um Scott Sheppard von der Carnegie Institution for Science mit. Der Jupiter habe mehr Monde als jeder andere Planet in unserem Sonnensystem.

Die Forscher waren mit einem Teleskop in Chile eigentlich auf der Suche nach einem möglichen großen Planeten in den äußersten Weiten des Sonnensystems, als sie im Frühjahr 2017 erstmals auf die Monde stießen. „Jupiter war zufällig nahe der Gegend am Himmel, wo wir gesucht haben“, sagte Wissenschaftler Sheppard. „Also konnten wir dank einem glücklichen Zufall gleichzeitig nach neuen Jupitermonden und nach Planeten am Rande unseres Sonnensystems suchen.“

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Katalonien: Separatisten gründen neue Bewegung

Carles Puigdemont und Quim Torra. – (c) REUTERS (HANNIBAL HANSCHKE)
Kataloniens separatistische Bewegung bleibt kampfeslustig. Nachdem vor wenigen Tagen Zehntausende für die Freilassung mehrerer Regionalpolitiker demonstriert haben, lässt Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont im Exil nicht locker.

Die Presse.com

Zusammen mit Nachfolger Quim Torra hat eine neue politische Bewegung zur Abspaltung der Region von Spanien gestartet. Ziel sei, die Sezessionsbefürworter unter der Dachpartei „Crida National per la República“ (Nationaler Ruf nach der Republik) zu vereinen.

Puigdemont befindet sich derzeit in Deutschland im Exil. Die Justiz in Schleswig-Holstein will ihn wegen des Vorwurfs der Veruntreuung nach Spanien ausliefern, aber nicht wegen Rebellion, dem Hauptvorwurf der spanischen Justiz.

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Brot ist älter als der Ackerbau

Ausgegrabene Feuerstelle in Shubayqa. Bild: Alexis Pantos.
Ein 14.400 Jahre alter Rest stützt eine These, die Archäologen bereits nach dem Fund von Sicheln entwickelt hatten

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der Archäologe Gordon Childe vertrat anhand von Funden in Anatolien die These, dass die Staatenbildung bereits vor dem Ackerbau begann und Untertanen ihre Tribute damals nicht in Form von gezüchteten, sondern von wild wachsenden Lebensmitteln abgeben mussten, die die Herrscher in große Lagern sammelten. Diese Theorie ist weiterhin umstritten – aber nun steht fest, dass das Brot erfunden wurde, bevor es den Ackerbau gab.

In der jordanischen Ausgrabungsstätte Shubayqa fand ein Forscherteam aus Kopenhagen, London und Cambridge nämlich nicht nur Feuerstellen, sondern auch Überreste von Brot, das dort bereits vor 14.400 Jahren gebacken worden sein muss – etwa 4.000 Jahre vor der Zeit, in der der Ackerbau begann. Diese Erkenntnis teilen sie der Welt in ihrem Aufsatz Archaeobotanical evidence reveals the origins of bread 14,400 years ago in northeastern Jordan mit, der in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschien.

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Kretschmann: „Islamunterricht muss kontrollierbar sein“

Baden-Württembergs Ministerpräsident kritisiert, dass viele islamische Verbände keine Religionsgemeinschaften seien Quelle: dpa/Marijan Murat
Anstatt in Hinterhofmoscheen müsse islamischer Religionsunterricht im öffentlichen Raum stattfinden, fordert der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Seine Regierung hat dafür einen Plan vorgelegt.

DIE WELT

Die baden-württembergische Landesregierung will den islamischen Religionsunterricht neu organisieren. Dafür will sie eine Stiftung gründen, die bundesweit einzigartig wäre. „Wir haben Verbände, die meinen, sie seien Religionsgemeinschaften. Das sind sie aber nicht“, erklärte der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ den Hintergrund.

Da es in den islamischen Staaten keine Trennung von Staat und Moschee gebe, „ist der Islam nicht zivilgesellschaftlich institutionalisiert. Deshalb fehlt uns der verbindliche Ansprechpartner“. Deshalb benötige man Provisorien, „damit wir einen Religionsunterricht mit einer provisorischen Trägerschaft anbieten können“, so Kretschmann. Die Verbände, mit denen die baden-württembergische Landesregierung aktuell verhandle, sei türkisch dominiert.

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Konflikte innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union

Bild: ariva.de

Die Quartalschrift „Buddhismus aktuell“ gilt als das profilierteste buddhistische deutschsprachige Magazin und wird von der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) herausgegeben. In der aktuellen Ausgabe 3/2018 kommen interne Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinschaft offen zur Sprache.

Dr. Michael Utsch | EZW

Ein Aufsatz plädiert leidenschaftlich für mehr Toleranz und Mitgefühl im Umgang mit Fremden. Als Negativbeispiel wird namentlich ein deutschsprachiger Dharma-Lehrer genannt, der auf einer Tagung zur „Wehrhaftigkeit gegen den Islam“ aufgerufen habe. Ein anderer Bericht informiert darüber, dass dem Gründer und Leiter einer weiteren großen buddhistischen Gemeinschaft – Shambhala unterhält weltweit mehr als 200 Meditationszentren und ist damit eine der größten buddhistischen Organisationen des Westens – sexueller Missbrauch vorgeworfen werde. Anders als in früheren Fällen informiert die Gruppe und auch die Zeitschrift in dieser Ausgabe zeitnah darüber, dass der Leiter und der Leitungskreis zurücktreten werde und sich die Gemeinschaft neu orientieren müsse. Shambhala hat sofort Konsequenzen gezogen, und auch der Dachverband geht mit diesem aktuellen Vorfall selbstkritischer und transparenter um als mit dem ähnlich gelagerten Rigpa-Skandal im vergangenen Jahr.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Annonce im Anzeigenteil dieser Zeitschrift. Ein Unterstützerkreis wirbt um Spenden für einen buddhistischen Mönch, der seit Jahren kritisch über Missstände, Fehlentwicklungen und sektiererische Tendenzen im Buddhismus auf Webseiten und Blogs informiert. Ein DBU-Mitgliedsverband habe diesem Mönch über einen Anwalt eine Reihe von Abmahnungen zugestellt, um offensichtlich eine unliebsame Stimme durch finanziellen Druck zum Schweigen zu bringen. Weil nun mit Kosten von etwa 20.000 Euro zu rechnen sei, wirbt die Annonce für Spender, die die Aufklärungsarbeit des Mönchs unterstützen.

Die Konflikte zwischen unterschiedlichen buddhistischen Strömungen innerhalb der DBU sind unübersehbar. Vor diesem Hintergrund ist auch eine redaktionelle Notiz besser zu verstehen. Darin werden die Leser darüber informiert, dass nicht wie sonst die Inhalte und Beschlüsse der jährlichen Mitgliederversammlung der DBU in der Zeitschrift veröffentlicht werden, die Ende Mai im Allgäu stattgefunden hat. Als Gründe werden sehr kontroverse Debatten darüber genannt, in welchem Ausmaß in einzelnen DBU-Mitgliedsgemeinschaften Rechtspopulismus, Rassismus und sexuelle Gewalt vorkomme, und wie damit umzugehen sei. Die Mitgliederversammlung solle einen geschützten Raum für Diskussionen bieten, wo niemand befürchten müsse, für einen Wortbeitrag im Nachhinein juristisch belangt werden zu können.

Es ist der DBU zu wünschen, dass sie diesen internen Klärungsprozess entschlossen weiter vorantreibt und sich alle Mitgliedsorganisationen eindeutig von menschenrechtsfeindlichen Positionen distanzieren.

Kretschmann kritisiert türkische Verbände

VON RÜDIGER SOLDT  –  Faz

In Baden-Württemberg ist der Versuch gescheitert, aus Modellprojekten zum islamischen Religionsunterricht ein reguläres Schulfach zu entwickeln. Ministerpräsident Winfried Kretschmann will das Projekt retten – auf einer völlig neuen Grundlage.

 

Nach zwölf Jahren ist in Baden-Württemberg der Versuch gescheitert, aus Modellprojekten zum islamischen Religionsunterricht (IRU) ein reguläres Schulfach zu entwickeln. Vor ein paar Wochen verlängerte die grün-schwarze Landesregierung das Modellprojekt nur noch für das nächste Schuljahr. Im November 2015 hatte die damalige grün-rote Landesregierung noch einen Projektbeirat eingerichtet. Ziel war es, gemeinsam mit islamischen Verbänden Bildungspläne für das neue Fach und eine gemeinsame Trägerschaft zu entwickeln.

Mitglied des Projektbeirates sind vier Verbände: Der türkische Moscheeverband Ditib, der Landesverband der islamischen Kulturzentren (LVIKZ), die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) sowie die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD). Doch die Gespräche verliefen zäh, eine nennenswerte Annäherung blieb aus. „Teile des Projektbeirates bestehen nun darauf, dass mit Ablauf des Modellversuchs dieser in die Trägerschaft der Verbände übergeht. Dies ist weder rechtlich möglich, noch politisch von uns gewollt, da hier auch Verbände beteiligt sind, die wir aufgrund ihrer Nähe zu Ankara kritisch betrachten“, heißt es in einem Beschluss der grünen Landtagsfraktion.

„Uns fehlt der verbindliche Ansprechpartner“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält den islamischen Religionsunterricht weiterhin für ein „wertvolles integrationspolitisches Instrument“, er will aber dem Indoktrinieren der Schüler durch die islamischen Verbände vorbeugen. „Das Problem ist, dass wir keine islamischen Religionsgemeinschaften haben. Wir haben Verbände, die meinen, sie seien Religionsgemeinschaften. Das sind sie aber nicht. Da es in den islamischen Staaten keine Trennung von Staat und Moschee gibt, ist der Islam nicht zivilgesellschaftlich institutionalisiert. Deshalb fehlt uns der verbindliche Ansprechpartner. Wir brauchen Provisorien, damit wir einen Religionsunterricht mit einer provisorischen Trägerschaft anbieten können“, sagte Kretschmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

 

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Die Zahl der Moscheen in Berlin steigt

Großer Zulauf. In Berlin stieg in den vergangenen zwölf Jahren die Zahl der Moscheen und Gebetsräume auf 98.Foto: Mike Wolff
Etwa 250.000 bis 300.000 Muslime leben in der Hauptstadt. Die Vielfalt der Gemeinden nimmt zu. Ihre Gebetsräume liegen aber meist im Westen – und oft in Hinterhöfen, wie eine neue Studie zeigt.

Von Sabine Beikler | DER TAGESSPIEGEL

Die Zahl der Moscheen in Berlin steigt. Wöchentlich wird in 98 islamischen Gebetsräumen und Moscheen in Berlin das Freitagsgebet abgehalten – etwa 20 mehr als noch vor zwölf Jahren. Davon sind sieben Moscheen und 91 zu Gebetsräumen umfunktionierte Räumlichkeiten. „Viele davon befinden sich in Hinterhöfen“, sagte Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus am Montag bei der Vorstellung der Studie „Islamisches Gemeindeleben in Berlin“ im Auftrag der Senatskulturverwaltung. In der Hauptstadt leben schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Muslime, von denen etwa 20 Prozent in Verbänden organisiert sind. Diese Zahlen seien Schätzungen, betonte Mathias Rohe vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa.

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