Konflikte innerhalb der Deutschen Buddhistischen Union


Bild: ariva.de

Die Quartalschrift „Buddhismus aktuell“ gilt als das profilierteste buddhistische deutschsprachige Magazin und wird von der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) herausgegeben. In der aktuellen Ausgabe 3/2018 kommen interne Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinschaft offen zur Sprache.

Dr. Michael Utsch | EZW

Ein Aufsatz plädiert leidenschaftlich für mehr Toleranz und Mitgefühl im Umgang mit Fremden. Als Negativbeispiel wird namentlich ein deutschsprachiger Dharma-Lehrer genannt, der auf einer Tagung zur „Wehrhaftigkeit gegen den Islam“ aufgerufen habe. Ein anderer Bericht informiert darüber, dass dem Gründer und Leiter einer weiteren großen buddhistischen Gemeinschaft – Shambhala unterhält weltweit mehr als 200 Meditationszentren und ist damit eine der größten buddhistischen Organisationen des Westens – sexueller Missbrauch vorgeworfen werde. Anders als in früheren Fällen informiert die Gruppe und auch die Zeitschrift in dieser Ausgabe zeitnah darüber, dass der Leiter und der Leitungskreis zurücktreten werde und sich die Gemeinschaft neu orientieren müsse. Shambhala hat sofort Konsequenzen gezogen, und auch der Dachverband geht mit diesem aktuellen Vorfall selbstkritischer und transparenter um als mit dem ähnlich gelagerten Rigpa-Skandal im vergangenen Jahr.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Annonce im Anzeigenteil dieser Zeitschrift. Ein Unterstützerkreis wirbt um Spenden für einen buddhistischen Mönch, der seit Jahren kritisch über Missstände, Fehlentwicklungen und sektiererische Tendenzen im Buddhismus auf Webseiten und Blogs informiert. Ein DBU-Mitgliedsverband habe diesem Mönch über einen Anwalt eine Reihe von Abmahnungen zugestellt, um offensichtlich eine unliebsame Stimme durch finanziellen Druck zum Schweigen zu bringen. Weil nun mit Kosten von etwa 20.000 Euro zu rechnen sei, wirbt die Annonce für Spender, die die Aufklärungsarbeit des Mönchs unterstützen.

Die Konflikte zwischen unterschiedlichen buddhistischen Strömungen innerhalb der DBU sind unübersehbar. Vor diesem Hintergrund ist auch eine redaktionelle Notiz besser zu verstehen. Darin werden die Leser darüber informiert, dass nicht wie sonst die Inhalte und Beschlüsse der jährlichen Mitgliederversammlung der DBU in der Zeitschrift veröffentlicht werden, die Ende Mai im Allgäu stattgefunden hat. Als Gründe werden sehr kontroverse Debatten darüber genannt, in welchem Ausmaß in einzelnen DBU-Mitgliedsgemeinschaften Rechtspopulismus, Rassismus und sexuelle Gewalt vorkomme, und wie damit umzugehen sei. Die Mitgliederversammlung solle einen geschützten Raum für Diskussionen bieten, wo niemand befürchten müsse, für einen Wortbeitrag im Nachhinein juristisch belangt werden zu können.

Es ist der DBU zu wünschen, dass sie diesen internen Klärungsprozess entschlossen weiter vorantreibt und sich alle Mitgliedsorganisationen eindeutig von menschenrechtsfeindlichen Positionen distanzieren.

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