Erstmals Schadensersatz für ausländischen Sonderschüler


Szene aus dem WDR-Doku: „Für dumm erklärt – Nenads zweite Chance“
Elf Jahre lang musste Nenad M. eine Sonderschule für geistig Behinderte besuchen – obwohl er keine Behinderung hat. Jahrelang kämpfte er für seine Versetzung auf eine normale Schule. Vergeblich. Experten sehen einen Zusammenhang mit seiner ausländischen Herkunft. Jetzt hat ihm ein Gericht Schadensersatz zugesprochen.

Von Claudia Rometsch, Ekrem Şenol | MiGAZIN

Nenad M. strahlt über das ganze Gesicht. „Jetzt bin ich frei“, kommentiert der 21-Jährige das Urteil des Landgerichts Köln (AZ: 5 O 182/16), das ihm am Dienstag Schadensersatz wegen jahrelanger falscher Beschulung auf der Förderschule zusprach. „Es ist ein bisschen das Gefühl wie letzter Schultag.“ Das Wichtigste an der Gerichtsentscheidung sei für ihn die offizielle Bestätigung, dass er nicht geistig behindert ist. „Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, stellt seine Rechtsanwältin Anne Quack fest.

Nenad M. besuchte elf Jahre lang gegen seinen Willen Förderschulen für Kinder mit geistiger Behinderung. Kurz vor seinem 18. Geburtstag hatte er mit Unterstützung des Vereins Mittendrin seinen Wechsel auf eine Berufsschule durchgesetzt und dort seinen Hauptschulabschluss nachgeholt. „Gesunder Menschenverstand hätte ausgereicht, um zu sehen, dass er keine geistige Behinderung hat“, sagt Anwältin Quack.

Wie konnte das passieren?

Doch wie konnte das passieren? Wie konnte ein normal begabtes Kind auf eine Schule für geistig Behinderte zugewiesen werden – und dort elf Jahre lang bleiben? Hat keiner der Sonderpädagogen gemerkt, dass der Junge an dieser Schule falsch war? Hat niemand die Diagnose „geistig behindert“ noch einmal überprüft? Nein!

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