In eigener Sache: Regionale Chemotherapie, unerwünschte Inhalte und schlechte Reputation


Am 27. April 2017 wurde, hier auf dem Blog, ein Artikel der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel Die AfD-Politikerin und das Märchen von der Krebs-Heilung
textlich angerissen und verlinkt. Die Autorin Julia Bergmann hatte diesen Artikel zum Thema geschrieben und die SZ veröffentlicht. Im besagten Artikel ging es um das Medias Klinikum GmbH & Co. KG in Burghausen. Das Klinikum warb u.a. damit, hoffnungslos erkrankten Krebspatienten, mit einer speziellen Krebstherapie, geholfen zu haben. In der Sache wurde von der SZ und Aftonbladet recherchiert und festgestellt, dass einige der als Erfolg gemeldeten Patienten zwischenzeitlich bereits verstorben waren.
Ich erspare mir hier die Wiederholung der, von der SZ, dargestellten Fakten.

Am Donnerstag dem 19. Juli flatterte eine Mail ins Postfach des Blogs. Hier der ungeschönte Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Auftraggeber Medias Klinikum GmbH & Co. KG, vertreten durch Herrn Giuseppe Zavattieri beauftragte yourreputation24.com mit der Verbesserung seiner Online-Reputation. Wir kontaktieren Sie im Auftrag unseres Auftraggebers, da auf Ihrer Webseite unerwünschte Inhalte, bzw. Daten gefunden wurden. Wir verweisen dabei auf die Links:

https://brightsblog.wordpress.com/2017/04/27/die-afd-politikerin-und-das-maerchen-von-der-krebs-heilung/

Schon beim Lesen der ersten Zeilen, ernsthafte Zweifel, „unerwünschte Inhalte, Daten“, letztlich bleibt die Feststellung, dass alle Inhalte im Internet Daten sind, aber unerwünscht? Nimmt man soziale Plattformen ist der Begriff unerwünschter Inhalt recht schnell fixiert, Hassrede, terroristische Propaganda oder Bilder mit Ausbeutung von Kindern, wäre z.B. ein unerwünschter Inhalt bei Facebook. Der Artikel von Julia Bergmann gehört nicht dazu, nicht unerwünscht, sondern gewünscht. Gewünschte Aufklärung zur kritikwürdigen Heilmethoden.
Es geht um „Regionale Chemotherapie.“ Sie ist eine experimentelle Variante der onkologischen Chemotherapie zur Behandlung von Tumoren. In der Fachwelt wird sie allenfalls als Spezialanwendung für einen kleinen Kreis von Patienten angesehen. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum komme die Methode „nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage“.
So weit zur Therapie.

In der Mail wird dann folgendes gefordert:

Der kritische Eintrag befindet sich scheinbar (öffentlich) auf Ihrer Internetseite, wir haben Sie als zuständigen Betreiber (bzw. Hosting-Provider mit der Bitte um Weiterleitung) ermittelt.

Im gegenseitigen Interesse bitten wir Sie nun um Kooperation und Entfernung / Veränderung des benannten Online-Eintrages. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesem Wunsch und der Bitte nachkommen.

Für Ihre Bemühungen bedanken wir uns herzlich. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei etwaigen Rückfragen oder Problemen gerne persönlich als Ihr Ansprechpartner zur Verfügung. Nutzen Sie in diesem Fall aus organisatorischen Gründen bitte möglichst die Textform (Brief, Fax, Mail).

Bitte geben Sie bei allen Antworten und Rückfragen unbedingt das Aktenzeichen (AZ) TC/034886/P2018 an.

Der „kritische Eintrag“ ist nicht nur scheinbar sondern tatsächlich öffentlich und das wird so bleiben. Dieser Blogpost wird weder entfernt noch verändert werden. Zumal es sich nur um eine Verlinkung zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung handelt. Der gesamte Artikel der SZ bliebe online, eine dem Auftraggeber gefällige Veränderung der Aussagen des Artikels wäre Medienmanipulation übler Sorte. Vertrauen und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens erlangt man nicht indem man Daten manipuliert, seinen Ruf durch fragwürdige Methoden aufhübscht. Die Manipulation wäre eh nur von kurzer Dauer und würde der Reputation massiv schaden. Und weil es sich so schön liest und den Kern des Anliegens entspricht:

Reputation kann in der Terminologie Pierre Bourdieus als symbolisches Kapital verstanden werden, eine Ressource, die auf kollektiver Anerkennung des ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals des Reputationsträgers basiert und diesen mit entsprechendem gesellschaftlichem Ansehen sowie „diskursiver Definitionsmacht“ ausstattet.
[…]
Bei Unternehmen zählt Reputation zum immateriellen Vermögen und ist Bestandteil des Firmenwertes wie beispielsweise auch Patente und Markenrechte.
Wikipedia

Wer mit kritikwürdigen Methoden den Marktwert seines Unternehmens schmälert ist selbst schuld. Da gibt es keine Stellschrauben fürs Feintuning. Im industrialisierten Gesundheitswesen entscheidet auch der Patient ob überhaupt und welche Methodik der Behandlung zum Tragen kommt.

Zum Abschluss noch etwas auf den Weg:

Mediale Beachtung in Deutschland fand die RCT im April 2017, als unseriöse Werbemethoden für RCT publik wurden. Karl Reinhard Aigner musste einräumen, als Angestellter des Medias-Klinikums im oberbayrischen Burghausen der privaten Werbeagentur amonpress aus Germering „ein monatliches Pauschalhonorar“ für werbliche Zeitschriftenbeiträge unter dem Deckmantel einer seriösen Berichterstattung gezahlt zu haben. Die Agentur hatte durch die Journalistin Linda Amon positive Berichte zu angeblichen Behandlungserfolgen in deutschen Boulevard-Medien und Frauenzeitschriften verfasst, obwohl die Behandlungsmethode zumindest umstritten ist.Wikipedia

Der Artikel ist sachlich, seriös und durchaus mit entsprechender Distanz verfasst. Verbraucherschutz wie er sein sollte. Manipuliert wird da nix.

Zumal es reichliche Verlinkungen und Veröffentlichungen gibt, nicht nur die Süddeutsche Zeitung, auch FOCUS Online, der Spiegel und bei PSIRAM gibt es zahlreiche Nennungen zur Thematik.

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