Kirche: Schluss mit den Floskeln!


Es gibt Sätze im kirchlichen Bereich, für die man sich beinahe einen neuen Index wünscht – zumindest, wenn sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit verwendet werden.

Theresia Lipp | katholisch.de

Dazu zählt „Die Kirche denkt in Jahrhunderten“, zuletzt gehört als Antwort auf die Frage, wann die neue Einheitsübersetzung aus dem Jahr 2016 vollständig in die liturgischen Bücher übernommen werden wird. Über diesen Satz lacht man beim ersten Mal herzhaft, beim zweiten Mal gelingt vielleicht noch ein müdes Lächeln. Ab dem dritten Mal schleicht sich jedoch der Verdacht ein, dass mithilfe dieser Wendung grundsätzlich niemand erklären muss, warum dieses oder jenes Projekt wieder einmal so lange dauert.

Noch gravierender ist ein anderes Beispiel. Ein Vertreter der Kirche wird von einem engagierten Gemeindemitglied gefragt, wie man mit den Gewalttexten in der Bibel umgehen kann. Antwort: „Da habe ich jetzt kein Patentrezept.“ Die sicher gut gemeinte Intention ist: Der Antwortende will nicht den Anschein erwecken, der Wissende zu sein, der die unwissende Fragestellerin erst einmal informieren muss – bloß keinen Graben bilden zwischen dem weisen Hirten und dem zu belehrenden Schäflein. Und sicher ist diese Zurückhaltung manchmal sogar geboten, etwa bei der Frage nach schwerem Leid.

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