„Religionsfreiheit führt im Ergebnis auch zu Religionsfrieden“

Seit Dienstag findet in Washington eine große internationale Konferenz zum Thema Religionsfreiheit statt. Drei Tage treffen sich Teilnehmer aus 80 Ländern. Nicht mit dabei sind China und Saudi-Arabien, dafür Bahrain und Ungarn. Seit April hat die Bundesrepublik zum ersten Mal einen eigenen Beauftragten für die weltweite Religionsfreiheit: Markus Grübel aus Baden-Württemberg, CDU-Bundestags-Abgeordneter und früherer Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

rbb24

Als Beauftragter für die weltweite Religionsfreiheit hat Markus Grübel drei Aufgaben:

1. Die Lage der weltweiten Religionsfreiheit beobachten.
2. Gespräche mit politisch Verantwortlichen und anderen Akteuren führen.
3. Alle zwei Jahre den Bericht der Bundesregierung zur Lage der Religionsfreiheit fortschreiben.

Davor war er Staatssekretär im Verteidigungsministerium. In beiden Funktionen gehe es um Sicherheit, Frieden, Freiheit und die Verteidigung von Menschenrechten: „Wenn wir schauen, wo es in der Welt Konflikte gibt und wie diese Konflikte entstanden sind – das ist eine Aufgabe für die Sicherheitspolitik wie für die Religion – dann stoßen wir drauf, dass Religionen oft die Ursache sind oder andere Konflikte verstärken. Darum hat beides viel miteinander zu tun.“

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Das gottgefällige Leben des Adnan Oktar

Bild: qantara.de
In der Türkei hat die jüngste Inhaftierung des dubiosen Fernsehpredigers Adnan Oktar für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Erstmals hatte der erklärte Gegner der Evolutionstheorie in den 1990er Jahren als Anführer einer Sekte von sich reden gemacht, die in mehrere Sexskandale verwickelt war.

Von Hakim Khatib | Qantara.de

Am 11. Juli 2018 wurde der Sektenführer und Fernsehprediger Adnan Oktar von der türkischen Polizei verhaftet – gemeinsam mit 234 anderen Personen, die mit ihm in Verbindung gebracht werden. Oktar wird unter anderem wegen Betrugs und sexueller Misshandlungen angeklagt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben.

Nachdem mehrere Betroffene im Alter zwischen elf und vierzig Jahren Klage eingereicht hatten, durchsuchte die Istanbuler Polizei 120 Wohnungen und Büros. Dafür, dass Adnan Oktar gemeinsam mit Dutzenden seiner Anhänger in Istanbul verhaftet wurde, machte er den „britischen Deep State“ verantwortlich.

Wer ist der türkische Fernsehprediger Adnan Oktar?

Als Sektenführer ist Oktar weniger für seine intellektuellen Beiträge bekannt, als für seine Fernsehshows mit Frauen (lit. Harem), aber das ist noch nicht alles: Oktar, der am 2. Februar 1956 im türkischen Ankara geboren wurde, ist ein überzeugter Kreationist und und hat unter dem Namen Harun Yahya (der von seinen Propheten Aaron und Yahya stammt) mehrere abstruse Bücher über Kreationismus und Freimaurerei verfasst.

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Bundeswehr als Söldnerarmee – Jetzt bekommen wir die Quittung

Wenn keiner mehr zur Armee will: Was dann? / picture alliance
Die Deutschen konnten sich der Bundeswehr lange guten Gewissens entziehen. Das könnte sich nun rächen. Denn die Truppe könnte laut Plänen der Regierung zur Söldnerarmee werden und damit zu einem Fremdkörper im Staat

Von Michael Wolffsohn | Cicero

Ist die Bundeswehr auf dem Weg zur Söldnerarmee? Wird sie dann aus Einheimischen und Fremden, zunächst EU-Bürgern, bestehen? Im Bundesverteidigungsministerium wird dies offenbar erwogen. Langfristig mutierte dann die Bundeswehr wahrscheinlich zu einer Mischarmee aus Einheimischen und Söldnern. Das legt die allgemeine Militärgeschichte nahe. Es handelt sich keineswegs um ein deutsches Phänomen. In den meisten demokratischen Staaten (Ausnahme Israel) wurde die Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft. Bei uns 2011 „ausgesetzt“, in Großbritannien 1961 abgeschafft. 1973 in den USA, in Frankreich und Spanien 2001.

Die Militärgeschichte der Menschheit beweist: Menschen (meist Männer) sind nur dann fürs Militär zu gewinnen, wenn sie mit mindestens einer von drei Belohnungen rechnen können: Macht, Geld oder Ansehen.

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Besuch im Kreationismus-Museum: So lief die Weltgeschichte laut Bibel ab

Auf der Arche Noah befanden sich auch Saurier. Da einige Dinosaurier gewaltige Ausmaße hatten, nahm Noah – laut Kreationisten – nur Jungtiere mit. Themenbild.
Neben Dinosauriern, Wachsfiguren und Bibelzitaten hat das Kreationismus-Museum in den USA für historische Tatsachen und Naturwissenschaft keinen Platz gefunden. Aber um Kritik zu hören, ist es sowieso zu laut.

Lauren Ramoser | ze.tt

Ich sitze in einem halbrunden Raum und schaue mir gerade ein Video über die Erschaffung der Welt an. „An Tag sechs hat Gott alle Landtiere geschaffen und auch den Menschen …“ dröhnt es auf Englisch aus Lautsprechern. Außer der sehr tiefen Erzählerstimme ist es still im Raum. Alle anderen Besucher*innen starren gebannt auf den Bildschirm. Vor mir sitzt eine Familie, die sich ehrfürchtig im Arm hält. Als die Projektion endet, steht ein Mann aus der ersten Reihe auf und murmelt: „That was amazing!“

Das ist nur einer von vielen Räumen des Kreationismus-Museums, irgendwo auf einem einsamen Feld im Norden Kentuckys. Zum Zeitpunkt des Videos bin ich noch guter Dinge, bestens von den irrwitzigen Darstellungen unterhalten und nicht ahnend, dass mich der Rundgang noch fast drei Stunden kosten wird. Die Ausstellung präsentiert die Schöpfung der Welt, wie sie in der Bibel wörtlich beschrieben wird. Bibelzitate ersetzen Erklärtafeln und wo selbst die fehlen, gilt Gott als Ultima Ratio.

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Anteil der „Taufscheinkatholiken“ steigt auf über 90 Prozent

Das mit Steuergeld bezahlte Palais des Münchner Erzbischofs von außen. Foto B. Hertz. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Innen sieht es noch sehr viel prächtiger aus.
Der am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Jahresstatistik der 27 katholischen Bistümer in Deutschland nach stieg die Zahl der Kirchenaustritte im letzten Jahr von 162.093 auf 167.504.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Von den verbliebenen 23.311.321 Kirchenmitgliedern gelten inzwischen 90,2 Prozent als so genannte „Taufscheinkatholiken“, weil der Anteil der Gottesdienstbesucher von gut zehn auf jetzt nur mehr 9,8 Prozent zurückging. Dieser Rückgang schlägt sich auch in der Zahl der Pfarreien und der Priester nieder, die von 10.280 auf 10.191 beziehungsweise von 13.856 auf 13.560 sank. Die Zahl der Taufen nahm von 171.531 auf 169.751 ab.

Während sich Alexander Kissler fragt, ob diese Entwicklung wohl ein dem Papst zu verdankender „Bergoglio-Effekt“ oder ein vom Münchner Erzbischof ausgehender „Marx-Malus“ ist, und der Präsident des Zentralkomitees der katholischen Laien konstatiert, es gebe „heute keinen sozialen Druck mehr, Kirchenmitglied zu sein“, sieht der Süddeutsche-Zeitungs-Kommentator Oliver Das Gupta die Kirchen trotz solcher Zahlen „auf dem richtigen Weg“, weil es seiner Ansicht nach „kaum eine Zeit“ gab, in der sie „die Werte des Evangeliums offensiver vertreten haben als in der Gegenwart“.

In Sozialen Medien sehen das viele Nutzer anders und führen als Begründung für ihren eigenen Austritt häufig eine zunehmende Wahrnehmung der Kirchen als Vorfeldorganisation einer Juste-Milieu-Politik an. Besonders viel Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang Ansgar Mayer, der ehemalige Mediendirektor des Erzbistums Köln. Er hatte nach der Bundestagswahl getwittert: „Tschechien, wie wär’s: Wir nehmen Euren Atommüll, ihr nehmt Sachsen?“

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Wissenschaftler: Kirchen brauchen höheren Rang in Suchmaschinen

Image: searchengineland.com/ prep.bb
Der Sozialwissenschaftler Robert Lehmann von der Technischen Hochschule Nürnberg empfiehlt den Kirchen, ihre Beratungsdienste stärker online anzubieten.

evangelisch.de

Derzeit würden beispielsweise Fragen zu Beziehungskrisen eher von Portalen beantwortet, die mit Scheidungen Geld verdienen, sagte Lehmann am Montag in Stuttgart. Als Antwort auf die Internetanfragen Ratsuchender müssten aber seriöse kirchliche Beratungsstellen auf den ersten Plätzen der Suchergebnisse stehen, sagte der Wissenschaftler beim zweiten Forum Digitalisierung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vor 250 Teilnehmern. Lehmann war per Livestream der Veranstaltung zugeschaltet.

Ebenfalls per Video zu sehen war der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July. Er warb für einen kritischen Umgang mit Internet und Computern. Der Prüfstein für Innovationen müsse sein, ob sie dem Menschen dienen.

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US-Außenminister: Religionsfreiheit für Trump-Regierung Top-Thema

Mike Pompeo in „Vatican News“: Bedeutung von Religionsfreiheit auch für Investoren hoch – Schwerer Konflikt mit Türkei

kath.net

In Washington wird bis Donnerstag bei einer großen, vom US-Außenministerium veranstalteten Konferenz das Thema Religionsfreiheit diskutiert. Mehr als 80 Delegationen mit mehr als 40 Außenministern oder deren Vertretern beraten dabei gemeinsam mit religiösen Führungspersönlichkeiten und Vertretern internationaler Organisationen über Religionsfreiheit. Diese weltweit sicherzustellen stelle für die Trump-Regierung eine „absolute Priorität“ dar, so Außenminister Mike Pompeo gegenüber „Vatican News“ (Montag): „Das Ziel dieses Treffens ist es, die Wichtigkeit der Religionsfreiheit für jedes Individuum auf der Erde bekannt zu machen.“

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Unter der Nordsee liegt Doggerland, das Atlantis von Jägern und Sammlern

Das Bild zeigt die rekonstruierte Ausdehnung von Doggerland (a) in der Weichsel-Kaltzeit, vor etwa 115 000 Jahren bis vor etwa 11 600 Jahren; (b) im Alleröd-Interstadial, etwa 11 400 bis 10 730 v. Chr.; (c) im frühen Holozän, ab etwa 9700 v. Chr.; (d) ebenfalls im frühen Holozän, aber bereits mit überschwemmter Landbrücke zwischen Grossbritannien und Kontinentaleuropa und mit Dogger Island als Insel in der Nordsee. (Bild: Europe’s Lost Frontiers, Henry Buglass)
Erst vor gut 8000 Jahren überspülte ein Tsunami endgültig die Landbrücke zwischen Skandinavien und Grossbritannien. Archäologen sind mit einem Spezialschiff unterwegs, um Spuren der ehemaligen Besiedlung zu finden.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Vorschlag für den Plot eines Katastrophenfilms: Die Menschen sehen, wie das Meer immer näher kommt, mehr von ihrer Umgebung frisst. Manche ziehen weg, weiter weg vom Wasser, und arrangieren sich so gut es geht mit den dort bereits Ansässigen. Andere harren aus, sie hoffen, es werde nicht zum Äussersten kommen. Vielleicht ist da auch ein süsses kleines Mädchen, das immer ein Hütchen trägt. Und dann kommt die Welle. Zehn Meter hoch und schneller, als ein Mensch laufen kann. Das letzte Bild des Films wäre eine gespenstisch glatte Wasseroberfläche, auf der ein Hütchen schwimmt …

Filme über den Klimawandel interessieren Sie nicht? Den Plot finden Sie nicht originell, alles schon da gewesen? Sie haben Recht: Es ist alles schon da gewesen, so ungefähr um 6100 vor Christus. Der Meeresspiegel war zuvor nach dem Ende der Eiszeit 11 000 Jahre lang um ein bis zwei Meter pro Jahrhundert gestiegen, dann recht plötzlich um etwa 60 Zentimeter, und dann überspülte ein riesiger Tsunami die Landbrücke zwischen Grossbritannien und dem, was die Briten gerne als «der Kontinent» bezeichnen, bis hinauf nach Skandinavien.

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Mertes: Kirche muss „Anstößigkeit“ des Kreuzes erklären

© Bild: KNA
Das Kreuz wird entweder als Zugehörigkeit zu einer Konfession verharmlost oder kulturkämpferisch instrumentalisiert, sagt Pater Klaus Mertes. Daher müsse die Kirche die wahre Bedeutung wieder neu vermitteln.

katholisch.de

Der Jesuitenpater Klaus Mertes hat die Kirche dazu aufgefordert, die Bedeutung des Kreuzes für den christlichen Glauben neu zu vermitteln. Es müsse stärker erklärt werden, was das Kreuz „so anstößig“ mache, schreibt Mertes in der aktuellen Ausgabe der Kulturzeitschrift „Stimmen der Zeit“. „Warum wäre das Christentum nicht das, was es ist, wenn Jesus statt am Kreuz nach einem erfüllten Leben als alter Mann im Bett gestorben wäre?“, fügt er hinzu.

Gegenwärtig werde das Kreuz entweder „in Talkshows verharmlosend als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Konfession diskutiert, so Mertes. „Oder es wird kulturkämpferisch instrumentalisiert, am sinnenfälligsten wenn es schwarz-rot-gold angestrichen wird, um das Abendland gegen die ‚Islamisierung‘ zu verteidigen.“ Aber in keinem der beiden Fälle werde die Kreuzigung Jesu als der „Skandal“ begriffen, für den ein christlicher Missionar wie Paulus noch ein Gespür gehabt habe.

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„Opfer des Feminismus“: Das Recht der Männer auf Sex

Am 24. April raste ein Mann mit seinem Auto in Toronto in eine Menschenmenge. Vorher bekannte er sich laut Angaben zu der Incel-Bewegung. Foto: afp
Die „Männerrechtsbewegung“ Incel möchte Frauen das Recht absprechen, ihre Sexualpartner frei zu wählen. Der Hass auf Frauen führt aber noch weiter: Im April starben durch einen Anschlag eines Incels zehn Menschen im kanadischen Toronto.

Von Sonja Thomaser | Frankfurter Rundschau

„Wenn du Frauen die Wahl lässt, das ist der Moment, in dem die Gesellschaft beginnt zusammenzubrechen.“ Diese Aussage, gefunden auf Reddit, fasst die Weltsicht der sogenannten Incel-Community zusammen. Diesen Männern geht es um ihr Recht auf Sex mit Frauen – deren Meinung dabei überhaupt keine Rolle spielt.

Manche Männer gehen dabei auch über verbale Entgleisungen und frauenfeindliche Parolen hinaus. In diesem Jahr gab es bereits zwei Amokläufe mit insgesamt zwölf Toten, die mutmaßlich mit der Incel-Bewegung und dem Hass auf Frauen in Zusammenhang stehen.

Die Incel-Community ist ein Zusammenschluss von Männern, die unfreiwillig keinen oder ihrer Meinung nach zu wenig Sex haben. Der Name ist eine Wortschöpfung aus unfreiwillig („involuntary“) und enthaltsam („celibate“) und ist die Selbstbezeichnung der vermutlich überwiegend heterosexuellen Männer, die unter dieser „Ungerechtigkeit“ leiden. Das unfreiwillige Zölibat frustriert sie und macht sie wütend. Und diese Wut entlädt sich auf die ihrer Meinung nach Schuldigen an ihrer Situation: Frauen. Denen sie daher das Recht absprechen wollen, ihre Sexualpartner frei zu wählen.

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