Unter der Nordsee liegt Doggerland, das Atlantis von Jägern und Sammlern


Das Bild zeigt die rekonstruierte Ausdehnung von Doggerland (a) in der Weichsel-Kaltzeit, vor etwa 115 000 Jahren bis vor etwa 11 600 Jahren; (b) im Alleröd-Interstadial, etwa 11 400 bis 10 730 v. Chr.; (c) im frühen Holozän, ab etwa 9700 v. Chr.; (d) ebenfalls im frühen Holozän, aber bereits mit überschwemmter Landbrücke zwischen Grossbritannien und Kontinentaleuropa und mit Dogger Island als Insel in der Nordsee. (Bild: Europe’s Lost Frontiers, Henry Buglass)
Erst vor gut 8000 Jahren überspülte ein Tsunami endgültig die Landbrücke zwischen Skandinavien und Grossbritannien. Archäologen sind mit einem Spezialschiff unterwegs, um Spuren der ehemaligen Besiedlung zu finden.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Vorschlag für den Plot eines Katastrophenfilms: Die Menschen sehen, wie das Meer immer näher kommt, mehr von ihrer Umgebung frisst. Manche ziehen weg, weiter weg vom Wasser, und arrangieren sich so gut es geht mit den dort bereits Ansässigen. Andere harren aus, sie hoffen, es werde nicht zum Äussersten kommen. Vielleicht ist da auch ein süsses kleines Mädchen, das immer ein Hütchen trägt. Und dann kommt die Welle. Zehn Meter hoch und schneller, als ein Mensch laufen kann. Das letzte Bild des Films wäre eine gespenstisch glatte Wasseroberfläche, auf der ein Hütchen schwimmt …

Filme über den Klimawandel interessieren Sie nicht? Den Plot finden Sie nicht originell, alles schon da gewesen? Sie haben Recht: Es ist alles schon da gewesen, so ungefähr um 6100 vor Christus. Der Meeresspiegel war zuvor nach dem Ende der Eiszeit 11 000 Jahre lang um ein bis zwei Meter pro Jahrhundert gestiegen, dann recht plötzlich um etwa 60 Zentimeter, und dann überspülte ein riesiger Tsunami die Landbrücke zwischen Grossbritannien und dem, was die Briten gerne als «der Kontinent» bezeichnen, bis hinauf nach Skandinavien.

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