Religionsphilosoph sieht die Zeit der Volkskirche beendet

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Die Zeit der Volkskirche ist nach Ansicht des Erfurter Religionsphilosophen Eberhard Tiefensee in Westeuropa vorbei. Sie werde die Ausnahme werden, prophezeiht er. Und Christen würden sich weitgehend in einer Diasporasituation befinden.

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Das sagte er im Interview den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Insbesondere für Deutschland sei die Tendenz deutlich, so Tiefensee. Dabei könne man Ost- und Westdeutschland nicht plakativ vergleichen.

Strukturen ändern

Im Osten komme zum westeuropäischen Rückgang der Religion noch die besondere Geschichte. Dass es aber irgendwann überhaupt keine Christen mehr gibt, könne er sich nicht vorstellen. „Selbst der massive Druck der DDR hat nicht dazu geführt, dass die Kirchenstrukturen zusammengebrochen sind oder ganze Gegenden total entkirchlicht waren.“

Die Kirchen werden sich laut Tiefensee angesichts sinkender Mitgliederzahlen „nach innen und außen ganz anders aufstellen müssen“. Die Strukturen könnten nicht aufrecht erhalten werden. Schon jetzt gebe es etwa in Hilfsorganisationen und Krankenhäusern viele Nicht-Christen in Leitungspositionen. „Unsere Hauptaufgabe ist zunächst nicht, Christen zu generieren, sondern in diese Welt einen bestimmten Geist hineinzugeben“, forderte Tiefensee.

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So klingt unsere Sonne

Unsere Sonne schwingt und vibiert – diese solaren Wellen haben NASA-Forscher jetzt in hörbare Schallwellen übersetzt. © NASA/GSFC
Sanftes Summen: Die subtilen Vibrationen unserer Sonne sind jetzt auch für uns hörbar. NASA-Astronomen haben die von Sonnenobservatorien aufgezeichneten niederfrequenten Schwingungen unseres Sterns so aufbereitet und transponiert, dass sie nun als Soundfiles online abrufbar sind. Zu hören ist ein sanftes, nur leicht moduliertes Brummen. Doch gerade die leichten Schwankungen in diesem Summen verraten Forschern einiges über die Vorgänge im Sonneninneren.

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Unsere Sonne bietet Astronomen die beste Möglichkeit, das Wesen und die Mechanismen von Sternen zu erforschen. Daten von Sonnenobservatorien haben bereits enthüllt, wie komplex die Strömungen des Plasmas auf der Sonnenoberfläche und darunter sind, was in Sonnenflecken geschieht und dass der Kern der Sonne überraschend schnell rotiert.

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Frankreich: Radiosender beschwert sich über Bischofspredigt

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Wie viel Lehramt verträgt der öffentlich-rechtliche Rundfunk im laizistischen Frankreich? Offenbar nicht so viel, wie der Erzbischof von Avignon in seiner Predigt zum großen Kulturfestival präsentierte.

katholisch.de

Erzbischof Jean-Pierre Cattenoz von Avignon steht nach einer im Radio übertragenen Predigt in der Kritik. Auch der öffentlich-rechtliche Sender „France Culture“ selbst habe sich bei der französischen Bischofskonferenz über die Ansprache beschwert, berichtete die Zeitung „La Croix“ am Dienstag. In der Predigt am 15. Juli hatte Cattenoz sich klar gegen die Ehe für homosexuelle Paare und Abtreibung positioniert.

Der Erzbischof hatte in der traditionellen Sonntagsmesse anlässlich des alljährlichen Kulturfestivals im südfranzösischen Avignon gepredigt. Dabei hatte er sich mit den Themen Geschlecht und transsexuelle Identität auseinandergesetzt, die in diesem Jahr den Schwerpunkt der Veranstaltung bildeten.

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Hirnstimulation stärkt das Gedächtnis

Gezielte Stromreize im Schlaf können unser Gedächtnis fördern. © Wavebreakmedia/ thinkstock
Doping fürs Gehirn: Eine gezielte Hirnstimulation mit schwachem Wechselstrom kann unser Langzeitgedächtnis stärken – und das im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf. Eine Studie zeigt: Wer nachts „unter Strom“ stand, konnte sich am nächsten Morgen offenbar genauer an Erfahrungen vom Vortag erinnern und meisterte bestimmte Aufgaben daher besser. Dies zeige, dass sich die natürliche Festigung von Erinnerungen im Schlaf mit dieser Methode optimieren lasse, so das Fazit der Forscher.

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Gesunder Schlaf ist lebenswichtig – auch für das Gehirn. In der nächtlichen Ruhephase sortiert unser Denkorgan all jene Dinge, die wir tagsüber erlebt haben. Wichtige neue Erkenntnisse wie Vokabeln, Namen und Fakten werden jetzt vom Kurzzeitspeicher im Hippocampus ins Langzeitgedächtnis im Neocortex befördert.

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Kommission fordert konsequentes Vorgehen gegen pädophile Bischöfe

Der Vorsitzende der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O’Malley, fordert ein entschiedeneres Vorgehen gegen Missbrauchsfälle, an denen Bischöfe und Kardinäle beteiligt sind.

evangelisch.de

Unter Anspielung auf den Fall des emeritierten Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick mahnte O’Malley, derartige Vorwürfe rasch aufzuklären, wie der Nachrichtendienst Vatican Insider am Mittwoch meldete.

McCarrick soll einen Priesteramtskandidaten und einen Minderjährigen missbraucht haben. Nach Bekanntwerden des Vorwurfs untersagte Papst Franziskus dem Geistlichen, öffentlich priesterliche Aufgaben wahrzunehmen.

„Diese und andere Fälle erfordern mehr als Entschuldigungen“, betonte der Vorsitzende der Kinderschutzkommission und Erzbischof von Boston.

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Dogmatiker: Benedikt XVI. schreibt Antijudaismus fort

Bild: brightsblog
Die Kritik am neuen Aufsatz von Joseph Ratzinger über das Verhältnis zum Judentum hält an. Nun meldet sich auch der Wuppertaler Dogmatiker Michael Böhnke zu Wort – mit einer Generalabrechnung mit dem emeritierten Papst.

katholisch.de

Der Wuppertaler Dogmatiker Michael Böhnke hat den neuen Aufsatz von Joseph Ratzinger zur Theologie des Judentums mit scharfen Worten kritisiert. In der im Münsteraner Forum für Theologie und Kirche veröffentlichten Stellungnahme wirft er dem emeritierten Papst vor, er würde „den durch Nostra aetate 4 überwunden geglaubten Antijudaismus – trotz aller Beteuerungen des Gegenteils – christologisch nur fortschreiben und zementieren“.

Die Veröffentlichung des Textes durch den Präsidenten der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Kurt Koch, räume mit „drei Legenden“ auf, so Böhnke.

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Am Südpol des Mars ruht ein unterirdischer See

Künstlerische Darstellung des Mars mit der Sonde Mars Express (rechts). In der unteren Bildhälfte ist ein Schnitt durch die nun veröffentlichten Radardaten vom Südpol des Mars dargestellt. Die unterste, helle Linie zeigt die Radioechos der Marsoberfläche, darüber folgen weniger stark ausgeprägte Linien, die den Reflexionen an tiefer liegenden Eis- und Gesteinsschichten entsprechen. Die Radioechos der Schicht mit Wasservorkommen sind blau markiert. (Bild: ESA, INAF. Illustration: Davide Coero Borga, INAF)
Mithilfe der europäischen Sonde Mars Express haben italienische Planetologen ein Reservoir flüssigen Wassers unter der Marsoberfläche entdeckt. Der Mars-See soll eine Ausdehnung von 20 Kilometern haben.

Thorsten Dambeck | Neue Zürcher Zeitung

Vor rund einem Jahrhundert vermuteten Wissenschafter, der Mars sei von einer globalen Dürre geplagt und die letzten Gewässer weitgehend verdunstet. Deshalb würden verzweifelte Marsianer Schmelzwasser in Kanälen von den vereisten Polen zum Äquator schleusen. So erklärte man sich die schnurgeraden Linien, welche Astronomen auf dem Planeten ausgemacht hatten. Heute ist klar, dass die «Marskanäle» keine Wasserstrassen sind, sondern nur auf einer optischen Täuschung beruhten. Die Idee polarer Wasservorkommen hingegen kommt der Wirklichkeit beachtlich nah. Dies legt eine Analyse von Messungen nahe, welche die Raumsonde Mars Express durchgeführt hat und die heute im Fachmagazin «Science» erscheint.

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Heilpraktiker angeklagt: 61-Jährige soll gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein Heilpraktiker aus dem niederrheinischen Brüggen muss sich wegen des Todes von drei Krebspatienten vor dem Landgericht in Krefeld verantworten.

Von Sara Pichireddu | Kölner Stadt-Anzeiger

In seinem „Biologischen Krebszentrum“ hatte er sogenannte alternative Behandlungsmethoden für Krebspatienten angeboten, die sich keiner Chemotherapie unterziehen wollten.

Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung geprüft und zur Verhandlung zugelassen, sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag. Termine stünden noch nicht fest.

Der 61 Jahre alte Angeklagte muss sich darüber hinaus wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Der Heilpraktiker hatte den schwerkranken Patienten laut Anklage eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht, weil er für die Herstellung eine Waage benutzt habe, die für solche Kleinstmengen ungeeignet gewesen sei. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben.

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70 Jahre UN-Erklärung: Menschenrechte contra Islam?

Teilnehmer einer Mahnwache in Berlin berufen sich auf die Arabische Charta der Menschenrechte von 2004 (imago stock&people)
Die 1948 beschlossene Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde von Beginn an kritisiert: Sie würde nur westliche Werte berücksichtigen. Islamische Staaten verabschiedeten deshalb eine eigene Erklärung. Die orientiert sich an der Scharia – ohne zu sagen, was damit genau gemeint ist.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Von bis Ägypten bis Australien, von Panama bis zu den Philippinen: Was dabei herauskommt, wenn diese Staaten darüber streiten, was die Menschenrechte sind? Sätze wie dieser:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, beschlossen 1948 – vor 70 Jahren – von den Vereinten Nationen. 18 Staaten wirken damals mit in der UN-Menschrechtskommission unter der Leitung von Eleanor Roosevelt, der ehemaligen First Lady der USA. Einig sind sich die 18 Staaten nur selten. Und so verwundert es nicht, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte praktisch von Beginn an mit dem Vorwurf konfrontiert ist: Sie sei gar nicht allgemein, sondern westlich, christlich, eurozentrisch.

„Nein. Also dieser Vorwurf stimmt überhaupt nicht.“

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EuGH zu Gen-Schere: Ein Urteil wider die Vernunft

foto: dpa/boris roessler Der Europäische Gerichtshof (EuGH) bestärkte die zentraleuropäische Grundhaltung, lieber nichts am Status quo zu ändern.
Der Europäische Gerichtshof zeigt sich gegenüber der Gen-Schere zukunftsvergessen

Peter Illetschko | derStandard.at

Sobald es ums Essen geht, werden die Menschen komisch: Mit diesem Satz wurde kürzlich der Pflanzenforscher Götz Hensel zitiert. Er beklagte damit nicht die ewigen Diskussionen zwischen Veganern und Fleischessern, er hatte eine andere fast religiös anmutende Diskussion im Fokus, jene über Nahrungsmittel und ihre Herstellung mit CRISPR/Cas9. Da fehle die Balance und wohl auch das Wissen darüber, was man mit dem als Gen-Schere berühmt gewordenen Werkzeug in der Landwirtschaft bewirken kann. Kurz zusammengefasst, würde man mit CRISPR/Cas9 eine wünschenswerte Mutation einer Pflanze erreichen, zum Beispiel Anbauprodukte resistent gegenüber bestimmten Keimen und möglicherweise sogar gesünder in ihrer Verarbeitung machen. Angesichts von Prognosen hinsichtlich einer explodierenden Weltbevölkerung war man der Hoffnung, mit der Gen-Schere Ansätze zu finden, um Ernährungsprobleme in den Griff zu bekommen – bei allen Bedenken, die man sich natürlich noch genau anschauen müsste.

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