Weibliche Genitalverstümmelung: „Unendlich starke Schmerzen, die Mädchen sind meist nicht betäubt“


Mit solchen Geräten werden Mädchen bei der Genitalverstümmelung unvorstellbare Schmerzen zugefügt – die vielfachen Schäden begleiten die Opfer ein Leben lang Quelle: YASUYOSHI CHIBA/AFP/Getty Images
In Deutschland sind 65.000 Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen, Tendenz steigend. Nicht nur infolge der Zuwanderung: Das barbarische Ritual wird auch in Europa praktiziert, warnt Charlotte Weil von Terre des Femmes.

Von Kaja Klapsa | DIE WELT

WELT: Frau Weil, warum leben in Deutschland immer mehr genitalverstümmelte Frauen und Mädchen?

Charlotte Weil: Seit 2015 sind viele Menschen nach Deutschland geflüchtet, in deren Herkunftsland Genitalverstümmelung sehr stark praktiziert wird. Zum Beispiel aus Eritrea, Somalia oder dem Irak. Die Frauen, die zu uns kommen, sind in der Regel schon betroffen. Bei den Töchtern steht es oft noch an. Einige werden schon im Säuglingsalter beschnitten, andere erst beim Eintritt in die Pubertät. Meistens verreisen die Familien in den Ferien für die Beschneidung.

WELT: Wohin?

Weil: Einige fahren in ihre Herkunftsländer, zum Beispiel in den Senegal oder nach Gambia. Ansonsten weichen sie auf andere europäische Städte aus, am häufigsten auf Paris, zuletzt wohl auch auf Amsterdam. Dort gibt es eine sehr große afrikanische Diaspora. Diese lädt dann eine Beschneiderin aus dem Herkunftsland ein, zum Beispiel für zwei Monate. Und dann fahren Familien aus Deutschland hin, um die Töchter verstümmeln zu lassen. Die Communitys sind europaweit sehr gut untereinander vernetzt.

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