Emmanuelle Charpentier: „Dieses Urteil wird Crispr nicht aufhalten“


Emmanuelle Charpentier betreibt in Berlin Grundlagenforschung zur Genschere. Sie entwickelte mit Jennifer Doudna aus den USA die Methode Crispr/Cas9, nachdem sie an Bakterien beobachtet hatte, wie diese ihr Erbgut reparieren. © Hallbauer & Fioretti
Vor dem Gesetz bleibt Gentechnik eben Gentechnik, sagt der Europäische Gerichtshof. Die Erfinderin der Crispr-Technik sieht es gelassen.

Interview: Dagny Lüdemann | ZEIT ONLINE

Was sie entdeckte, gilt als nobelpreisverdächtig. Es wird das Leben vieler verändern. 2011 veröffentlichte Emmanuelle Charpentier erste bahnbrechende Grundlagen zur Crispr/Cas9-Methode, mit denen sie eine Genschere entwickelte. Damit lässt sich Erbgut ausschneiden, verändern und wieder in ein Lebewesen einbauen. Schon heute ist die Methode das meistgenutzte Gentechnik-Werkzeug der Welt. ZEIT ONLINE hat die Mikrobiologin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin getroffen, an dem sie seit drei Jahren als Direktorin forscht.

ZEIT ONLINE: Frau Charpentier, noch einmal für alle: Was haben Sie genau entdeckt?

Emmanuelle Charpentier: Dass Bakterien der Art Streptococcus pyogenes eine Art Superkraft besitzen. Diese Keime, die bei Menschen zum Beispiel zu Scharlach oder Halsentzündungen führen, können sich gegen Angriffe von Viren zu Wehr setzen. Und zwar, indem sie ein Stück des fremden Erbguts in ihren DNA-Strang einfügen. Bei einem erneuten Virenangriff erkennt das Bakterium das virale Erbgut und kann es gezielt zerschneiden.

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