Delfinfleisch statt Fisch in armen Ländern immer beliebter

Japanische Fischer mit toten Delfinen Quelle: dpa/Sea Shepherd Conservation
Mit Harpunen, Macheten oder gar mit Dynamit: Zehntausende Delfine und Kleinwale werden weltweit getötet. Sie dienen unter anderem als Köder für den Fischfang. Tierschützer sprechen von einer „Bibliothek des Grauens“.

DIE WELT

Rund 100.000 Delfine und Kleinwale werden weltweit nach Schätzungen von Tierschützern pro Jahr getötet. Das schreiben die Organisationen Animal Welfare Institute, Whale and Dolphin Conservation und Pro Wildlife in einem Bericht. Das sei mehr als bisher angenommen. Für ihren Report werteten die Tierschützer mehr als 300 wissenschaftliche Studien sowie Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus. Sie sprechen von einer „Bibliothek des Grauens“.

Als Hauptgründe für die Zunahme der Jagd gelten demnach: Delfine werden in armen Ländern zunehmend verzehrt, obwohl sich in ihnen Schadstoffe ansammeln könnten. Und sie werden als Köder für Fische benutzt, die wegen der Überfischung immer seltener anbeißen. Die Jagden seien in vielen Ländern unreguliert, in anderen auch illegal. Ihre Folgen seien meist nicht bekannt und schwer abzuschätzen, schreiben die Tierschützer.

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Gesetzliche Krankenkassen: Geld für Globuli, aber nicht für Brillen

Kügelchen fürs Wohlbefinden. Im Wettbewerb erstatten viele Kassen auch Kosten für fragwürdige Medizin.Foto: Frank Rumpenhorst dpa
Die Krankenkassen geben immer mehr Geld für Werbung und medizinisch fragwürdige Leistungen aus. Das Gesundheitsministerium findet Beschränkungen aber „nicht sachgerecht“.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Warum dürfen gesetzliche Krankenkassen ihren Kunden medizinisch fragwürdige Leistungen wie Homöopathie oder Säuglings-Osteopathie bezahlen, ihnen aber beim Kauf von Brillen oder Zahnersatz nicht stärker unter die Arme greifen? Weshalb ist es ihnen erlaubt, immer höhere Millionenbeträge für Werbung auszugeben? Ist es in einem solidarischen System hinnehmbar, dass sich die Versicherer mit ihren freiwilligen Leistungen vor allem an den Bedürfnissen von jungen, gutverdienenden Kunden orientieren und fast gar nicht am Bedarf von Älteren und sozial Benachteiligten? Und müssten Versicherte nicht auch besser über Qualitätsunterschiede der Kassen informiert werden?

Mit diesen Fragen hat sich jetzt nicht nur die Linkspartei ans Gesundheitsministerium gewandt. Sie standen bereits im Zentrum einer kritischen Bestandsaufnahme durch das Bundesversicherungsamt (BVA). Beim Wettbewerb der Kassen stehe oft nicht eine bessere Versorgung der Versicherten im Vordergrund, sondern „Marktbehauptung“, schrieb BVA-Präsident Frank Plate im April dieses Jahres.

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Quallen willkommen

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD
Quallen sind ansehnliche Tiere, aber wenig nützlich. Sie vermiesen den Strandurlaub und legen Kraftwerke lahm. Forscher wollen der Plage nun etwas Gutes abgewinnen.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Den Walen geht es schlecht, den Schildkröten geht es schlecht und den Korallen sowieso. Nur den Quallen scheint es immer besser zu gehen. Die ersten Meldungen über ein massenhaftes Auftreten von Medusen kamen um die Jahrtausendwende aus Japan: Riesige Quallenschwärme, die sich in Fischernetzen verfangen, den Fang erdrücken oder durch ihren Schleim ungenießbar machen; Medusen, die mit dem Wasser in Kühlsysteme von Atomkraftwerken gesaugt werden und dort einen „Quallen-Blackout“ verursachen. Nicht zu vergessen die albtraumhafte Nomura-Qualle, groß wie ein Schrank, die allein durch ihr Gewicht Boote zum Kentern bringt.

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Die Folgen der Enzyklika Humanae Vitae

Paul VI. 1971 mit dem damaligen ugandischen Staatschef Milton Obote. Foto: Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, bekijk toegang 2.24.01.04, Bestanddeelnummer 924-2059. Lizenz: CC BY-SA 3.0/nl
Die Bevölkerungsexplosion in zahlreichen afrikanischen Staaten hängt damit zusammen, dass sich die katholische Kirche sehr eindeutig gegen die Empfängnisverhütung ausgesprochen hat

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Während die katholische Kirche in Deutschland ebenso wie ihre protestantischen Schwestern im täglichen Leben der meisten Einwohner nur noch eine eher marginale Bedeutung hat und der Osten Deutschlands als die mit Abstand gottesfernste Region der Welt gilt, blüht das Christentum in der afrikanischen Mission geradezu auf. Und das verblüffender Weise zumeist in einer Form, die man in Europa mit dem 2. Vatikanischen Konzil glaubte überwunden zu haben.

Unter Papst Johannes XXIII begann man mit dem von 1962-65 im Petersdom in Rom abgehaltenen Vatikanum II die Furche, in welche der Glaube fällt, ein wenig zu vertiefen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass es zu Beginn der 1960er-Jahre einem Kleriker noch verboten war, ein Fußballstadion oder ein Kino zu besuchen oder mit einer Frau in einem Auto zu fahren, selbst wenn es sich dabei um die eigene Mutter oder Schwester handelte.

Die Konzilsväter begannen den Dialog mit Glaubenden wie mit Nicht-Glaubenden. Nach dem Tod des unter dem Namen Angelo Giuseppe Roncalli geborenen 261. Papst im Jahre 1963 wurde das Konzil unter seinem Nachfolger Paul VI. fortgesetzt. Dass die Liturgie reformiert wurde und die Messen in der Sprache der Gläubigen gelesen wurde und meist nicht mehr lateinisch, galt vielen als Aufbruch in eine neue Zeit.

Dazu zählte auch dass nun der Priester die Messe mit dem Blick zum Volk zelebrierte. Traditionalisten waren von den Veränderungen nicht so angetan und argumentierten hinsichtlich der Zuwendung des Priesters zu den Gläubigen damit, dass er Gott nun den Rücken zuwenden würde. Zu den Errungenschaften des Vatikanum II zählte damals auch das Dekret über den Ökumenismus und die Religionsfreiheit. Doch die Erneuerungsbewegung bekam schon bald deutlichen Gegenwind. Mit der Enzyklika Humanae Vitae schwang das Pendel dann auch wieder deutlich zurück.

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Die 68er-Bewegung und die christlichen Kirchen

Die Kirche stand nicht im Fokus der revoltierenden Studenten der 1960er-Jahre. Berührungspunkte gab es dennoch. Zum Beispiel, wenn die Protestierenden den Weihnachtsgottesdienst störten oder Demonstranten ein Kreuz vor sich her trugen.

Julia Lauer | evangelisch.de

Plakate von Karl Marx, Che Guevara, Mao Tse-tung oder auch Ho Chi Minh: Fotos von den Demonstrationen aus dem Jahr 1968 zeigen, wessen Ideen für die revoltierenden Studenten zählten. Die von Jesus Christus offenbar nicht. Von seinem Konterfei fehlt auf den Bildern jede Spur. „Dabei hätte Jesus in seiner revolutionären Lesart gut zu ihnen gepasst“, findet der Historiker Philipp Gassert von der Universität Mannheim. „Aber in den späten 1960er-Jahren hatte keiner die Idee, da mit Jesus zu kommen – Religion wurde als Gegenstück zum Sozialismus empfunden.“

Schon zehn Jahre später hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, ist der Professor für Zeitgeschichte überzeugt: Immer mehr Kolonien waren bis dahin unabhängig geworden, die sozialistisch inspirierte Befreiungstheologie, die die Armen zum Ausgangspunkt macht, zog weite Kreise. Auch in den Studentengemeinden der theologischen Fakultäten zwischen Kiel und München wurde die Bibel durch die marxistische Brille gelesen.

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Flüchtlingszahlen: Spanien fordert europäische Lösung

Bild: tagesschau.de
Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg von Afrika nach Spanien. Die Regierung bemüht sich, sie zu versorgen. Sie macht aber auch klar, dass eine europäische Lösung her muss.

Von Oliver Neuroth | tagesschau.de

Ein Schlauchboot mit gut 30 afrikanischen Migranten an Bord kommt an einem Strand an. Innerhalb weniger Sekunden springen die Menschen an Land und verschwinden in den Dünen. Urlauber schauen sich das Ganze verdutzt an.

Das sind Szenen, die sich seit einigen Tagen immer wieder an der südspanischen Küste abspielen. Im Schnitt erreichen 700 Migranten täglich das Land. In den meisten Fällen stoppt die spanische Seenotrettung die Boote einige Kilometer vor der Küste und nimmt die Flüchtlinge an Bord ihrer Schiffe.

In den andalusischen Häfen kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes und der örtlichen Behörden um die Menschen. Von der spanischen Zentralregierung heißt es: Man habe die Situation absolut unter Kontrolle, investiere bis Ende des Jahren 30 Millionen Euro in die Soforthilfe.

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Ciprofloxacin: Gefahr für die Aorta?

Schadet Ciprofloxacin auch dem wichtigsten Blutgefäß unseres Körpers? © Yodiyim/ istock
Arznei mit dunkler Seite: Das umstrittene Antibiotikum Ciprofloxacin kann womöglich auch der Herzgesundheit schaden. Eine Studie mit Mäusen deutet daraufhin, dass das Medikament die Entstehung lebensgefährlicher Risse in der Gefäßwand der Aorta fördert – vor allem, wenn die Hauptschlagader bereits vorgeschädigt ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Sicherheit dieses Antibiotikums infrage gestellt wird.

scinexx

Antibiotika können Leben retten. Doch viele dieser Medikamente haben auch Nebenwirkungen – unerwünschte Begleiterscheinungen, die die Gesundheit der Patienten mitunter ernsthaft gefährden können. Ein in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren vermehrt in die Kritik geratenes Mittel ist das Breitbandantibiotikum Ciprofloxacin aus der Gruppe der Fluorchinolone.

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Über angemessene Bekleidung in Gotteshäusern: Tücher am Domportal

Themenbild
Schulterfrei, Kopfbedeckungen – zum Teil sogar Unterwäsche. Besucher des Kölner Doms tragen oft nicht die Kleidung, die der Würde des Gotteshauses entspricht. Tücher sind die neue Lösung, um allen den Eintritt zu gewähren.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Bei dem Wetter im Moment kleidet man sich in der Regel ein bisschen anders als bei 24 Grad. An den Eingängen der Kölner Kathedrale, die ja nicht nur für Gläubige und Gottesdienstbesucher interessant ist, kommt es in diesen Tagen daher häufiger zu Irritationen.

Matthias Deml (Pressereferent der Dombauhütte Köln): Ja, am Eingang stehen ja schon seit über einem Jahr immer ein Schweizer und ein Sicherheitsmann. Die achten natürlich im Besonderen darauf, dass sich die Leute an die Regeln, die im Dom herrschen, halten. Zum Beispiel sind keine großen Gepäckstücke erlaubt und es gibt eben auch eine Kleiderordnung. Das heißt, die Herren werden gebeten, die Kopfbedeckung abzunehmen. Und es ist natürlich auch darauf zu achten, dass die Schultern oder der Bauch nicht frei sind. Die sollten bedeckt sein und es sollte keine Unterwäsche sichtbar sein. Bisher musste man die Leute wegschicken, wenn sie der Kleiderordnung nicht entsprochen haben.

DOMRADIO.DE: Kommt so etwas oft vor?

Deml: Ja, bei Temperaturen über 30 Grad sind natürlich sehr viele Touristen sehr leicht bekleidet und dann kommt das sehr oft vor.

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Erdoğan kehrt Washington den Rücken

Trump droht der Türkei mit harten Sanktionen. – REUTERS
Eine Konfrontation zwischen dem türkischen Präsidenten und Donald Trump eskaliert. Erdoğan verkündete einen Syrien-Gipfel mit Deutschland, Frankreich und Russland. Die USA lädt er nicht ein.

Von Susanne Güsten | Die Presse.com

Ein heftiger Streit mit den USA lässt die Türkei verstärkt die Nähe zu Europa und Russland suchen. Am 7. September sollen sich Spitzenvertreter der Türkei, Russlands, Deutschlands und Frankreichs unter Ausschluss der USA in Istanbul treffen, um über die Zukunft Syriens zu reden. Das kündigte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, jetzt an. Laut Medienberichten bereitet er – ebenfalls für September – einen Staatsbesuch in der Bundesrepublik vor. Gleichzeitig eskaliert eine Konfrontation Erdoğans mit US-Präsident Donald Trump.

In Syrien gilt die unmittelbare Sorge Ankaras der Provinz Idlib an der türkischen Südgrenze. Dort haben sich in den vergangenen Monaten Zehntausende islamistische Kämpfer mit ihren Familien in Sicherheit gebracht, nachdem sie von Russland und syrischen Regierungstruppen aus anderen Landesteilen vertrieben worden sind. Nach der jüngsten Regierungsoffensive im Südwesten Syriens befürchtet Erdoğans Regierung einen baldigen Angriff in Idlib – was nach Einschätzung Ankaras eine neue Fluchtwelle von bis zu 3,5 Millionen Menschen in Richtung Türkei auslösen könnte.

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„Der Papst nimmt die Strafmöglichkeiten sehr ernst“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Wegen Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs wurde Theodore McCarrick aus dem Kardinalsstand entlassen. So denkt der Vatikan-Kinderschutzexperte Hans Zollner über diesen historischen Schritt.

Stefanie Stahlhofen | katholisch.de

Frage: Pater Zollner, welches Zeichen hat der Papst mit dieser Entlassung aus dem Kardinalsstand gesetzt?

Zollner: Der Papst setzt ein sehr klares Zeichen, dass niemand vom normalen Verlauf der kirchlichen Gerichtsbarkeit ausgeschlossen ist, dass keine Anschuldigungen unterdrückt oder vertuscht werden. Jeder muss sich der Verantwortung stellen, in diesem Fall ein Kardinal, der frühere Erzbischof von Washington, also ein Vertreter der höchsten Stufe der priesterlichen und bischöflichen Hierarchie. Das zeigt, dass Papst Franziskus die kirchlichen Strafmöglichkeiten sehr ernst nimmt und es um Transparenz auf allen Ebenen geht. Der Rücktritt McCarricks ist die Konsequenz dessen, dass die rechtlichen Normen tatsächlich greifen und eingehalten werden und dass Leute sich mittlerweile auch bestärkt fühlen, diese Dinge öffentlich zu machen. Das war vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht so.

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