Die 68er-Bewegung und die christlichen Kirchen


Die Kirche stand nicht im Fokus der revoltierenden Studenten der 1960er-Jahre. Berührungspunkte gab es dennoch. Zum Beispiel, wenn die Protestierenden den Weihnachtsgottesdienst störten oder Demonstranten ein Kreuz vor sich her trugen.

Julia Lauer | evangelisch.de

Plakate von Karl Marx, Che Guevara, Mao Tse-tung oder auch Ho Chi Minh: Fotos von den Demonstrationen aus dem Jahr 1968 zeigen, wessen Ideen für die revoltierenden Studenten zählten. Die von Jesus Christus offenbar nicht. Von seinem Konterfei fehlt auf den Bildern jede Spur. „Dabei hätte Jesus in seiner revolutionären Lesart gut zu ihnen gepasst“, findet der Historiker Philipp Gassert von der Universität Mannheim. „Aber in den späten 1960er-Jahren hatte keiner die Idee, da mit Jesus zu kommen – Religion wurde als Gegenstück zum Sozialismus empfunden.“

Schon zehn Jahre später hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, ist der Professor für Zeitgeschichte überzeugt: Immer mehr Kolonien waren bis dahin unabhängig geworden, die sozialistisch inspirierte Befreiungstheologie, die die Armen zum Ausgangspunkt macht, zog weite Kreise. Auch in den Studentengemeinden der theologischen Fakultäten zwischen Kiel und München wurde die Bibel durch die marxistische Brille gelesen.

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