Erst retten, dann fragen


Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus „Report Mainz“

Seit einem Jahr darf die „Iuventa“ im Mittelmeer keine Flüchtlinge mehr retten. Der Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern. Aber das sei Quatsch, sagt Kapitän Jonas Buja. „Wir sind wie die Feuerwehr. Die fragt auch nicht erst, warum etwas brennt.“

Jörg Nielsen | evangelisch.de

Das Bild der beiden toten jungen Frauen geht Jonas Buja nicht aus dem Sinn. Gleich am zweiten Tag seiner ersten Rettungsmission an Bord der „Iuventa“ vor der libyschen Küste konnte die Crew die beiden Flüchtlinge nur noch tot aus einem völlig überladenen Schlauchboot bergen. „Da habe ich gedacht, was machst du hier eigentlich? Das ist doch alles Sch…“, sagt der 26-Jährige. Doch dann habe er sich umgedreht und in das Gesicht eines jungen Mannes geblickt, der noch vor wenigen Minuten in dem selben Schlauchboot um sein Leben bangte und ihn nun freudig anstrahlte. „Da war mit klar, ich tue das Richtige, ich rette hier Menschen vor dem sicheren Ertrinken.“

Zwischen 2016 und Mitte 2017 war der nautische Offizier aus Leer in Ostfriesland fünfmal als Freiwilliger auf der „Iuventa“ im Mittelmeer im Einsatz, dreimal als Erster Offizier, zweimal als Kapitän. „Das war eine harte Zeit mit sehr wenig Schlaf“, sagt Buja. Der evangelische Kirchenvorsteher bezieht seine Motivation für den strapaziösen Einsatz aus seinem christlichen Glauben: „Als Gottes Geschöpf hat jeder ein Recht darauf, gerettet zu werden – auch schiffbrüchige Flüchtlinge.“

weiterlesen