Türkei: Atheistinnen mit Kopftuch


Manche Türkinnen verschleiern mit dem Kopftuch ihren Unglauben (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan treibt die Islamisierung seines Landes voran. Schwierig ist die Situation für Atheisten: Sie erleben Anfeindungen und Repressalien. „Deshalb tun manche Atheisten so, als wären sie religiös“, sagte der Islamwissenschaftler Pierre Hecker im DLF.

Pierre Hecker im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Jahrzehntelang galt in der Türkei der Grundsatz: Religion ist Privatsache. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte den Laizismus als Verfassungsprinzip etabliert und alles Religiöse und Islamische weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das war für ihn der Inbegriff einer modernen Türkei.

Seit einigen Jahren allerdings erlebt das Land eine Re-Islamisierung. Von einer „neuen Türkei“ und einer „frommen Generation“ ist die Rede. Dafür verantwortlich ist vor allem Recep Tayyip Erdogan, der Gründer der regierenden AK-Partei und Staatspräsident der Türkei.

Für Menschen, die nicht religiös sind und sich selbst als Atheisten bezeichnen, ist diese Entwicklung nach Ansicht des Marburger Islamwissenschaftlers Pierre Hecker problematisch. Hecker leitet ein Forschungsprojekt über türkischen Atheismus.

Dabei sei es nicht einmal einfach zu ermitteln, wie viele Atheisten überhaupt in der Türkei leben: „Den offiziellen Statistiken zufolge sind knapp 99 Prozent der Türken Muslime“, so Hecker im DLF. Tatsächlich gebe es aber eine große Zahl an Atheisten in der Türkei. Viele stammten „aus konservativen sunnitischen Haushalten“ – und zeigten sich aus Angst vor Anfeindungen und Repressionen nicht öffentlich, denn teils würden sie verbal und auch körperlich angegriffen.

Für viele Atheisten sei ihre Abkehr vom Glauben auch eine Form des politischen Protests geworden – als Antwort auf den autoritären Führungsstil und die Islam-Politik von Staatspräsident Erdogan.

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