Ministerin Kiechle gefährdet die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft


Marion Kiechle (CSU), Ministerin für Wissenschaft und Kunst in Bayern (Foto: dpa)
Die bayerische Forschungsministerin preist einen Test für Brustkrebs an, bei dem Experten keinerlei Nutzen erkennen. Das ist fatal für das Ansehen der Wissenschaft.

Von Werner Bartens | Süddeutsche Zeitung

Was ist davon zu halten, dass Marion Kiechle, Bayerns neue Ministerin für Wissenschaft, einen Interessenkonflikt verschwiegen hat? Die ehemalige Direktorin der TU-Frauenklinik in München hat im Herbst 2017 in einem mittelmäßigen Fachblatt einen Biomarker-Test auf Brustkrebs angepriesen. Während vier Co-Autoren auf ihren Interessenkonflikt hinwiesen, weil sie für den Hersteller des Tests arbeiten, hat Kiechle ihre Beteiligung an „Therawis Diagnostics“ nicht erwähnt. 2018 gibt sie in einem Artikel zum Thema ebenfalls an, keine Interessenkonflikte zu haben.

Das ist keine Lappalie. Aber aus wissenschaftlicher Sicht wiegt es schwerer, dass der Biomarker-Test, den Kiechle propagiert und eine Firmenbeteiligung eingegangen ist, von fachlicher Seite ein schlechtes Zeugnis ausgestellt bekommt. Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das im gesetzlichen Auftrag Nutzen und Schaden in der Medizin bewertet, hat 2016 keine Vorteile derartiger Tests gefunden. Zu dem von Kiechle propagierten Test gab es so wenige Belege, dass die IQWiG-Prüfer ihn nicht mal in die Analyse aufnehmen konnten.

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