Das Klima im ideologischen Hexenkessel


Vertrocknete Halme ragen auf einem abgeernteten Feld in der Nähe von Köln in den Himmel. Bild: dpa
Klimawandelleugner verweisen gern auf die Maya, deren Kultur auch ohne Öl- und Kohleindustrie an Dürren zugrunde ging. Der menschengemachte Klimawandel jedoch verleiht natürlichen Kräften eine gefährliche Dimension.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vielleicht ist jetzt, da die Brachialhitze wütet und die katastrophale Trockenheit an vielen Orten der Welt auch nach Monaten kein Ende findet, die Zeit gekommen, sich mit Überlebensfragen zu beschäftigen. Mit kühlem Kopf, versteht sich. Für die Populisten ist allerdings schon die Frage selbst alarmistisch. Was es mit dem extremen Wetter auf sich hat? Man nennt es Sommer, frotzelt Professor Meuthen auf Twitter, Ausrufezeichen, Smiley, Punkt. Klimapolitik, das ist noch immer ein ideologischer Hexenkessel.

Eine Hochkultur, der es lange Zeit an nichts mangelte, die eine eigene Sprache hervorbrachte, Mathematik, Riten und Kunst, die den Mais als Kulturpflanze für die Menschheit verfügbar machte und die Naturkräfte mit Bewässerungstechniken zu zähmen verstand, diese selbstbewusste Kultur namens Maya ist vor etwas mehr als tausend Jahren sang- und klanglos über solchen Dürre-„Sommern“ zugrunde gegangen. Vergangene Woche erst haben Wissenschaftler in alten Sedimenten entscheidende Nachweise geliefert: Über Jahrzehnte anhaltende Trockenphasen mit Wassereinbußen von mehr als fünfzig Prozent haben den gesellschaftlichen Zusammenbruch bewirkt und nicht etwa Kriege oder Epidemien.

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