Endlich wird Rassismus auch Rassismus genannt


Nicht nur heiße Luft. In der Debattenkultur um Rassismus könnten wir wirklich weitergekommen sein.Foto: Paul Zinken/dpa
Eine Wende in der Debattenkultur: Der Begriff Rassismus wird nun offensiv benutzt. Und Betroffene bestimmen selbst, worüber geredet wird. Eine Kolumne.

Von Deniz Utlu | DER TAGESSPIEGEL

Führen wir jetzt wirklich eine Rassismusdebatte? Lange Zeit war das Wort „Rassismus“ in Deutschland tabuisiert. Wer es aussprach, eröffnete keine Debatte, sondern riskierte, von ihr ausgeschlossen zu werden. Noch immer höre und lese ich hin und wieder das Wort „Fremdenfeindlichkeit“, ein Ersatzwort für den „Rassismus“, der nicht angesprochen werden durfte. Ein problematischer Begriff allerdings, durch den die Betroffenen in der Beschreibung des Unrechts, das ihnen angetan wurde, ein weiteres Mal zu „Fremden“ gemacht, also von ihrer Zugehörigkeit suspendiert werden.

In den Debatten der vergangenen Jahre ging es meistens darum, ob „Migranten“ anpassungsfähig seien. Mit „Migranten“ waren oft keine „Migranten“ gemeint, sondern Menschen, die in Deutschland sozialisiert waren, aber deren Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land kamen. Dieses andere Land war lange Zeit hauptsächlich die Türkei, dann waren es muslimische Länder im Allgemeinen, jedenfalls meinte niemand Schweden.

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