Wo gehts hier zur Erfüllung, bitte?


Die Digitalisierung weckt die Sehnsucht, dass da mehr ist als nur die profane Wirklichkeit: Der Mensch von heute ist empfänglich für ­Übersinnlicheswie selten. Foto: Greg Rakozy
Christentum war gestern. Heute bastelt man sich seine Religion selbst. Etwas Yoga, ab und zu eine Aromatherapie und zur Hochzeit in die Kirche. Wird man so selig?

Lucie Machac | Der Bund.ch

Christina von Dreien ist der neue Stern der spirituellen Szene. Die 17-jährige St. Gallerin hat bereits zwei Bestseller publiziert, ihre Seminare zum Thema «Bewusstsein schafft Frieden» sind bis November ausgebucht. Christina sagt von sich, dass sie «mit einer multi­dimensionalen Wahrnehmung ­gesegnet» sei und dass sie zu «einer neuen Generation von evolutio­nären Denkern» gehöre, die unsere Existenz als «eine ­Komplexität von Quantenphysik, Neuropsychologie und Spiritualität wahrnehmen».

Hoppla. Spirituellsein ist heute offenbar eine Art interdisziplinäre Hochbegabung, die so gar nichts mehr mit dem dubiosen Image von Kartenlegern und Löffelbiegern zu tun haben will. Es wird kein Zufall sein, dass sich Christinas Kurzbeschrieb liest, als wäre sie eine Visionärin aus dem Silicon Valley, die unsere Welt zu einer besseren machen wird.

weiterlesen