Atheismus: Hört auf, uns zu ärgern! – Heul doch!


In der letzten Ausgabe hieß es, Christen seien ein bisschen verrückt und müssten die Skepsis aushalten, die ihnen von Atheisten entgegenschlägt. Jetzt entgegnet Hanna Jacobs den Glaubensskeptikern: Verlangt nicht Toleranz, wo ihr selbst keine aufbringt!

Von Hanna Jacobs | ZEIT ONLINE

Atheisten halten Christen für verrückt. Das schrieb Valerie Schönian letzte Woche an dieser Stelle. Ich verstehe das. Christen glauben an einen Gott, der die Welt, auf der wir leben, nicht nur erschaffen hat, sondern der nach wie vor ihren Lauf ordnet. Wirklich stichhaltige Beweise gibt es für diese Annahme nicht. Man kann Gott nicht mit bloßem Auge sehen, als Schöpfergott nicht und als Heiligen Geist schon gar nicht. Jesus Christus, Gott-Sohn, konnte man während eines kurzen Zeitfensters in der Geschichte der Menschheit durchaus sehen und anfassen. Für alle Nachgeborenen heißt es seit knapp 2000 Jahren: nicht sehen und doch glauben. Oder eben gar nicht glauben.

Ich finde es nachvollziehbar, dass man die Existenz eines solchen unsichtbaren Wesens für Humbug hält. Wie einem die Frage nach Gott allerdings dermaßen egal sein kann, dass man nicht wenigstens versucht, eine Antwort darauf zu finden, kann ich nicht verstehen. „Ein Agnostiker ist jemand, der nicht mal gläubig genug ist, um Atheist sein zu können“, erklärte der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère in seinem Katholizismus-Bestseller Das Reich Gottes. Eben darum streite ich lieber mit Atheisten als mit Agnostikern oder postmodernen Synkretistinnen, die ein bisschen an das Universum glauben, ein bisschen an Karma, die hie und da mal versuchsweise meditieren. Sie sind spirituell, aber auf keinen Fall religiös. Sie sagen: Es müsse jeder für sich selber wissen, was er glaubt. Bei Atheisten ist die Gesprächsgrundlage wenigstens klar. Wir gehen beide davon aus, dass es auf die Frage nach Gott nicht beliebig viele richtige Antworten geben kann, sondern nur eine: ja oder nein. Ich sage, es gibt ihn. Sie sagen, es gibt ihn nicht.

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1 Comment

  1. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“
    So sind sie halt die Geistlichen, gut ausgebildet und linientreu. Solange das Geschäft einigermaßen läuft, wird sich an deren Argumentationsweise wahrscheinlich auch kaum was ändern.

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