Plastik im Meer ist ein Problem – doch bei weitem nicht das grösste


Die Ozeane der Erde sind gross, doch nicht so gross, dass sie alles hergeben und schlucken können. (Bild: bna.)
Was früher die grossen traurigen Robbenaugen waren, ist heute der Plastikmüll im Meer. Durch die mediale Fokussierung auf einen emotionalisierbaren Nebenaspekt gerät die wahre Gefährdung der Ozeane aus dem Blick der Aufmerksamkeit. Dabei sind die Probleme ebenso gross wie komplex.

Nikolaus Gelpke | Neue Zürcher Zeitung

Bei Greenpeace habe ich gelernt, welche Themen Menschen emotional berühren und so die Voraussetzung schaffen für ein Engagement. Vor dreissig Jahren hielten wir Vorträge in Gemeindesälen und Schulaulas und zeigten vor den Pausen Bilder entweder von Atomwaffentests oder von abgeschlachteten Robbenbabys. In der Pause sammelten wir Spenden und warben um neue Mitglieder. Das Ergebnis war eindeutig: Die grossen traurigen Robbenaugen siegten über die Bedrohung durch Nukleartests im entfernten Pazifik und bescherten uns die grössten Spendenerfolge. Die Emotion bestimmte die Aktivität, nicht die nüchterne Einschätzung der Gefahr für die Natur an sich. In diesen Tagen erkenne ich ähnliche Muster bei einem Thema, das allgegenwärtig die Gemüter erregt: dem Plastikmüll in unseren Meeren.

Wenn sich Wissenschafter, Journalisten und Politiker mit der Bedrohung der Ozeane beschäftigen, sollte die Auseinandersetzung jenseits aller Emotionen stattfinden. Jedoch ist die Einschätzung des Ausmasses einer Gefährdung der Meere komplex: Forscher müssen die akute Wirkung nicht nur auf Lebewesen berücksichtigen, sondern auch auf das jeweilige Ökosystem, inklusive der Langzeitfolgen.

weiterlesen