Deutsche fahren auf der Autobahn ihren Vorurteilen nach


Von den 13 000 Kilometern an Autobahnen in Deutschland sind 97,5 Prozent in öffentlicher Hand. Stau auf der Autobahn A1 in Hamburg, 2017. (Bild: Imago)
Nach dem Unglück von Genua könnte man meinen, privat betriebene Autobahnen seien des Teufels. In Deutschland ist die Skepsis besonders gross. Dabei können öffentlich-private Partnerschaften Engpässe oft rascher beheben als der Staat allein.

Christoph Eisenring | Neue Zürcher Zeitung

Die Ursache des Brückeneinsturzes von Genua ist noch ungeklärt, doch die italienische Regierung fordert bereits die «Verstaatlichung» aller Autobahnen. Dabei erhält die Qualität des Strassennetzes in Frankreich, wo Autobahnen ebenfalls weitgehend von privaten Firmen betrieben werden, in einer Umfrage des World Economic Forum Höchstnoten. Privates Kapital war für den Aufbau des Autobahnnetzes in beiden Ländern massgebend, während zum Beispiel in Deutschland der Staat dafür zuständig war.

Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP), wie sie für südlichere Länder typisch sind, kennt Deutschland erst seit wenigen Jahren. Die Skepsis ist gross – und übertrieben, wie die bisherigen Erfahrungen in unserem nördlichen Nachbarland nahelegen: Von den rund 13 000 Autobahnkilometern werden erst 335 km von privaten Firmen betrieben. Über die nächsten Jahre könnten gut 1000 km dazukommen. Aber auch dann wären das nur knapp 10% des Netzes.

weiterlesen