„Der Philosoph sollte Altgriechisch und Programmieren lernen“


Ein Gespräch mit Martin Burckhardt über die komplexen historischen Beziehungen von Apparaten und Begriffen, deren Konsequenz die laufende Digitalisierung ist.

Daniel Hermsdorf | TELEPOLIS

Herr Burckhardt, ist es richtig, dass das theoretische Sprechen über Maschinen seit Jahrzehnten vor allem eines über „Medien“ ist?
Martin Burckhardt: In der Tat – und das ist ein Zustand, der mich stets verwundert hat, umso mehr, als man in den letzten beiden Dekaden eine Art Entgrenzungs- und Aufrüstungsbewegung in Gang gesetzt hat. Da hat man nacheinander Multi-, Hyper- und Transmedialität ins Feld geführt, lauter Begriffe, die eigentlich eine Begriffsverlegenheit darstellen.
Was unterscheidet Ihren Ansatz von sogenannten „Medientheorien“?
Martin Burckhardt: Ich habe mich von Anbeginn mit der Frage beschäftigt, inwieweit der Computer überhaupt als Medium, das heißt: als Mittleres oder als Werkzeug aufzufassen ist. Die Antwort ist: Eine solche Charakteristik ergibt überhaupt keinen Sinn. Oder wenn, so nur denjenigen, dass er den Betreffenden mit dem Phantasma ausrüstet, er habe die Maschine im Griff, so wie man einen Hammer im Griff hat. Aber der Computer ist kein Werkzeug, sondern eine Werkstatt, also eine topographische, räumliche Ordnung. Lässt man sich darauf ein, ist man von vorneherein gegen jede Medientheorie geimpft.
Zudem lassen sich solche Paradoxa klären wie Steve Jobs’ Ausspruch: „Der Computer ist die Lösung. Was wir brauchen, ist das Problem.“ Oder noch schöner, Vilém Flussers „Wir entdecken, was wir erfunden haben.“ Mit der Digitalisierung erschließt sich eine neue Gedankenwerkstatt, oder wie ich sagen würde, ein Geisteskontinent, den man sukzessive erobern kann.