Liberale Muslime haben Vorbildcharakter – aber für wen?


Abdul Adhim Kamouss, 41, wurde in Marokko geboren, kam 1997 zum Studium nach Deutschland. Mike Wolff
Das Aufbegehren der modernen Muslime in Berlin: Sie möchten den Islam „entstauben“, predigen von einem barmherzigen, milden Gott. Fraglich ist, wen sie erreichen.

Von Sebastian Leber | DER TAGESSPIEGEL

Neulich hat sich wieder der Staatsschutz bei ihm gemeldet. In mehreren Internetforen, in denen sich deutsche Anhänger des sogenannten „Islamischen Staats“ austauschen, gebe es eine direkte Morddrohung gegen ihn. Die Beamten sagen, diese Drohung sei ernst zu nehmen. Abdul Adhim Kamouss sagt: Natürlich ist sie das.

Am Freitag wird er trotzdem zum Gebet laden. Ab jetzt wieder wöchentlich. Und bald auch zum Sonntagsunterricht. Er sitzt dann auf einem ausgerollten Teppich in dem alten Backsteingebäude in der Müllerstraße, das eigentlich eine Kirche ist. Die Weddinger Baptistengemeinde gewährt ihm Unterschlupf, bis er eigene Räume gefunden hat. Thema seiner ersten Predigt: Was ist an der Pilgerfahrt nach Mekka nicht mehr zeitgemäß?

Kamouss, 41, hat große Pläne. Neben einer eigenen Moschee, in der ausschließlich Deutsch gepredigt wird, möchte der Berliner Imam eine Beratungsstelle aufbauen. Und eine Zentrale gegen Radikalisierung. Und eine muslimische Pfadfindergruppe. Dafür hat er eine Stiftung gegründet, sie heißt „Stiftung Islam in Deutschland“.

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