Imamin Seyran Ates: „Manche Türken sehen ihre große Stunde gekommen“


Seyran Ates nimmt in Alpbach an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Anpassung braucht Integration?“ teil. – Katharina Fröschl-Roßboth
Die Berliner Imamin und Juristin, Seyran Ates, spricht über ihre Pläne, eine liberale Moschee in Wien zu gründen, die Integrationsunwilligkeit mancher Zuwanderer und die Rolle des Islam dabei.

Köksal Baltaci | Die Presse.com

Die Presse: Sie planen eine liberale Moschee in Wien, wann werden dort die ersten Frauen und Männer Seite an Seite beten?

Seyran Ates: Ich kann noch keinen genauen Zeitpunkt für die Eröffnung nennen. Wenn wir es bis Jahresende schaffen würden, wäre das schön. Gleichzeitig ist mir Qualität ein großes Anliegen, daher werden wir uns die nötige Zeit für die Vorbereitung nehmen. Es braucht eine Gemeinde, Räume und finanzielle Mittel. Wenn jemand mitarbeiten will, freuen wir uns über Unterstützung.

Warum Wien?

Nach der Gründung der Ibn Rushd-Goethe Moschee 2017 in Berlin bin ich weltweit von Muslimen gebeten worden, auch bei ihnen vor Ort eine solche Moschee zu eröffnen. Ich war in mehreren Ländern dazu in Gesprächen, darunter Belgien und eben auch Österreich.

Sie nehmen heute in Alpbach an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Anpassung braucht Integration?“ teil. Dabei wird es sicher wieder hauptsächlich um den Islam gehen. Wieso immer der Islam?

Der Islam ist als Religion in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend politisiert worden und wird von vielen Muslimen als eine normative Grundlage für Gesellschaften gesehen und gelebt. Insbesondere Menschen aus dem arabischen Raum haben oft für eine säkulare Staatsordnung kein Verständnis, weil sie es gewohnt sind, gesellschaftliche Normen aus dem Koran abzuleiten. Viele dieser politischen Normen des traditionell-konservativen Islam stehen aber in einem Konflikt zu unseren westlichen Werten wie der Gleichberechtigung der Geschlechter oder der Religionsfreiheit.

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