Chemnitz: Neues von der Trauerfront


Chemnitz am Montag. Screenshot von Sputniknews-Video
Das Pogrom hat die Trauer zu einem Etikettenschwindel benutzt, der an Niedertracht kaum zu überbieten ist

Detlef zum Winkel | TELEPOLIS

Wenn Nazis Trauer tragen, fällt es schwer, einen Unterschied zu ihrem sonstigen Auftreten auszumachen. Denn sie tragen ja meistens schwarz. Also nutzen sie, wenn sie zu einem Trauermarsch nach Chemnitz reisen, einfach die gleichen Klamotten. Das macht es nicht gerade leichter, sich mit ihren Emotionen zu beschäftigen.

Es gibt keine Vorschriften, wie ein Trauerzug oder Trauer allgemein auszusehen hat. Das wird von verschiedenen Kulturen unterschiedlich gehandhabt und nicht zuletzt von den Hinterbliebenen bestimmt, deren Wünsche in einer solchen Situation Vorrang haben. Weinen ist keine Pflicht, wo kämen wir da hin? Aber es gibt in jeder Kultur, auch in der deutschen, Riten und Gebräuche, deren Befolgung besonders den traditionsbewussten und heimatliebenden Mitbürgern am Herzen liegt. Das möchte man jedenfalls meinen. Oder? Oder nicht?

Die ungeschriebenen Regeln sind einfach. Sie setzen sich quasi von selbst durch, ohne dass dafür ein Trauerkurs an einer Volkshochschule vonnöten wäre. Man dämpft die Stimme, pöbelt niemanden an und gebraucht keine Vulgärsprache. Man schleppt keine Schilder oder Transparente mit sich außer solchen, die sich positiv auf die verstorbene Person beziehen. Keine Nationalfahnen außer den offiziellen bei staatlichen Trauerfeiern.

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