Ein Putsch der katholischen Rechten?


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Ein Brandbrief gegen den Papst macht eine ominöse „Schwulen-Lobby“ für den Missbrauch verantwortlich.

Von Regina Kerner | Frankfurter Rundschau

Die katholische Welt ist in Aufruhr. Ein hochrangiger Kirchenmann hat den Papst in Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal schwer beschuldigt und zum Rücktritt aufgefordert – ein unerhörter Vorgang. Manche sprechen von einer Verschwörung oder gar einem Putschversuch der konservativen Kräfte in der Kirche, andere davon, dass inzwischen ein „Bürgerkrieg“, zwischen erzkonservativen Papstgegnern und liberalen Franziskus-Anhängern tobe. Wieder einmal geht es dabei auch um eine schon häufiger ins Spiel gebrachte ominöse „Schwulen-Lobby“ im Vatikan.

Auslöser des jüngsten Eklats ist ein elfseitiger Brandbrief, den der italienische Erzbischof Carlo Maria Viganò, 77 Jahre alter Ex-Vatikan-Botschafter in Washington, vergangenes Wochenende veröffentlichte. Er klagt Franziskus an, den inzwischen 88 Jahre alten US-Kardinal Theodore McCarrick gedeckt zu haben, der jahrzehntelang homosexuelle Beziehungen zu Seminaristen und Priestern hatte und Minderjährige missbraucht haben soll. Zwar entzog Franziskus Ende Juli McCarrick die Kardinalswürde. Viganò behauptet jedoch, der argentinische Papst habe seit Jahren von den Vorwürfen gewusst und nichts unternommen. Er persönlich habe Franziskus schon im Sommer 2013 informiert, dass McCarrick „Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben“ habe und von Papst Benedikt XVI. zu einem zurückgezogenen Leben in Buße verurteilt worden sei.

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