Der Papst kann zu Vigano nicht schweigen


Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Der ehemalige Botschafter des Papstes in den USA wirft dem Papst – und indirekt zahlreichen Kurienmitarbeitern – in einem elfseitigen Papier vor, jahrelang Hinweise auf sexuelle Übergriffe von US-Kardinal Theodore McCarrick ignoriert zu haben, obwohl schon Benedikt XVI. diesem deshalb die Ordre gegeben habe, nicht mehr öffentlich aufzutreten.

Benjamin Leven | katholisch.de

In den letzten Tagen ist von vielen auf „Ungereimtheiten“ in den Aussagen von Erzbischof Carlo Maria Viganò hingewiesen worden, auf dessen eigene „Leichen im Keller“ und auf seine offensichtlich konservative kirchenpolitische Agenda.

Dennoch bleibt die Frage, ob es denn im Kern zutrifft, was Viganò behauptet. Es ist in gewisser Weise wie bei einem Mafia-Aussteiger. Der hat vorher Leute erschossen. Seine Motive sind nicht ganz edel. Er will gewisse Personen schonen und andere fallen sehen. Natürlich wäre seine Aussage glaubwürdiger, wenn er auch eigene Schuld eingestehen würde. Trotzdem darf man die Vorwürfe nicht leichtfertig abtun. Nicht zuletzt, weil bereits mehrere Fälle dokumentiert sind, in denen der Papst gegen die von ihm verkündete Null-Toleranz-Politik verstoßen hat. Er hat bei Personen, die sexuelle Übergriffe begangen oder diese vertuscht haben, Warnungen übergangen. Der bekannteste Fall ist der chilenische Bischof Juan Barros.

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